Schallplattenproduktion Sie dreht sich noch!

Replikation
Replikation | Foto (Ausschnitt): © Optimal Media GmbH, Röbel

Oft war sie totgesagt. Doch die Schallplatte lebt. Einer der wenigen Hersteller der kleinen, schwarzen Scheiben befindet sich mitten in Mecklenburg-Vorpommern. Im Werke von Optimal Media wurden 2013 neun Millionen Platten gepresst. Und es sollen mehr werden.

Alles beginnt mit einem schwarzen Granulat. Das sind Körnchen aus Polyvinylchlorid, die auf 140 Grad erwärmt und zu kleinen, runden Scheiben geformt werden. Einer Maschine, die funktioniert wie ein Waffeleisen, drückt sie dann in wenigen Sekunden platt. 100 Tonnen Gewicht machen aus dem, was gerade noch wie ein Eishockeypuck aussah, eine flache Scheibe mit feinen Rillen. Eine Schallplatte, auch Vinyl genannt, ist entstanden.

Diese Vinylplattenherstellung ist eine Technik aus dem vergangenen Jahrhundert, die in Europa nicht mehr oft praktiziert wird. Einer der Orte, an denen dies noch geschieht, ist Röbel, ein unscheinbares Städtchen am Rande der Müritz in Mecklenburg-Vorpommern. Hier steht das Werk der Optimal Media GmbH – es ist einer der letzten Vinyl-Hersteller des Kontinents.

Eine Million Platten pro Monat

2013 wurden hier neun Millionen Langspielplkatten und Singles gepresst. 2014 sollten mehr als zehn Millionen erreicht werden. Jörg Hahn, Geschäftsführer von Optimal Media, sagt stolz: „Momentan produzieren wir jeden Monat mehr als eine Million Schallplatten.“ Zudem sei der Anteil der Vinylsparte am Umsatz des Unternehmens in den letzten Jahren und insbesondere in den letzten zwei Jahren stark gestiegen.

Dass Vinyl noch einmal so erfolgreich sein würde, hatten Hahn und seine Mitarbeiter anfangs nicht erwartet. Das Werk wurde 1990 in Röbel gebaut. Die zwölf Beschäftigten befassten sich hauptsächlich mit der Fertigung von CDs. 1995 kam die Vinyl-Produktion hinzu – in einer Zeit, in der überall die Schallplattenherstellung eingestellt wurde.

Doch Optimal hielt das nicht von der Investition in Vinyl ab. In Röbel sah man es eher als Chance, sich diesen Markt zu erobern. Die Schließungen anderer Werke halfen dabei, denn Vinylpressen werden schon lange nicht mehr hergestellt. Geräte gibt es lediglich gebraucht und in der Regel auch nur dann, wenn eine andere Firma aus der Produktion aussteigt. In Russland rettete Optimal Media Maschinen der ostdeutschen Traditionsmarke Deutsche Schallplatten vor der Verschrottung. Sie waren nach 1990 dorthin verkauft worden. Später wurde man in Skandinavien und England fündig.

So stehen bei Optimal heute mehr als 20 Pressmaschinen, die mit großem Aufwand in Schuss gehalten werden. Manche funktionieren automatisch, andere nur per Hand. Zehntausende Schallplatten lassen sich damit pro Tag fertigen. Bestellungen kommen hauptsächlich aus Europa, aber auch aus vielen anderen Regionen der Welt. Optimal beliefert kleine Musiklabels ebenso wie die Branchenriesen. In Röbel kamen die Alben unbekannter Bands aus der Presse, aber auch die von Rammstein, Kraftwerk, AC/DC oder R.E.M.

„Vinyl entspricht dem Zeitgeist“

Schallplatten gibt es also immer noch, auch Jahre nachdem die CD auf den Markt kam und nachdem die ersten tragbaren MP3-Player verkauft wurden. In den 1990er-Jahren waren es vor allem die Discjockeys der Hip-Hop- und Techno-Kultur, die den Vinyl-Absatz nicht wegbrechen ließen. Seit der Jahrtausendwende gelten die schwarzen Scheiben vermehrt als Liebhaberstücke.

„Vinyl entspricht dem gegenwärtigen Zeitgeist, dem Bedürfnis nach Analogem und Traditionellem, das qualitativ hochwertig und aufwendig gefertigt ist“, erklärt Jörg Hahn. Für den Optimal-Chef stehen Schallplatten für den Musikgenuss mit allen Sinnen. Das sei auch das Geheimnis hinter ihrer Renaissance: „Als optisches und fühlbares Erlebnis kommt diesem Medium in der heute von digitalen Inhalten dominierten Welt wieder eine wachsende Bedeutung zu.“

Vinyl lebt, weil es Musikenthusiasten gibt, die das Hören einer Schallplatte zelebrieren. Es sind Menschen, die den Klang der schwarzen Scheiben schätzen, weil er mehr Nuancen wiedergibt als jede CD oder MP3. Entsprechend ist auch die Nachfrage in den letzten zehn Jahren stark gewachsen. Der Absatz von Schallplatten in Deutschland stieg von 2003 bis 2013 um mehr als das Viereinhalbfache auf 1,4 Millionen verkaufte Tonträger.

Allerdings wird dieser Trend nicht ewig anhalten, dessen ist sich auch Jörg Hahn bewusst. Der Optimal-Geschäftsführer geht davon aus, dass das Online- und Streaming-Geschäft im Internet weiter wachsen wird, und er stellt sein Unternehmen darauf ein. Es bietet beispielsweise Platten an, auf denen ein Online-Code abgedruckt ist, der es erlaubt, den Inhalt im Internet herunterzuladen. „So kann man das analoge Musikerlebnis genießen und gleichzeitig die Vorzüge des Digitalen bei Mobilität und Kompatibilität nutzen“, sagt Hahn.

Doch auch wenn immer mehr Musik im Internet gekauft wird, behält die Schallplatte seiner Meinung nach auf lange Sicht ihre Daseinsberechtigung: „Ich bin überzeugt davon, dass es auch in Zukunft einen Bedarf an physischen Medienprodukten geben wird.“