Training
Angst essen Seele auf

Angst essen Seele auf
© Arte Urbana Collectif

Warum dieser Film heute?

Goethe-Institut Bulgarien, Veranstaltungssaal

"Das Glück ist nicht immer fröhlich" (aus dem Prolog von "Angst essen Seele auf")


Rainer Werner Fassbinder ist zweifellos einer der wichtigsten Regisseure der deutschen Filmgeschichte und ein Vertreter des Neuen Deutschen Films. In seinem kurzen Leben drehte er 40 Filme, zwei Fernsehserien und drei Kurzfilme und schrieb außerdem 24 Theaterstücke. "Angst essen Seele auf" ist ein außergewöhnliches Meisterwerk für seine Zeit und unserer Meinung nach einer der besten Filme Fassbinders. Deshalb freuen wir uns, dass er seit kurzem Teil der CinEd-Filmbildungssammlung ist. 

Wir laden alle LehrerInnen, ErzieherInnen und OrganisatorInnen von Filmaktivitäten für SchülerInnen zu einer Fortbildung ein, bei der sie den Autor und den Kontext des Films kennenlernen und Ansatzpunkte für Diskussionen und Analysen nach der Vorführung mit SchülerInnen sowie Leitlinien für die pädagogische Arbeit mit bestimmten Ausschnitten erhalten. Ressourcen für Lehrer und Schüler, die im Rahmen von CinEd von den Autoren Malve Lipman, Zhang Sungu und Dr. Martin Ganguly erstellt wurden, werden in einer hervorragenden bulgarischen Übersetzung von Ioana Pavlova vorgestellt. Der Eintritt ist frei bei Voranmeldung unter cinedbulgaria@gmail.com (bitte geben Sie Ihren Vor- und Nachnamen an und - wenn Sie Lehrer sind - an welcher Schule Sie unterrichten).


Warum dieser Film heute?
Dieses Werk war Fassbinders erster Erfolg auf internationalen Filmfestivals und gewann 1974 in Cannes sowohl den FIPRESCI-Preis (Preis der internationalen Filmkritik) als auch den Preis der Ökumenischen Jury. In diesem Film porträtiert Fassbinder die Gesellschaft in der jungen Bundesrepublik Deutschland (BRD) mit außergewöhnlicher Genauigkeit. Er kritisiert schonungslos die Verdrängung des jüngsten nationalsozialistischen Traumas in einer beispiellosen Weise. Er zeigt, wie die rassistischen Strukturen und die Blockwart-Mentalität der Nazi-Zeit unverändert und unreflektiert in der deutschen Gesellschaft fortbestehen. Die Hauptfigur Ali ist einer der vielen Wirtschaftsmigranten (auch Gastarbeiter genannt), die durch die zwischen 1955 und 1973 geschlossenen Arbeitsverträge zur Arbeit in die BRD eingeladen wurden. Die romantische Beziehung zwischen Amy und Ali stellt einen doppelten Tabubruch in dieser engstirnigen Gesellschaft dar - als Paar werden sie nicht nur wegen ihres beträchtlichen Altersunterschieds, sondern auch wegen ihres unterschiedlichen kulturellen Hintergrunds, der von der Gesellschaft als unpassend für ein Paar angesehen wird, von ihrem sozialen Umfeld ausgegrenzt.

Mit der Wahl der älteren Amy als Protagonistin unterläuft Fassbinder auch radikal die typische Darstellung von Frauen im Mainstream-Kino. Er schafft ein einfühlsames und sehr realistisches Bild einer starken, berufstätigen Frau, die in keiner Weise den kommerziell vermarkteten Schönheitsidealen entspricht. Dabei verleiht der Autor seiner Figur eine starke Stimme und vertritt eine ungewöhnlich nuancierte weibliche Position. In der dramatischen Liebesgeschichte zwischen Amy und Ali greift der Film Themen wie Rassismus und Ausgrenzung auf und analysiert die dahinterstehenden gesellschaftlichen Mechanismen. Diese Analysen lassen sich auf die Gegenwart übertragen und tragen zu einem besseren Verständnis der Machtverhältnisse in der europäischen Gesellschaft bei.


Das Training wird vom Goethe-Institut Bulgarien und dem Sofia Culture Programme 2023 unterstützt.

Details

Goethe-Institut Bulgarien, Veranstaltungssaal

Budapesta Str. 1
1000 Sofia