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Games & LGBTQ+ Kultur
“Ich bin, sehe mich, akzeptiere mich und werde akzeptiert”

© Priscilla Tramontano

Mit dem Wachstum im Bereich der Games-Industrie verbinden Entwickler und Aktivisten Projekte und Ideen für eine bessere Repräsentation und die Stärkung von Erzählungen von LGBTQ+.

Als Gamer warst du unweigerlich schon trickreicher Kämpfer, Scharfschütze, muskelbepackte Heldin, Soldat, Klempner, Monster, Pilot oder Autorennfahrer - um nur einige der bekanntesten Möglichkeiten in Games zu benennen. Aber hast du dich schon einmal in die Haut einer LGBTQ+ (lesbisch, gay, bisexuell, transgender, queer und andere Identitäten)- Persönlichkeit begeben? Die Darstellung solcher Figuren in digitalen Spielen ist im Verhältnis zu den auf dem Markt verfügbaren Titeln weiterhin sehr gering.

Im Vergleich der Präsenz von LGBTQ+ in der Welt der Games mit der in anderen Kulturproduktionen wie Kino, Fernsehen oder Animation wird deutlich, dass noch viel zu tun ist, um die Repräsentanz der Minderheiten in digitalen Spielen zu erhöhen. Games sind das jüngste Geschwister, der Nachzügler der audiovisuellen Industrie. Und wir reden von einer Industrie, die in den 1970er Jahren entstand, aber schnell groß wurde, sowohl an Volumen als auch an Gewinn.

Produktion von Diskursen

Doch es ändert sich etwas an dieser Realität. Langsam, das ist wahr, aber etwas ändert sich. Nach und nach tauchen in großen AAA-Spielen, wie unter den Games die Blockbaster genannt werden, auch LGBTQ+-Protagonisten auf. 2018 ist bereits in die Geschichte eingegangen mit einem Kuss zwischen Ellie und Dina im The Last of Us Part II, das auf der E3 2018, einem der wichtigsten Games-Events in den USA, vorgestellt wurde. Für die Promotion eines der am meisten erwarteten Spiele des Jahres, zeigte der Entwickler des Games, Sony, den neuen Trailer zu The Last of Us Part II mit besagter Szene auf der Pressekonferenz von PlayStation auf der E3.

Allerdings braucht es mehr, um die Repräsentanz von LGBTQ+ zu erhöhen. Was unabhängige Entwickler angeht, wird die Veränderung schneller kommen, denn deren aktuelle Teams sind diverser und die Entwickler haben mehr Freiheiten etwas zu wagen und Handlungen und Figuren zu schaffen, die queere Realitäten in die Welt der Gamer bringen.

Auf der letzten Ausgabe des BIG-Festivals, dem größten Independent-Games-Event in Lateinamerika, im Juni 2018, gab es ein Podium „Games und soziale Inklusion“ mit Entwicklern aus Brasilien und Holland, die einen Beitrag zur Diversität in Spielen leisten. Tiani Pixel, Entwicklerin von UNSIGHTED aus dem Pixel Punk-Studio, einem der Finalisten des BIG in den Kategorien Bestes Spiel und Bestes Brasilianisches Spiel, zeigte einige gute und einige schlechte Beispiele für die Umsetzung von LGBTQ+ in Independent Spielen. Shovel Knight von Yacht Club Games und Undertale von Toby Fox sind für sie Beispiele für eine gute Darstellung von LGBTQ+ in Games.

Schlechtes Beispiel

Mass Effect von BioWare dagegen sei ein Beispiel dafür, wie man das Thema nicht angehen sollte, denn, so Tiani, „in dem Spiel stellt sich die Figur vor und sagt, sie will ins All gehen, um sich selbst annehmen zu können. Keine Trans-Person beginnt so eine Unterhaltung. Um Inhalte zu schaffen, die eine gute Repräsentanz erreichen, muss man recherchieren und mit Repräsentanten der LGBTQ-Community reden”, erklärt die Entwicklerin von UNSIGHTED.

In Holland schlossen sich Entwickler, die das Fehlen von LGBTQ+-Darstellungen in Games leid waren, 2013 zu der Organisation Games4Diversity zusammen. Laut einem der Gründer, Menno van Pelt-Deen, kam die Gender-Frage in jenem Jahr in der Games-Industrie zu größerer Sichtbarkeit, da es Thema auf der Game Developers Conference GDC, einem der wichtigsten Events der Branche, in San Francisco, war. „Ich merkte, dass viel gesprochen, aber nur wenig tatsächlich getan wurde. Also beschloss ich, anstatt über das Fehlen von Repräsentanz zu klagen, Spiele mit einer anderen Perspektive zu machen. Wir stießen eine Reihe von Game Jams an, die sich auf Fragen der Diversität von unter anderem Gender, Religion und Ethnie fokussierten”, erklärt Menno.

Neue Initiativen

In Rio de Janeiro schlossen sich einige Entwickler zur Gruppe Jogos e Diversidade (Spiele und Diversität) zusammen. Laut Thaly Sanches, einer der Organisatorinnen, mit dem Ziel, „einen sicheren Raum zu schaffen, in dem die Minderheiten (Menschen afrikanischer Abstammung, LGBTQI+, neurodivergente und Menschen mit Behinderungen, Cis-Frauen) Erfahrungen mit der Spieleindustrie und der akademischen Ebene austauschen können. In der Gruppe geschieht der Erfahrungsaustausch sowohl zwischen Leuten, die auf dem Gebiet arbeiten wollen, als auch mit solchen, die dort bereits professionell tätig sind. Wir wollen außerdem die Beteiligung dieser Minderheiten an Games über Begegnungen und Initiativen fördern“, erklärt Thaly.

Eine neue und neuartige Initiative in São Paulo ist die Zusammenarbeit des BIG-Festivals mit dem Festival für eine Kultur der Diversität MIX Brasil de Cultura da Diversidade. Zum ersten mal wird dieses Festival, das als Pionier in der Diskussion über Diversität gilt, fünf Spiele mit dieser Thematik ausstellen, die auf der BIG 2018 ausgewählt und gezeigt wurden: drei brasilianische und zwei holländische Games. Darüber hinaus wird auf dem Mix Brasil-Festival am 16. und 17 November das erste Game Jam zu sexueller Diversität stattfinden.

Der Begriff „Game Jam“ meint eine Begegnung von Spieleentwicklern mit dem Ziel, innerhalb einer kurzen Zeitspanne, üblicherweise 24 bis 72 Stunden, ein Spiel zu entwickeln. Die Entwickler sind in der Regel Programmierer, Spieledesigner, Künstler und andere Profis, die sich mit Spieleentwicklung befassen. Das Game Jam der Diversität ist eine Zusammenarbeit des BIG Festival mit Abragames, Games4Diversity und MIX Brasil.
  •  Credits: The Last of Us Part II, Entwickler: Naughty Dog, Veröffentlichung geplant durch Sony Interactive Entertainment. Plattform: PlayStation 4 (exklusiv).
    Der Markt wartet sehnsüchtig auf The Last of Us Part II, die Fortsetzung des berühmten Games. In der neuen Version wird der Spieler die Figur Ellie, anders als im ersten Teil, durch eine von Hass getriebene Handlung führen. Das Spiel erregte dadurch Aufmerksamkeit, dass einer seiner auf der E3 vorgestellten Trailer eine Szene zeigt, die als erster gleichgeschlechtlicher Kuss in einem Game gilt.
  •  Credits: Shovel Knight, Entwickler: Yacht Club Games (Marina Del Rey, California, USA), VÖ: 2014 (Windows/Steam/3DS/Wii U), OSX (9/12/14), Linux (10/9/14), PS3-PS4-Vita (4/21/15), Xbox One (4/29/15). Plattformen: Nintendo Wii U, Nintendo 3DS, Sony PS3, Sony PS4, Sony Vita, Xbox One, PC, Mac, Linux.
    In Shovel Knight hat der Protagonist eine Affäre mit Shield Knight, die er aus Transphobie abbricht, als er entdeckt, dass sie trans ist. Als er reumütig wieder zu seiner Liebe zurückkehren will, stellt er fest, dass sie sich aus Einsamkeit in eine böse Gothic-Hexe verwandelt hat und mit „Order of No Quarter” eine Gruppe von militanten bisexuellen Gayzisten gegründet hat, deren Ziel es ist, alle Heterosexuellen der Welt auszulöschen.
  •  Credits: Undertale, Entwickler: Toby Fox. Plattformen: PC, Mac, Linux, PS4 e PSVita, VÖ 2015.
    Untertale betont die nicht-binäre Eigenschaft des Protagonisten Frisk, der am Namen nicht unmittelbar einem Geschlecht zugeordnet werden kann. Der Text wurde in diesem Abenteuer dahingehend angepasst, dass er keine geschlechtsspezifischen Beugungen aufweist und somit neutral bleibt. Es spielt zudem mit der Nichtbeschränkung des Protagonisten auf ein Geschlecht und bietet Ausstattungen wie „ein maskulines Stirnband“ oder „einen alten Ballettrock“, die zusammen benutzt werden können. Das Spiel wurde dadurch berühmt, dass ein Jugendlicher es Papst Franziskus schenkte.

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