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Ana Hupe
Footnotes To Triangular Cartographies

Videostandbild aus <i>Footnotes to Triangular Cartographies</i> – Ana Hupe (2020)
Videostandbild aus Footnotes to Triangular Cartographies – Ana Hupe (2020) | © Ana Hupe

„Obwohl ich dort eigentlich als Brasilianerin die ‚Einheimische‘ war, war es Adedoyin, die mir in Salvador alle Türen öffnete.“ – Ana Hupe

Footnotes to triangular Cartographies (Fußnoten zu Dreieckskartografien) ist ein Forschungsprojekt, das sich zunächst zu einer Ausstellung entwickelt hat und 2021 auch als Buch erscheinen wird. Es begann im Jahr 2018, als ich die Yoruba‑Priesterin und Prinzessin Adedoyin Olosun aus dem heiligen Wald von Osogbo in Nigeria kennenlernte.” – Ana Hupe

„Eigentlich war geplant, im März in Rio de Janeiro im Anschluss an diesen Prozess eine erste Ausstellung zu machen, aber eine Woche vor der Reise brach dann der Himmel zusammen, und im September sollte ich dann einen Teil des Projekts in Lagos in Nigeria zeigen, und der Himmel brach wieder zusammen ...“ – E‑Mail‑Kommunikation mit Ana Hupe


Diese Footnotes to Triangular Cartographies (Fußnoten zu Dreieckskartografien) sind von Notizen abgeleitet, die Ana Hupe auf Reisen nach Salvador (Brasilien), Havanna (Kuba) und den heiligen Städten im Yorubaland (Nigeria) gemacht hat. Sie sind daher das Produkt von Beobachtungen und Überlegungen zu möglichen Schnittpunkten zwischen diesen drei Orten und bilden die erste Dimension jenes Prozesses der „Triangulation“, mit dem die Künstlerin die von ihr als solche bezeichneten „Kartografien“ entwickelt. – Maykson Cardoso
 
„Dort entspringt der Fluss Osun. Gemeinsam mit Olosun wurde ich Zeugin historischer Begegnungen zwischen der Candomblé‑Kultur von Bahia und dem Yorubaland. Der Film verbindet Salvador und die dem Volk der Yoruba heiligen Regionen in Nigeria, wo ich Adedoyin Olosun besuchte. Es handelt sich dabei um eine Videoinstallation, ergänzt durch einen Filmessay, der in Havanna, Kuba, dem dritten Punkt des Dreiecks, gedreht wurde. Hier sehen Sie einen Trailer mit Ausschnitten von Szenen aus dem ersten Teil der Installation.” – Ana Hupe.

Kuba – Nigeria – Begegnung

Biografía de una Isla

<i>Biografía de una isla (Biografie einer Insel)</i> (2020) Biografía de una isla (Biografie einer Insel) (2020) | © Ana Hupe Es war der 2. Januar 2019, als ich in Kuba ankam, um dort zwei Monate zu verbringen. 

Gewiss, der Kontrast zwischen dem Winter auf der Nordhalbkugel und der Hitze auf der Insel machte mich empfindsamer, aber jener Januar markierte auch den Machtantritt einer rückwärtsgewandten Regierung in Brasilien, die zuvor gewählt worden war. Die sozialistischen Parolen in den Straßen von Havanna gaben mir etwas Trost und hatten etwas Poetisches: „Brillamos con luz propia“ (Wir leuchten mit unserem eigenen Licht), „Trincheras de ideas valen más que trincheras de piedra“ (Schützengräben aus Ideen sind wertvoller als Schützengräben aus Stein).

Auf der Suche nach weiteren derartigen Sprüchen betrat ich viele Buchhandlungen und Antiquariate. In der Nähe des Viertels, in dem ich wohnte, dessen Name übrigens poetischer kaum sein könnte, nämlich Miramar (in etwa „Meerblick“), fand ich auf der Veranda eines Hauses einen Secondhand‑Buchladen. Er enthielt ausschließlich Bücher mit vergilbten Seiten.
 
Hier entdeckte ich eine Publikation von Emil Ludwig aus dem Jahr 1948, mit dem Titel Biografía de una isla (Biografie einer Insel). Ich kannte weder den Autor noch das Buch, aber ich nahm es mit und begann, das Vorwort zu lesen: Es handelte sich hierbei um die Geschichte eines kubanischen Ureinwohners, der nach einer Zeitspanne von 500 Jahren in der Vitrine eines Museums im Zentrum von Havanna erwacht und die ihm auffallenden Veränderungen kommentiert, während er durch die Straßen streift.
<i>Biografía de una isla (Biografie einer Insel)</i> (2020) Biografía de una isla (Biografie einer Insel) (2020) | © Ana Hupe Laut Aílton Krenak, einem brasilianischen Stammesführer, besteht eine Möglichkeit, das Ende der Welt hinauszuschieben, darin, einfach weiter zu erzählen.

Dieses Buch‑Objekt trägt eine von vielen Mythologien der Insel Kuba in sich und verbindet dabei den Sozialismus, Ureinwohner*innen und die Kritik des Kolonialismus miteinander.

Diário de Bordo

<i>Diário de bordo, Logbuch</i> Diário de bordo, Logbuch zwei Holzplatten 59,4 cm x 42 cm, zwei Metallscharniere, ein Fotoabzug 21 cm x 29,7 cm, ein Foto 20 cm x 30 cm – Ana Hupe (2020) | © Ana Hupe Diese beiden Seiten eines vermeintlichen Tagebuchs bringen zwei Welten, zwei Dimensionen, zusammen.

Auf der einen Seite ist eine Notiz der Künstlerin Susanne Wenger zu lesen, entdeckt an der Wand des Hauses, in dem sie in Osogbo, Nigeria, lebte. Heute wohnt ihre Tochter Adedoyin Olosun in demselben Haus, in dem auch ich einige Nächte verbrachte. Dabei wurde ich mit diesem Gedicht auf Deutsch an einer abblätternden Wand konfrontiert. Bei jenen Worten handelte es sich um eine Begegnung mit einer meiner anderen Welten – Deutschland – in Osogbo. Das Gedicht lautete wie folgt: „Und nun sind letztendlich die Vögel doch eingeladen, i.e. Jenseits der Zeit, als ob es da noch Vöglein gäbe.“
<i>Diário de Bordo</i> (2020) Diário de Bordo, Logbuch (2020) | © Ana Hupe Ich verstand die Botschaft nicht wirklich, aber ich gewöhnte mich an ihr Mysterium. Ich interpretierte die Botschaft so, dass die Einladung an die Vögel, an der Feier teilzunehmen, zu spät kam – und dann gab es keine Vögel mehr, wir hatten uns zu weit von der Natur entfernt. Später entdeckte ich, dass sich ein Gemälde aus dem Jahre 1947 in Susanne Wengers Besitz befand, das den Titel Die Vögel sind nicht eingeladen trägt. Auf diesem Gemälde sind mehrere Vögel um einen Esstisch versammelt. Viele Jahre nach Entstehen des Bildes änderte sie dann ihre Meinung und hinterließ diese Notiz, um nicht zu vergessen, die Vögel doch noch einzuladen.

Auf der zweiten Tagebuchseite zeige ich ein Bild von anderen Schriften aus dem Jenseits – Nachrichten, die ich auf den Straßen von Osogbo zu lesen gelernt habe.
 
Die Acaras werden oft auf alten Schulbuchseiten anstelle von Servietten serviert. Auf diesem Blatt lesen wir: „Wie dreht sich die Erde um die Sonne?“.
<i>Diário de Bordo</i> (2020) Diário de Bordo, Logbuch (2020) | © Ana Hupe Die Wissenschaft ist eine weitere von vielen Möglichkeiten das Unsichtbare kennenzulernen.

Igbaradí

<i>Ìgbáradì fun Ìwé kíkà (Herausforderungen beim Lesen)</i> Ìgbáradì fun Ìwé kíkà (Herausforderungen beim Lesen) 126 cm x 149 cm, 30 Holzplatten, Metallscharniere – Ana Hupe (2020) | © Ana Hupe Mein Freund Efunwale, der mir Wege in die heiligen Städte der Yoruba eröffnete, und ich hatten gerade in Ejigbo, der heiligen Stadt Ogyians, eine Amala (zerstoßene Yam) gegessen. Vor dem Restaurant fanden wir einen Buchladen.
 
Ein Mann saß an der Tür und ich fragte ihn, ob er ein Buch hätte, mit dem man Yoruba lernen könnte. Er verneinte dies, vergewisserte sich aber, indem er in seinen Akten wühlte, während wir uns andere Dinge ansahen.
 
Ich entdeckte ein Poster aus den Achtzigerjahren mit Slogans aus allen Bundesstaaten Nigerias. Ich war fasziniert von einem Spruch, der den Staat Osun beschrieb: „State of the living spring“ (Staat des lebendigen Frühlings), eine fortwährende Revolution.
 
Der Besitzer des Ladens fand schließlich ein Yoruba‑Lehrbuch für Kinder aus dem Jahr 1980, das von der Universität von Ibadan herausgegeben worden war.
 
Er schenkte es mir. Es war ein schönes Buch, aber sehr kurios, weil es eine Sprache lehrte, ohne ein einziges Wort zu benutzen – stattdessen Zeichnungen und Vorstellungsübungen, die, wie ich finde, nur dann funktionieren, wenn sie auch aktiviert werden.
 
Dieses Buch‑Denkmal, eine echte Lese‑Herausforderung, erhebt die bereits vergilbten und von den Heftklammern gelösten Seiten – und zelebriert dabei das Geheimnisvolle zwischen den Zeilen.
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