"NAABALAND" von Poco&Co

  • Naabaland 1 @ Goethe-Institut (Francois d'Assise Ouédraogo)
  • Naabaland 2 @ Goethe-Institut (Francois d'Assise Ouédraogo)
  • Naabaland 3 @ Goethe-Institut (Francois d'Assise Ouédraogo)
  • Naabaland 4 @ Goethe-Institut (Francois d'Assise Ouédraogo)
  • Naabaland 5 @ Goethe-Institut (Francois d'Assise Ouédraogo)
  • Naabaland 6 @ Goethe-Institut (Francois d'Assise Ouédraogo)
  • Naabaland 7 @ Goethe-Institut (Francois d'Assise Ouédraogo)
  • Naabaland 8 @ Goethe-Institut (Francois d'Assise Ouédraogo)
  • Naabaland 9 @ Goethe-Institut (Francois d'Assise Ouédraogo)
  • Naabaland 10 @ Goethe-Institut (Francois d'Assise Ouédraogo)
  • Naabaland 11 @ Aline Boubert
  • Naabaland 12 @ Aline Boubert
  • Naabaand 13 @ Aline Boubert
  • Naabaland 14 @ Aline Boubert
  • Naabaland 15 @ Aline Boubert
  • Naabaland 16 @ Aline Boubert
NAABALAND ist der Titel der Ausstellung, die von der Gründerin von POCO&CO, präsentiert wird. Die französische Künstlerin, mit offiziellem Namen Aline Boubert, lebt in Burkina Faso und fühlt sich seit ihrer Kindheit vom afrikanischen Kontinent und der kulturellen Unterschiede angezogen. ‚Poco‘ auf Moore reimt sich mit dem Wort ‚Weiblichkeit‘. Nach der Eröffnung am 8. Februar 2019 war die Ausstellung im Kunstraum226 des Goethe-Instituts in Paspanga, Ouagadougou für die Öffentlichkeit bis Ende März zugänglich. Naabaland ist eine Reise in das Herz einer künstlerischen Utopie zwischen Design und Mode, Kunst und Handwerk, hier und anderswo, gestern und morgen.

Poco&Co präsentiert sich selbst als Designkünstlerin, weigert sich jedoch, sich auf das Nützliche oder das Dekorative zu beschränken. Ihre Kreationen pendeln zwischen Kunst, Handwerk und Design und wollen "aufgeladen" werden, nicht von Mysterien und Mythen wie Masken oder afrikanischen Fetische, die einen heiligen Charakter haben, sondern sie wollen von Geschichten, Fragen, Überlegungen, der Suche nach dem Anderen und dem Anderswo bewohnt werden, wo sich die Suche nach Form vom Zufall leiten lässt.

Die Kunst von Poco&Co ist eine Kunst, die das Reale, das Alltägliche aufbricht und es immer wieder auf unerwartete und originelle Weise zusammensetzt. So bringt sie Gegenstände dazu, ihren gewohnten Gebrauch zu verlassen, um andere Funktionen anzunehmen. Es ist nun der Kontext, der die Verwendung des Objekts bestimmt. Auch kümmert sich Poco&Co nicht um kulturelle Reinheit. Die verschiedenen Kulturen fusionieren durch ihre Kreationen, wirken aufgrund der Inspiration der Künstlerin zusammen, um eine neue Form zu erschaffen, in einem Stil, den man bereitwillig als „Poco&Co Stil“ qualifizieren würde. Eine Einfachheit zeichnet diesen Stil aus, dessen Formen jedoch sehr suggestiv sind und sich hin und wieder auf Masken, Kopfbedeckungen, Kostüme und traditionelle Verzierungen verschiedener afrikanischer Ethnien beziehen lassen.

Mit Naabaland (‚Naaba‘ auf Moore bedeutet ‚Chef‘), das neue Land der Chefs, wird Kleidung zur Skulptur. Wir erleben dann die Dekontextualisierung und die erneute Einbettung von Objekten, Kostümen, Kopfbedeckungen und Ornamenten. Traditionelle Kostüme oder Kopfbedeckungen wirken dank dem "Poco&Co Stil" modern und ganz einfach zeitgemäß. Die Kreationen der Künstlerin sind von afrikanischen Traditionen im Allgemeinen und von Burkinabè im Besonderen inspiriert. Wir können Formen finden, die von Masken der Mossi, Ashanti und Yoruba von Frisuren von Chefs der Dahomean oder Kopfbedeckungen der Chefs der Mossi inspiriert sind. Interkulturalität und Interdisziplinarität sind das Leitmotiv dieser Kreationen. Dies sind alles Aspekte, die sie zu einer Abenteurerin in Kunst und Kultur macht, die sich nicht mit einem Land oder einer Asylkultur zufriedengeben könnte. Sie ist immer auf der Suche nach dem Neuen, dem Anderen. Aus diesem Grunde überlässt sie reproduktive Arbeiten anderen Künstler*innen oder Handwerker*innen, die mithilfe von Modellen die Herstellung von prêt-à-porter-Mode mit alltagstauglichen und leichter zugänglichen Materialien übernehmen. Die Farben sind warm, lebendig und zeugen von Vitalität und ständiger Bewegung. Diese Suche nach Bewegung hat zu einem mobilen Fotostudio geführt, das die Ausstellung begleitet und der Nachbarschaft in Paspanga, sowie Passant*innen und Besuchende der Ausstellung ermöglicht sich mit den Kostümen fotografieren zu lassen; dies verlieh der Veranstaltung eine etwas karnevalistische Atmosphäre.

Naabaland, das künstlerische, handwerkliche und industrielle Techniken, Tradition und Moderne vereint, ist auch eine Anspielung auf die Modewelt: eine Art Styling-Labor. Die Ausstellung enthüllte originelle, experimentelle Kreationen, die zum Teil einfache und überraschende Formen beinhalteten. Diese erinnern ohne Zweifel an Minimal Art oder sogar die Bauhaus-Schule, die sich beide durch einfache, glatte, geometrische Formen auszeichnen. Darüber hinaus werden dem Betrachtenden angesichts dieser Kreationen Gedanken an den niederländischen Maler Piet Mondrian oder den zeitgenössischen türkisch-britischen Designer Hussein Chalayan kommen.

Naabaland hat auch insofern eine politische Dimension, als es um die Chefferie (Häuptlingstum) geht. Die lebende Schaufensterpuppe in der traditionellen Kleidung des Chefs ist eine Frau; was natürlich nicht die Realität übersetzt, sondern uns herausfordert und uns fragt, warum die Naaba (Chefs) immer Männer sind. Auch die Verwendung der Fernbedienung in der Installation führt uns dazu, die Realität der Macht in Frage zu stellen. Wer kontrolliert die Wirklichkeit?
Naabaland, dieses neue Land der Chefs, zeigt Afrika in Bewegung, das sich auf der Suche nach seiner Identität verändert und aus Kulturen, vielfältigen Geschichten und Unterschieden besteht, die in der Zeit zwischen Tradition und Moderne geteilt werden. Es ist eine Begegnung zwischen dem Hier und dem Dort, gestern und heute und ein Blick in die Zukunft.

Mit dieser Ausstellung möchte Poco&Co das Kleidungsstück in Form einer Skulptur zum Sprechen bringen. Diese Ausstellung ist eine Schwingung zwischen Kunst und Handwerk, Design und Dekoration, Schönem und Nützlichem, Tradition und Moderne. Es ist einfach der Ausdruck einer zeitgenössischen Ästhetik, deren Muster und Formen darauf warten, im Bereich der Kleidung und Mode genutzt zu werden.