„Dygnèpé – Retours aux sources“

Ausstellung von Patrick Agbowadan

  •  © Harouna Marané
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Vom 5. bis 29. Juli wurden im Ausstellungsraum des Goethe-Instituts Ouagadougou, Kunstraum226, Werke des Künstlers Patrick Agbowadan gezeigt. Es waren 15 Gemälde zu sehen, die sich mit der Thematik von Voodoo Ritualen beschäftigen. Der Künstler tauchte seine Pinsel in die reinigenden Wasser des Voodoo, um ein angemessenes und unmittelbares Bild zu zeigen, frei vom Verdacht des Dämonismus, den das Christentum, der Islam und das Hollywood-Kino auf diese Religion geworfen haben. Diese Ausstellung bietet eine Reise in die Philosophie des Voodoo, um sie in ihrer Eigenschaft als Institution, die den „ehrlichen afrikanischen Menschen“ formt, zu verstehen.

Man sollte wissen, dass eine Kunstform des Voodoo existiert, bestehend aus Skulpturen und Wandmalereien, die in Voodoo-Tempeln zu finden sind. In Benin gibt es einen offensichtlichen Zusammenhang zwischen dieser Kunst und zeitgenössischer Kunst. Es ist diese Voodoo-Kunst, die Cyprien Tokoudagba dem Kloster entnahm, um sie in die zeitgenössische Kunst einfließen zu lassen. Andere Künstler lassen sich von ihr inspirieren, um zeitgenössische Werke zu schaffen. So wie Ludovic Fadairo, der sich in seinen Gemälden und Installationen von den Zeichen der göttlichen Kunst der „Fa“ inspirieren lässt und Dominique Zinkpè, der „Ibéji“ Puppen in seinen Skulpturen verwendet. In Togo verwendet Kanlanféi Danaya Marionetten des Klosters, um sie auf die moderne Bühne zu bringen.

Patrick Agbowadans künstlerischer Ansatz ist anders. Seine Arbeit ist kein Recycling oder Neuinterpretation der Voodoo-Kunst. In seiner Ausstellung wird Voodoo zum Thema gemacht, jedoch ist Voodoo-Kunst nicht die Matrix. In seinen teilweise abstrakten, teilweise figurativen Gemälden erkennt man weder eine Gottheit des Voodoo-Pantheons, noch ist eine Verbindung zur Ikonographie des Voodoo zu sehen. Man könnte lediglich einräumen, dass die Symbolik der Farben derjenigen des Voodoo nahe kommt. So symbolisieren beispielsweise die Farben Rot und Schwarz bei dem Künstler das Leben und haben nichts mit Gewalt oder Tod zu tun, wie in der europäischen Semiologie.

Anhand von etwa 15 Gemälden führt uns der Künstler durch die verschiedenen Phasen der Sozialisierung des Individuums in der Voodoo-Gemeinschaft, im Südosten seines Heimatlandes Togo. Jedes Bild repräsentiert eine Etappe in der Voodoo-Initiation. Wir haben zum Beispiel das Opfer, die Reinigung, die Initiation, die Erlösung und die Transmission. Voodoo, in der Präsentation des Künstlers, ist eine Ausbildungsstätte, ein System zur Vermittlung von philosophischem und wissenschaftlichem Wissen sowie von Kosmogonie, Geomantie und Pflanzenmedizin. Dies ist die gemeinsame Grundlage des Wissens aller Kinder in der Gemeinschaft. Anschließend gibt es Spezialisierungen. Um zum Beispiel der „siebte Sohn“ zu werden muss man sich sechs Jahre lang in eine Art „Voodoo-Kloster“ bzw. Ausbildung begeben.

Das Voodoo-Kloster dient der Ausbildung von gebildeten, sozial integrierten Menschen, die aktiv am Leben der Gemeinschaft teilnehmen. Erinnert uns das nicht an das Projekt der Philosophen der Aufklärung im 18. Jahrhundert, jeden Bürger zu einem „ehrlichen Menschen“ zu machen? Wer Patrick Agbowadans Werke kennt, wird zweifellos von dem neuen Atem dieser Ausstellung überrascht sein. Tatsächlich macht seine üblicherweise sehr dunkle Farbpalette, die ihm das Bild eines gequälten Künstlers verlieh, einem Tanz heller und warmer Farben Platz, der die Leinwände öffnet und ihnen einen Hauch fröhlicher Leichtigkeit schenkt. Man spürt, dass der Künstler, inspiriert von seinem Erlebten und der Rückkehr ins Königreich der Kindheit, die Farben des Glücks wiederentdeckt hat.

Diese Ausstellung beweist, dass ein Künstler nur dann ein starkes, das Publikum ansprechendes Werk schaffen kann, wenn er in Resonanz mit sich selbst geht. So gilt Rilkes Rat in den Briefen an einen jungen Dichter für jedwede Kreation: „Es gibt nur ein einziges Mittel. Gehen sie in sich.“

Mit Dygnèpé, was so viel wie Rückkehr zu den Wurzeln bedeutet, ist Patrick Agbowadan zu sich selbst zurückgekehrt. Was er von diesem ‚Eintauchen‘ hervorgebracht hat, bespritzt den Betrachter mit Licht und Wissen. Man kann sagen, dass sein Pinsel, indem er beim Zurückkehren an der Quelle trank, wie die Seekühe von Senghor es tun, ihn zu einer reicheren, wahreren und berührenderen Kunst erwachen ließ.