Biennale von São Paulo Künstlerporträts

Incerteza Viva - Bienal de São Paulo​
Fundação Bienal de São Paulo​

Von den 90 Künstlern, die an der 32. Biennale von São Paulo teilnehmen, sind zwölf Deutsche oder haben ihren Wohnsitz in Deutschland.
 

Vom 10. September bis zum 11. Dezember 2016 verhandelt die von dem Deutschen Jochen Volz kuratierte Biennale von São Paulo Themen wie die globale Erwärmung, die politischen und wirtschaftlichen Spannungen der Gegenwart, die ungleiche Verteilung natürlicher Ressourcen, die Migration und andere aktuelle Probleme.
 

  • Maria Thereza Alves Bild: Kai-Morten Vollmer
    Maria Thereza Alves: A Possible Reversal of Missed Opportunities, 2016

    Indem sie die Situation der indigenen Völker der Amerikas reflektiert, beleuchtet die in Berlin lebende brasilianische Künstlerin in ihren Arbeiten Fragen nach dem Territorium, dem kulturellen Erbe und der Geschichte der Kolonisierung. In A Possible Reversal of Missed Opportunities betrachtet sie Aspekte, die von brasilianischen Institutionen und nicht-indigenen Forschern übersehen werden. Alves entwirft Plakate für fiktive Konferenzen, deren Termine suggerieren, dass sie bereits stattgefunden haben. Mithilfe dieser Plakate verweist ihre Aktion darauf, dass die indigenen Völker zum Schweigen gebracht wurden, sowie auf den systematischen Ausschluss ihrer Kultur und ihres Wissens aus der brasilianischen Wissenschaft und dem öffentlichen Leben des Landes.
  • Vista da instalação White Museum (Hirsch Observatory) [Museu branco (observatório Hirsch)], 2010/2015 Mit freundlicher Genehmigung der Künstlerin. Bild: Rosa Barba
    Rosa Barba: Blick auf Installation White Museum (Hirsch Observatory) , 2010/2015

    Der "Minhocão" ("Erdwurm") von São Paulo ist Gegenstand der Forschung und des Schaffens der in Berlin lebenden Italienerin, die anhand von der umstrittenen Hochstraße die urbane Geografie der Stadt diskutiert. In Disseminate and Hold untersucht Barba nicht nur die Geschichte der 3,5-km-langen, während der Militärdiktatur errichteten Straße, sondern beobachtet auch, wie diese lange Zeit als Symbol für die utopische Vision einer modernistischen Stadt galt und insbesondere wie sie heute von der Bevölkerung benutzt wird. Die zweite Arbeit der Künstlerin in der Ausstellung ist White Museum: eine Lichtprojektion auf die Eingangsrampe des Biennale-Pavillons.

  • Mariana Castillo Deball: Projekt für Hypothesis of a Tree, 2016

    Die Mexikanerin, die in Berlin wohnt, schafft Installationen, Skulpturen, Fotografien und Zeichnungen und bringt in ihren Werken unterschiedliche Disziplinen wie die Archäologie, die Wissenschaften und die Literatur zusammen. Für die Biennale hat die Künstlerin die Installation Hypothesis of a Tree aufgebaut: eine spiralförmige Bambus-Konstruktion, die an die schematische Darstellung der Evolution der Spezies erinnert. Indem sie die Aufzeichnungen von Elementen unterschiedlicher Art und aus unterschiedlichen Epochen in einer Spirale nebeneinanderstellt, ordnet Deball Ideen der Evolution, des Aussterbens und der Geschichte in einer Perspektive an.
  •  Mit freundlicher Genehmigung der Künstlerin. Bild: Koo Jeong A
    Koo Jeong A: Projekt für ARROGATION, 2016

    Während der Biennale werden die Skater des Parque Ibirapuera ein neues Freizeitvergnügen erleben: eine Anlage von Skaterbahnen mit 17 Metern Durchmesser, die mit einem Spezialanstrich überzogen wurden, der auf Veränderungen des natürlichen Lichts reagiert und nachts leuchtet. Dabei handelt es sich um Arrogation, eine Arbeit der in Seoul geborenen und heute in Berlin lebenden Künstlerin Koo Jeong A. Bekannt wurde sie durch ihre Interventionen im öffentlichen Raum. Um sich diese strahlenden Bahnen auszudenken, hat Jeong A den Übergang vom Tages- zum Nachtlicht studiert.
  •      Bild: Grada Kilomba
    Grada Kilomba: Frames from „The Desire Project“, 2015-2016

    Grada Kilomba, geboren in Lissabon, lebt in Berlin. Ihre Familie stammt ursprünglich aus dem Inselstaat São Tomé und Príncipe. Auf der Biennale werden zwei Arbeiten von ihr gezeigt, die Verbindungslinien zwischen Gender, Race und Klasse spannen. The Desire Project ist eine Videoinstallation aus drei Teilen: While I Speak, While I Write und While I Walk. Ihre Videos, deren visuelles Hauptelement Worte sind, weisen auf einen Sprecher hin, der in der Geschichte durch koloniale Narrative zum Schweigen gebracht wurde. Illusions ist eine Performance, die in Erzählungen und Videoprojektionen die afrikanische Tradition des Storytellings einsetzt.
  •  Mit freundlicher Genehmigung der Künstlerin und vom PPC, Philipp Pflug Contemporary, Frankfurt Bild: Wolfgang Günzel
    Sandra Kranich: Blick auf Installation views of Echo, 2014

    Die in Ludwigsburg geborene Künstlerin, die heute in Frankfurt lebt, hat für die Biennale zwei neue Werkgruppen entwickelt: R. Relief 7, 8, 9, 10 und Time Wire, von denen die eine aus einer Serie von mit Kabeldraht gestrickten Bildern besteht, und die andere aus einer Serie von farbigen, geometrischen Metallbildern. Alle Arbeiten sind mit Feuerwerkskörpern versehen, die sorgfältig miteinander verbunden sind, damit die Künstlerin sie in einer zeitlichen Choreographie entfachen kann. Das Abbrennen des Feuerwerks, das ein Spektakel aus Lichtern, Farben und Klängen in Gang setzt, findet vor der eigentlichen Eröffnung der Biennale für das Publikum statt und dauert nur zwischen fünf und sieben Minuten. Dennoch bleibt es in Form einer Spur sichtbar. Das Feuer und die an der Metalloberfläche hinterlassenen Verbrennungsspuren sind Schlüsselbegriffe zum Verständnis von Kranichs Arbeit.
  • Rikke Luther Mit freundlicher Genehmigung der Künstlerin. Bild: Rikke Luther
    Rikke Luther: Detail vom Diagramm für die Installation Overspill: Universal Map, 2016

    Die Künstlerin, die in Kopenhagen und Berlin lebt, erkundet in ihrer Installation Overspill: Universal Map die organische und konkrete Natur der Welt, indem sie darin das Ergebnis einer Recherche über den Zusammenbruch der Utopien der Moderne zeigt. Die Installation umfasst Tafeln aus Kacheln mit Zeichnungen und Diagrammen, die natürliche Landschaften und Umweltkatastrophen mit globalen Gemeingütern wie den Ozeanen, der Atmosphäre, dem Weltraum und die Antarktis in Beziehung setzen. In der Installation finden sich Proben von Erdöl und des Giftschlamms, der bei einer Umweltkatastrophe in Rio Doce, Minas Gerais, gesammelt wurde.
  • Henrik Olesen Mit freundlicher Genehmigung des Künstlers und der Galerie Buchholz, Berlin/Köln/New York Bild: Galerie Buchholz
    Henrik Olesen: 4, 2016

    Der in Berlin lebende Däne hat schon die Kriminalisierung der Homosexualität an verschiedenen Orten der Welt und die Verfolgung, die der britische Mathematiker Alan Turing aufgrund seiner sexuellen Orientierung erleide musste, thematisiert. Olesen setzt seine Recherchen nun mit einer von der 32. Biennale von São Paulo in Auftrag gegebenen Arbeit fort, die aus großen Collagen besteht. Die Arbeit dekonstruiert das universale Wissen über den Begriff des Inferno sowie seine Darstellung seit der klassischen Literatur, unter anderem in der Göttlichen Komödie von Dante Alighieri, bis heute. Der Künstler denkt über einen wirren Übergangsraum nach, was auf die Idee der Unsicherheit verweist – ein zentrales Thema der aktuellen Ausgabe der Biennale.
  • Naufus Ramírez-Figueroa Kostümentwurf für „Heart of Scarecrow“, 2016
    Naufus Ramírez-Figueroa: Kostümentwurf für Heart of Scarecrow, 2016

    Der in Guatemala geborene und heute in Berlin lebende Ramírez-Figueroa produziert dennoch weiterhin Arbeiten, die auf die Geschichte seines Landes, insbesondere den guatemaltekischen Bürgerkrieg (1960-1996), anspielen. Für die Biennale schuf der Künstler Masken und Kostüme des Stücks Corazón de Espantapajaros (Herz der Vogelscheuche) neu, ausgehend von den originalen Figuren des Werks: einem Oligarchen, einem Diktator, einem Soldaten, einem Kardinal und einer Vogelscheuche. Während der Ausstellung reinszenieren Schauspieler im Biennale-Pavillon und im Parque Ibirapuera Teile des Stücks, das bildhaft für die Zensur jener Zeit steht. Das Werk reflektiert aber nicht nur die Zensur in Guatemala, sondern den gesamten linksgerichteten politischen Widerstand, der von den Künstlern im Land ausgeübt wurde.
  • Katia Sepúlveda Mit freundlicher Genehmigung der Künstlerin. Bild: Katia Sepúlveda
    Katia Sepúlveda: Aus der „Reihe Domestic Device“, 2007-2012

    Die in Santiago de Chile geborene Künstlerin lebt und arbeitet heute in Köln und in Tijuana, Mexiko. Sie hat an der Universität Fotografie und Kino studiert. Ihre Werken – von Collagen, Zeichnungen, Fotografien, Skulpturen, Videos bis hin zu Performances – behandeln Themen, die in Beziehung zum Transfeminismus, dem mestizischen Feminismus und dem Postkolonialismus stehen. Mit zwei Projekten ist die Künstlerin auf der Biennale vertreten: Domestic Device und Mapuche Feminisme. Das erste ist eine Serie von Collagen aus der Zeitschrift Playboy der Zeit von 1953 bis 2012, an denen die Künstlerin seit 2007 arbeitet. Für das zweite Projekt veranstaltet Sepúlveda ein Live-Debatte zwischen der Mapuche-Aktivistin Margarita Calfio und María Celina Katukina, die aus der Gemeinschaft der Yawanawás im brasilianischen Bundesstaat Acre stammt.
  • Hito Steyerl Cortesia da artista e Andrew Kreps Gallery, Nova York. Imagem: Manuel Reinartz
    Hito Steyerl: Vista da instalação “Fábrica do sol”, 2015

    A artista alemã nascida em Munique criou para a Bienal a videoinstalação Hell Yeah We Fuck Die, em estrutura de concreto e andaimes com quase 10 metros de altura, que se assemelha a um módulo de treinamento de parkour – esporte dedicado à superação de obstáculos – e apresenta alguns vídeos sincronizados, cujas imagens foram coletadas de diversas fontes na internet. De acordo com as pesquisas da artista, os verbetes que dão nome à obra (inferno, sim, nós, foda e morrer) são as cinco palavras mais comuns em títulos de músicas em inglês nesta década. Assim, a obra de Steyerl, acompanhada na Bienal por trilha sonora assinada pelo DJ Kassem Mosse, torna-se uma espécie de hino da atualidade – um período marcado por guerras, pobreza e problemas ambientais.
  • Iza Tarasewicz Sammlung: Zachęta Narodowa Galeria Sztuki, Warschau. Mit freundlicher Genehmigung der Künstlerin und der Zachęta Narodowa Galeria Sztuki, Warschau. Bild: Maciej Landsberg
    Iza Tarasewicz: Blick auf die Installation Factory of the Sun, 2015

    Die polnische Künstlerin, die in mehreren Städten, einschließlich München, arbeitet, zeigt auf der Biennale ein Projekt über die traditionelle Musik ihres Landes: Die Installation Mazurka besteht aus mehreren Anlagen, einem Dancefloor und einer Möglichkeit für das Publikum zu interagieren. Die Arbeit zeichnet die Einflüsse des Rhythmus und der Mazurka in der ganzen Welt und insbesondere in Brasilien nach. Ursprünglich aus dem Inneren Polens stammend, ist die Mazurka eine musikalische Form, die sich mit mehreren regionalen Stilen vermischt und in Brasilien Rhythmen wie Forró und Coco beeinflusst hat.