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LIFT
Night Shift (That Would Have Been)

Night Shift
© Elise Rose @elisexrose

„Maliks Werk fühlt sich an wie eine Party, ein politisches Manifest, ein visuelles Fest der Ausdauer und wie die Mädchen, mit denen ich aufgewachsen bin – und das alles im Rahmen einer einzigen Stunde. Es fühlt sich an wie Pluralität, Simultaneität und Konflikt auf einmal. Man hat hinterher das Gefühl, voll von so vielen Teilen von sich selbst zu sein, tanzend und schauend, sitzend und stehend, in Bewegung, aber auch ganz still. Und dann geht man nach der Vorstellung in die Theaterbar und ...
Man fühlt sich tot.“ – Travis Alabanza

Night Shift (That Would Have Been) – Die Nachtschicht (die hätte sein können) –
war als Party für Schwarze Trans‑Künstler*innen gedacht, kuratiert von den Künstler*innen und Freund*innen Malik Nashad Sharpe und Travis Alabanza und in Auftrag gegeben von LIFT. Da Night Shift (Nachtschicht) wegen COVID‑19 abgesagt werden musste, soll dieses Shooting, das an jenem Ort stattfindet, der für die Party vorgesehen war, als Chance dienen, die Idee und den Plan dahinter zu archivieren – und dafür zu sorgen, dass das Projekt in Zukunft doch noch über die Bühne gehen kann.
Night Shift | © Elise Rose @elisexrose

Feiern, Experimentieren und Abhängen

Travis: Sis, was macht eine gute Party aus?

Malik: Gute Musik, Partygeschenke, Dolls [Performer*innen], schummriges Licht, Schweiß, im Gesicht klebende Haare, chaotische Energie, der Vibe, das Leben bis zum letzten Tag zu leben.
 
Travis: Das wäre ein verdammtes Chaos gewesen. Auf die beste Art und Weise. Ich habe das Gefühl, dass die Kunstwelt versucht, sich aus dem Chaos herauszuwinden, als wüsste sie nicht, wie sie damit umgehen soll. Warum wolltest du Night Shift (Nachtschicht) machen?
Night Shift © Elise Rose @elisexrose Malik: Ich wollte einen Raum schaffen, den ich so noch nie gesehen habe. Ich habe noch nie einen Raum gesehen, der eine Plattform für Schwarze Queer-, Trans- und Femme‑Kreative bietet. Der den Fokus auf ihre Arbeit legt und nicht auf ihre Identität, um sie dann an die breite Öffentlichkeit zu verkaufen. Ich sehe selten Räume, in denen es um die Arbeit von Schwarzen Menschen geht, die nicht in diese Etiketten passen. Ich wollte mit diesen Leuten feiern. Mit diesen Menschen zusammen sein. Und etwas für uns tun. Experimentieren und Qi praktizieren.

Travis: Du hast völlig recht. Ich habe das Gefühl, dass die Finanzierung und das Experimentieren oft den Weißen überlassen werden. Schwarzen werden so selten Räume und Ressourcen zum Experimentieren eingeräumt, also müssen wir es immer auf unsere eigene Art und Weise machen.

Malik: Wir haben nur wenige Freiräume. Alle Räume, in denen unsere Arbeit gezeigt wird oder die uns eine Plattform bieten, werden durch einen Blick gefiltert, der nicht wirklich von uns kommt. Ich hatte einfach das Gefühl, dass ich eine Situation schaffen wollte, in der wir Entscheidungen darüber treffen können, was wir sehen wollen.

Travis: Genau. Es war verdammt erfrischend, gemeinsam in einem kuratorischen Raum zu sein. Diese Verantwortung und die Möglichkeit der Wahl zu haben. Ich war wirklich gespannt darauf, wie ein Raum aussieht, in dem wir als Kurator*innen zusammenarbeiten. Wie sich die Party anfühlt. Worauf warst du am meisten gespannt? 

Malik: Das Feiern. Das Tanzen. Aufgedreht und berauscht zu sein. Sich in Schale zu werfen. Und die Werke wirklich unglaublicher Schwarzer Trans‑Personen mitzuerleben, anstatt sie selbst aufzuführen. Ich erlebe das nie selbst. Ich werde ständig zum Performen angehalten und habe mich deshalb eher auf das Miterleben als auf das Performen gefreut.


Man spürt, wie die ganze Magie der Live‑Performance, der man soeben beigewohnt hat, langsam durch schlechtes Licht, ungeschicktes Networking und den ständigen Beweis, dass die Künste es immer noch nicht geschafft haben, die Kunst zur Party und die Party zur Kunst zu bringen, ausgelöscht wird. Man merkt, dass diese Performance besser in einem Klub aufgeführt werden sollte statt vor der steifen Wand eines Theaters, das uns sowieso nie haben wollte.
Night Shift © Elise Rose @elisexrose „Dass die Grenze zwischen Kunst und Klub und Party und Werk und Performance nie wirklich existiert hat. Dass weiße Theater- und Live‑Kunst davon besessen ist, Grenzen und Kategorien zu schaffen, die die Werke von Schwarzen Queer- und Trans‑Künstler*innen schon immer beiseitegeschoben haben. Dass Schwarzes Transsein den Vorteil hat, zu wissen, wie man sich verwandelt, wie Kunst in jeden Raum gebracht werden kann und wie man Freude an der Transgression haben kann. Dass die beste Arbeit während der Nachtschicht geleistet wird.“ – Travis Alabanza
Night Shift © Elise Rose @elisexrose Night Shift (Nachtschicht), kuratiert von den Künstler*innen und Freund*innen Malik Nashad Sharpe und Travis Alabanza und ursprünglich für den Sommer 2020 geplant, wurde von LIFT in Auftrag gegeben und von dem Projekt Echos des Südatlantiks des Goethe‑Instituts unterstützt. Für Night Shift (Nachtschicht), eine Mischung aus Live‑Kunstnacht und Party, übernahm das Duo ein Herrenhaus im Süden Londons und füllte es mit Performances, DJs, Installationen und Interventionen von Schwarzen trans-, gender‑nonkonformen, femmen und queeren Künstler*innen und Kreativen. Night Shift (Nachtschicht) befreite die klebrigen Wände von den Etiketten, von denen die Kunst so besessen ist, und stellte eine*n Rapper*in aus Südafrika neben eine*n zeitgenössische*n Tänzer*in aus Brixton, eine*n Dichter*in aus Berlin neben eine Dragqueen aus dem Norden Großbritanniens, ein Klub‑Girl aus Brasilien neben eine*n Kunstkritiker*in – um erneut zu bekräftigen, wie Schwarze Queer-/Trans‑Ästhetik und -Kunst etablierte Kunstformen durchkreuzt und transzendiert. Um die ultimative Party zu kreieren. Um eine andere Art und Weise des Erlebens von Kunst aufzuzeigen, um nicht zu erstarren, sondern um sie zu erleben.
Night Shift © Elise Rose @elisexrose Das Interview wird unterbrochen. Travis will eine weitere Frage stellen, wird aber von Malik mit Tratsch über jemanden abgelenkt, mit dem Malik vor ein paar Monaten etwas hatte. Beide halten inne, versuchen zu entscheiden, ob sie das Interview tatsächlich fortsetzen sollen, können aber bereits das Lachen spüren, das aufgrund der zu erzählenden Geschichte hochkocht. Vielleicht kommen wir später darauf zurück ...

Es werden bereits Pläne geschmiedet, um Night Shift (Nachtschicht) bald zu realisieren. Abonnieren Sie den LIFT‑Newsletter, um weitere Informationen zu erhalten.


NIGHT SHIFT: Ein Fotoshooting 

mit Malik Nashad Sharpe und Travis Alabanza
Fotografie – Elise Rose
Haarstyling – Sam Roman
Make-up – Umber Ghauri
Kostüm – Mia Maxwell
Ort –Master Shipwright's House

LIFT
Künstlerischer Direktor  – Kris Nelson
Produzentin – Camila Gutierrez
Technischer Produzent – Mekel Edwards
unterstützt durch das Goethe‑Institut – Echos des Südatlantiks

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