Kunst und Soziale Medien Die Instagram-Künstler

Daniel O'Toole (EARS) im 'Higher Ground Studio' in Sydney
Daniel O'Toole (EARS) im 'Higher Ground Studio' in Sydney | © Chloe Michele

Das weit verbreitete, bildbasierte soziale Netzwerk Instagram, bekannt für seine Promi-Selfies, Food-Blogger und 'Insta-berühmten' Brand Promoter, wird auch von Künstlern auf der ganzen Welt mit großem Erfolg eingesetzt. Der Online-Dienst lanciert Karrieren, hält die Künstler relevant und ändert die Art und Weise in der das Publikum sich auf die Kunstwelt einlässt.

Mit seinem hyper-engagierten Publikum und bildzentrierten Layout ist Instagram seit seiner Einführung im Jahr 2010 zu einem der meist genutzten Sozialen Netzwerke geworden. Für Künstler bietet die Plattform eine weitere Möglichkeit: ihre Arbeit online zu veröffentlichen und sie in der ganzen Welt zu vermarkten. Instagram wird sowohl von etablierten als auch von noch unbekannten Künstlern vorteilhaft genutzt, und ist in vielen Fällen unentbehrlich für ihre Karriere geworden.

WARUM SIND KÜNSTLER SO BEGEISTERT VON INSTAGRAM?

Daniel O’Toole (oder EARS) arbeitet seit 2008 als professioneller Künstler. Er musste ursprünglich erst einmal von einem Freund überzeugt werden, bevor er Instagram beitrat´: „Als ich mich anmeldete gab es das Netzwerk schon seit ein paar Jahren. Ich erinnere mich noch gut, dass ich erst gar nicht mitmachen wollte, nicht verstand warum alle so wild darauf waren. Ich dachte der Trend sei ein kurzfristiges Strohfeuer.“
 
Vier Jahre später und O’Toole hat 8332 Follower auf seinem Instagram-Konto ‘captainearwax’ und sagt es wäre unentbehrlich geworden. „Ich würde sagen, dass 80 bis 90 Prozent der Leute die mir Emails über meine Webseite schreiben, durch Instagram von meiner Arbeit erfahren haben.“
 
Einer der Gründe dafür ist seiner Meinung nach die engagierte Einstellung der User. „Es ist wie eine virtuelle Galerie, mit der Möglichkeit die Arbeiten einem ziemlich großen, untereinander verbundenen Publikum anzubieten.“

EINE NEUE GENERATION VON KUNSTLIEBHABERN

O’Toole hat Recht mit seiner Annahme. Nach Angaben von Brandwatch hatte Instagram im Mai 2016 400 Millionen aktive User. Davon sind 90 Prozent unter 35 Jahre alt und 60 Prozent loggen sich täglich ein. Damit ist Instagram, nach Facebook, das zweitaktivste Netzwerk. Wenn man dann noch bedenkt, dass ein ganzer Strom von Künstlern jeden Tag Arbeiten postet, zeigt das eine Generation von jungen Leuten, die ganz anders mit der Kunstwelt umgehen, als wir es jemals vorher gesehen haben. Die etablierte Kunstwelt ändert sich, und die Bedeutung von Agenturen und Galerien verringert sich ständig.

Künstler fotografieren die Entwicklung ihrer Werke und bekommen hierfür Feedback in Echtzeit. Künstler fotografieren die Entwicklung ihrer Werke und bekommen hierfür Feedback in Echtzeit. | © captainearwax on Instagram Dem stimmt O’Toole zu: „Ich glaube es befreit die Künstler von dem traditionellen Modell der Galerien. Wir haben uns immer auf Galerien verlassen um unser Publikum zu finden, um dieses Publikum in einem Ausstellungort zusammenzubringen und dort unsere Arbeiten zu zeigen und sie letztendlich auch dort zu verkaufen. Der Künstler selbst hat auf diesen Prozess wenig Einfluss. Seine Potenz besteht einzig darin, die Arbeit herzustellen.“ 
 
Mit der Hilfe von Instagram können Künstler nun ihre eigenen Arbeiten vermarkten und direkt an ihre Follower verkaufen. Tatsächlich ist Instagram ein erstaunlich gutes Marketinginstrument für alles Mögliche geworden. Eine Studie von Locowise ergab, dass 50 Prozent von Instagram Usern mindestens einem Unternehmen folgen, wobei 75 Prozent von ihnen aktiv werden wenn sie einen Beitrag über ein Produkt sehen, zum Beispiel eine Webseite besuchen.
 
Da diese Künstler nun ihr eigenes Marketing machen, verlieren Galerien, Agenturen und andere Vertreter ihre Relevanz. Indem sie ihre individuellen Marken erfinden und direkt an ihre Follower verkaufen, bekommen die Künstler selbst mehr Macht über ihre Arbeit, und müssen sich weniger darum sorgen wie viel sie von ihrem Profit abgeben müssen.
 
Der aufstrebende multidisziplinäre Künstler Thom Muir nennt Instagram ein erstaunliches Marketing-Tool. „Viele der Künstler, die ich kenne, machen ihre Verkäufe und Provisionen nur durch ihre Instagram-Konten. Es ist ideal für die Vermarktung, weil man als Künstler nicht mehr eine Menge Presse benötigt um eine Anhängerschaft zu gewinnen.“ 

EINE PERSÖNLICHE VERBINDUNG

Mit dem Wegfall des Vermittlers kommen die Zuschauer näher an den Künstler heran als je zuvor. Die Persönlichkeit und der Entwicklungsprozess werden fast so wichtig wie das Werk selbst. Instagram-Konten sind voll mit Aufnahmen von der Weiterentwicklung der Arbeiten und Beschreibungen des Prozesses und der Materialien, wobei die Follower oft Fragen über die Arbeit stellen. Künstler sind sich dessen bewusst, und stellen sicher, persönliche Elemente auf ihren Konten einzubauen. Muir glaubt, dass dies der Schlüssel dazu ist, wie man auf Instagram extrem erfolgreich werden kann. „Die Künstler die auf Instagram sehr beliebt sind, schaffen einen Persönlichkeitskult. Sie haben einen unverkennbaren künstlerischen Stil und fördern diesen in Verbindung mit ihrem persönlichen Leben."

Thom Muir zeigt seine Kunst auf Instagram. Thom Muir zeigt seine Kunst auf Instagram. | © Thom Muir on Instagram Diese Veränderungen in der Verbindung zwischen Kunst und Publikum macht einige Theoretiker und Kuratoren nun besorgt über die Integrität der Kunstwerke. „Ich habe Freunde, Kuratoren und kenne andere, die Instagram hassen. Ihre Argumentation ist, dass es die Zerstörung des Bildes ist und die Bedeutung des Bildes durch den Massenkonsum und Übersättigung abwertet,“ so O'Toole, der aber schnell hinzufügt, dass er diese Ängste nicht teilt. Seine einzige Sorge für die Zukunft ist, dass die Arbeitsweise von Künstlern zu ausgeklügelt und künstlich werden könnte, wenn sie beginnen ihre Werke so zu gestalten, dass sie einfach nur gut auf Instagram aussehen.
 
Eines ist sicher: Die etablierten Ideen, wie Künstler ihre Arbeit vermarkten und ausstellen, verändern sich. Die Kunstwelt bewegt sich auf unbekanntem Terrain voran, und mit der schnellen Entwicklung neuer Technologien wird nur die Zeit zeigen, was die Zukunft bringt.

„Ich glaube nicht, dass Instagram die Zukunft der Kunstwelt ist, aber es ist der erste Schritt in eine andere Richtung", so Muir.