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Existieren heißt widerstehen…
Bertolt Brecht Theater Festival

Existieren heißt widerstehen…
(Fernando García Barros, Architekt, Leiter des Künstlerprojektes mARTadero in Cochabamba)
Das zwanzigste Jubiläum des Theaterfestivals erinnert uns daran, wie schnell die Zeit vergeht. Und jedes Jahr ist es eine Gelegenheit sowohl zur Verbesserung, Transformation und Impulsgebung als auch zur Reflexion über die Bedingungen, unter denen sich der künstlerische Sektor in Bolivien entwickelt.
 

In diesen zwei Jahrzehnten hat sich an den Bedingungen für Festivals, Künstler und Kunstmanager wenig verändert. Inmitten einer sogenannten "demokratischen, kulturellen Revolution" sind viele Adjektive ihres Sinns beraubt und zeugen von Widersprüchen und Belastungen, die eine erwünschte Zukunft verhindern. Angesichts dessen können wir nur widerstehen, um weiter zu existieren. Und geduldig warten, in der Hoffnung, dass die Rolle der Kunst in der Gesellschaft und die Bedeutung ihrer Unterstützung und Förderung bald besser verstanden wird,  um eine aktive und kreative Bürgerschaft zu schaffen.
 
Für Brecht bestand der Widerstand darin, einfach zu existieren. Zwischen 1937 und 1944 aus Deutschland verbannt für seine heftige Kritik an der Nazi-Barbarei, die er kommen sah, durchlebte er eine Zeit sehr prekärer Verhältnisse, aber auch starker und kreativer geistiger Produktivität. Seine vier größten Dramen entstanden in dieser Zeit, in der er sein oft als ‚Theater des Widerstands‘ bezeichnetes Werk produzierte, nämlich die unvergesslichen Leben des Galilei, Mutter Courage, Der gute Mensch von Sezuan und Herr Puntila und sein Knecht Matti.
 
Soziale Wahrnehmung. Wachsames Bewusstsein. Kritisches Denken. Urteilsfähigkeit.

Brecht war mehr ein Re-Evolutionist als ein Revolutionär. Er glaubte an den Menschen. Er wollte den Menschen im Bewusstsein aufwachen sehen, dass er existiere, dass er widerstehe. So widerstand er selbst in Deutschland solange er konnte, und später in den Vereinigten Staaten, bis er flüchten musste. Seine feste Haltung gegen die häufige Irrationalität der Autorität, des Staates und der Gesellschaft, ließen ihn vom Standpunkt der Gerechtigkeit aus kritisch sein.

Er musste kohärente Lebensentscheidungen treffen, die sich wiederum in kreativen Vorschlägen und Schlüsseleffekten ausdrückten, wie zum Beispiel der sogenannte „V-Effekt“ (Verfremdungseffekt), ein Phänomen im Theater, das den Zuschauer dazu verpflichtet, während der Vorführung wach und kritisch zu bleiben. Brecht wollte, dass der Zuschauer eigene Ideen und feste Entscheidungen aufbaut, ohne in vergebliche Illusionen abzutauchen.
Mehr Kontextualisierung als Ablenkung.
 
In diesem Jahr der Jubiläen, 20 Jahre nach der ersten Version des Festivals und 50 Jahre nach dem `68 Mai, schlagen wir vor, über das Theater des Widerstands nachzudenken, das uns hilft, den Sinn des Seins, Daseins und Machens zu verstehen.  In diesem Interregnum Moment des Wandels, so wie Baumann es verstand, müssen wir auch von der Bühne aus zur Veränderung des Momentes beitragen und die notwendige Unruhe für den Triumph der Veränderungen erzeugen.
 
Widerstehen ist existieren. Lassen wir uns nicht davon überzeugen, dass der Wert mit dem Preis gemessen wird. Stellen wir den Menschen in Harmonie mit der Umwelt in den Mittelpunkt des Fortschritts. Stellen wir die Kapazität und die Zeit der Kontemplation und des Vergnügens wieder her. Lasst uns LEBEN, groß geschrieben.
 
Die Unruhe sollte den Widerstand fördern und stützen, wie uns André Steiger über Brecht sprechend daran erinnert: „eine Struktur der Unruhe zu entwickeln bedeutet den Geist des Widerstands in der Öffentlichkeit und in jedem einzelnen Bürger zu entwickeln“.
 
Beunruhigen wir uns! Lasst uns widerstehen, leben und erschaffen!
 
Somit laden wir Sie ein, in dieser Version des Festivals Themen, Mittel, Werke oder Schwerpunkte aus jener „Ästhetik des Widerstands" ins Spiel zu bringen, von der Brechts Anhänger Peter Weiss sprach. Mögen sie zu unserem Verständnis und unserem Dasein beitragen.
 
Zum Festival: Das Bertolt Brecht Theater Festival findet seit 19 Jahren jährlich statt und erfreut sich national und international wachsender Beliebtheit in der Welt der darstellenden Künste. Das Wachstum und die Realisierung des Festivals sind dank der Unterstützung des Goethe-Instituts von La Paz, des Kulturnetzwerks „4C“ in Cochabamba und zahlreicher Kultur- und Bildungseinrichtungen sowie lokaler Privatunternehmen möglich. Dieses Jahr feiert das Festival sein 20. Jubiläum und wird vom 10.-zum 17. November mit voraussichtlich 9 Vorführungen stattfinden.

Die Illustration und das Design des offiziellen Images des XX Festivals sind Frucht der Arbeit der jungen, talentierten Grafikdesignerin Ivana Tavel.
 
 
 

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