Panorama „Que horas ela volta“ von Anna Muylaert gewinnt Publikumspreis

The Second Mother. Regie: Anna Muylaert. Im Bild: Camila Márdila, Regina Casé
The Second Mother. Regie: Anna Muylaert. Im Bild: Camila Márdila, Regina Casé | Stillfoto Berlinale Panorama

Der Spielfilm Que horas ela volta? (The Second Mother) von Anna Muylaert wurde vom Publikum der 65. Berlinale zur besten Dokumentation gekürt.

Der Film erzählt die Geschichte der Hausangestellten Val, gespielt von Regina Casé. Sie hat ihre Tochter seit 13 Jahren nicht gesehen und ihr Leben verändert sich, als diese nach São Paulo kommt, um die Aufnahmeprüfung für die Universität abzulegen. Durch ein gut konstruiertes Drehbuch und eine gute schauspielerische Leistung begeisterte der Film das Publikum, der als Familiendrama auf die Berliner Leinwände kam, aber auch sozial und politisch geprägt ist, da er die Unterwürfigkeitsbeziehung von Hausmädchen gegenüber ihren Dienstherren problematisiert, die in Brasilien noch immer an der Tagesordnung ist. Außerdem erhielt der Film eine Auszeichnung vom Internationalen Verband von Filmkunsttheatern (CICAE).

Behauptung des Kinos

Der Goldene Bär für den besten Film des Festivals ging an Taxi des iranischen Regisseurs Jafar Pahani. Der gesamte Film spielt in einem Taxi, das der Regisseur selbst steuert und damit Passagiere durch Teheran kutschiert. Mit einem hervorragenden Drehbuch und einfachen Kameralösungen ist Taxi eine Reflexion über die Unmöglichkeit einen Film im Iran zu machen. Daneben ist er aber auch eine Behauptung des Kinos, das für den Regisseur die einzige Ausdrucksmöglichkeit bleibt. Zweifellos ist dies ein politisch motivierter Preis.

Preise für Südamerika

Der Dokumentarfilm El bóton de nácar (The Pearl Button) von Patricio Guzmán gewann den Silbernen Bären für das beste Drehbuch. Der Film zieht eine Parallele zwischen dem Mord an den Indigenen Patagoniens und den Toten der chilenischen Militärdiktatur. Der Berührungspunkt beider Tragödien ist das Meer, welches von den Indigenen als Transportweg und Mittel zum Überleben genutzt wurde und von den Militärs als Friedhof. Der große Preis der Jury ging an einen weiteren Film aus Chile: El Club (The Club), bei dem Pablo Larraín Regie führte. Der Film spielt an der chilenischen Küste und offenbart, ausgehend von der Geschichte eines Priesters, der sich nach Anschuldigungen seiner Glaubensbrüder das Leben nimmt, Widersprüche in der katholischen Kirche.

Die Berlinale schließt nun ihre Vorhänge, doch werden in den nächsten Monaten viele kommerzielle Kinos die Filme zeigen, die Teil des Festivals waren.