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Berlinale-Blogger*innen 2022
Silberner Bär für brasilianischen Kurzfilm

Manhã de Domingo. Brasil, 2022. Direção: Bruno Ribeiro. Na foto: Raquel Paixão. Berlinale Shorts 2022.
Sunday Morning. Brasilien, 2022. Regie: Bruno Ribeiro. Im Bild: Raquel Paixão. Berlinale Shorts 2022. | © Wilssa Esser

„Manhã de domingo“ (Sunday Morning) von Bruno Ribeiro, der einzige brasilianische Film in einem Wettbewerb der 72. Berlinale, gewinnt den Preis de Jury.
 

Von Camila Gonzatto

Manhã de domingo geht als Film sehr zurückhaltend und subtil mit Gefühlen um. Genau aus dieser Feinheit der Musik, der Stile und Blicke entwickelt der Film seine Kraft. Der Kurzfilm beschreibt einen Tag im Leben der großartig von der Pianistin Raquel Paixão dargestellten Gabriela. Es ist kein gewöhnlicher Tag, sondern der vor einem wichtigen Auftritt der jungen Schwarzen Pianistin. In der Nacht hat sie von ihrer ein Jahr zuvor gestorbenen Mutter geträumt, und das verstört sie. Umgeben von Erinnerungen an früher geht Gabriela auf eine Reise, die sie mit ihrer Herkunft versöhnen soll.

In der Beschäftigung mit der Trauer der Protagonistin und ihrer Unsicherheit vor dem Konzert, bringt der Film auch auf intime Weise zentrale Themen der brasilianischen Gesellschaft auf die Leinwand, den strukturellen Rassismus, die künstlerischen Sorgen und Möglichkeiten einer Schwarzen Frau, ihre feministischen Ansprüche. Dies ist eine weiter Stärke des Films: Die Themen sind nicht Teil des Drehbuchs, sondern durchdringen die Erzählung auf schmerzliche Weise und fordern zum Nachdenken auf.

Ästhetische Experimente im Forum Expanded

O dente do dragão (Dragon Tooth) von Castanheira Parrode beschäftigt sich ebenfalls mit der Vergangenheit. Der zentrale Punkt diesmal ist der Unfall mit Cäsium 137 in der brasilianischen Stadt Goiânia im Jahr 1987. Durch die Manipulation von Archivaufnahmen, die durch „Kontamination“ mit dem blauen Cäsium 137 etwas Fantastisches annehmen, stellt der Kurzfilm das Trauma des Unfalls nach. Durch die Verwendung von Archivbildern anderer Filme skizziert Parrode zugleich eine Archäologie des Medium Films selbst.

Die Filmemacherin Paula Gaitán kehrt ebenfalls mit einem experimentellen Film auf die Berlinale zurück. In Se hace camino al andar (The Path is Made by Walking) ist der visuelle Künstler Paulo Nazaré Protagonist einer Auseinandersetzung zwischen Mensch und Maschine und des Wunschs nach Rückkehr zur Natur. Die Rückkehr jedoch ist unmöglich, denn es gibt keine Natur mehr im Urzustand. Sie wurde durch die Maschine geschaffen, die seinen Weg kreuzt.

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