Umweltkatastrophen, Kriege und Flüchtlinge Fragmente der Wirklichkeit

„Between Fences“ von Avi Mograbi
„Between Fences“ von Avi Mograbi | Foto (Ausschnitt): © Berlinale

Der brasilianische Kurzfilm „Das águas que passam“, der im Wettbewerb um den Goldenen Bären steht, zeigt die durch einen Umweltskandal bedrohte Region um den Rio Doce. Ein syrischer und ein israelischer Spielfilm sind weitere Höhepunkte des Festivals.

Der Kurzfilm Das águas que passam (Running Waters) des brasilianischen Regisseurs Diego Zon porträtiert den Alltag von Zé de Sabino, einem Fischer, der in der kleinen Stadt Regência im Bundesstaat Espírito Santo lebt. Die Beziehung des Protagonisten zum Wasser, sei es das Meer oder der Rio Doce, wird durch weite, offene und ruhige Einstellungen ausgelotet. Dadurch scheint die Zeit im Gegensatz zum Wasser beinahe stillzustehen. „Zé tritt dem Meer mit einer Mischung aus Respekt, Unerschrockenheit und Hingabe entgegen“, sagt der Regisseur. „Die Wasserszenen wurden an der Mündung des Rio Doce gedreht, in der Brandung, dort wo Zé de Sabino den Robalo fängt, den wertvollsten Fisch der Region. Es ist ein waghalsiges Unterfangen, denn das Aufeinandertreffen von Meer und Fluss löst heftige Wellen aus.“ Der Film wurde 2015 vor der Umweltkatastrophe, bei dem große Mengen Klärschlamm in den Fluss gerieten, am Rio Doce gedreht. „Das Unglück rief ein starkes Gefühl des Verlusts hervor. Der Fluss ist ein Naturerbe, auf dem die Menschen alten Traditionen nachgingen und der eng mit ihrer Identität verbunden ist“, ergänzt der Regisseur.

Ausgestorbene Stadt

Auch in Aleppo in Syrien ist nichts mehr so wie noch vor wenigen Jahren. Im ergreifenden Film Houses without Doors sehen wir über 90 Minuten die durch den Krieg hervorgerufenen Veränderungen in der Straße des Regisseurs Avo Kaprealian. Die Szenen eines normalen Alltags mit Kindern, die draußen spielen, und die Bilder eines Schauplatzes der Zerstörung sind aus Aufnahmen entstanden, die der Regisseur mit versteckter Kamera gedreht hat. Der Film offenbart eine sehr intime Sichtweise auf den Krieg und auf das Leben einer gewöhnlichen Familie, die trotz allem versucht, ihre Routinen aufrecht zu erhalten, solange, bis dies nicht mehr möglich ist. Durch parallel gezeigte Bilder des 1915 durch die Türken an den Armeniern begangenen Genozids gewinnt der Film zusätzlich an Kraft.

Flüchtlinge und Augusto Boal

Schauplatz des Films Between Fences ist die Südgrenze Israels, speziell das Internierungslager Holot für Asylsuchende. Der Film zeigt die Situation von Immigranten aus Eritrea und dem Sudan, die in Israel ankommen und mehr als zehn Jahre auf ihre Anerkennung als Flüchtlinge warten müssen. Über ein Jahr hinweg veranstalteten der für seine politischen Filme bekannte israelische Regisseur Avi Mograbi und der Theaterregisseur Chen Alon, ausgehend von dem „Theater der Unterdrücken“ des brasilianischen Dramaturgen und Theaterpädagogen Augusto Boal (1931 – 2009), einen Workshop mit Immigranten. Der Film zeigt den gesamten Prozess sowie die Geschichten der Beteiligten und die Schwierigkeiten und Vorurteile, die sie in Israel erdulden müssen.