Urbanismus und Experiment „Währenddessen“

Políticas públicas para espaços transitórios
Políticas públicas para espaços transitórios

Die Publikation „Öffentliche Politiken für temporäre Räume“ beschäftigt sich mit Erfahrungen der vorübergehenden Besetzung öffentlicher urbaner Räume, die in unterschiedlichen Zusammenhängen und Städten der Welt immer mehr und immer präsenter werden. Diese Erfahrungen zeigen den latenten Willen an der Wiederaneignung dieser Orte und sind Beweis für das kreative und erfinderische Potenzial unterschiedlichster Teile der Gesellschaft.
 

„Währenddessen: öffentliche Politiken für temporäre Räume“ („Enquanto isso: políticas públicas para espaços transitórios”, 15. bis 17. Februar 2016) beschäftigte sich mit dieser Debatte und unternahm den Versuch, den Dialog zwischen unterschiedlichen Akteuren in diesem Bereich anzuregen und zu artikulieren. Sehr gängig ist die Vorstellung, vorübergehende Nutzungen geschähen stets am Rand oder ganz unter Ausschluss der öffentlichen Gewalt, doch in einer Reihe von Beispielen konnten wir feststellen, dass diese durchaus an Projekten der vorübergehenden Besetzung öffentlicher Räume beteiligt ist. Nichtsdestotrotz werfen die neuen Formen der Besetzung Fragen auf und bergen Herausforderungen für den Staat und die Politik hinsichtlich Sicherheit, zivilgesellschaftliche Verantwortung, Finanzierung und Kriterien der Zurverfügungstellung von Räumen an bestimmte Gruppen. Mit der Darstellung der Perspektiven der öffentlichen Gewalt, der sozialen Bewegungen und über Fallstudien kontextualisierte das Seminar die Präsenz dieser Akteure in der urbanistischen Debatte der Gegenwart und diskutierte über mehr inklusive und demokratischere Formen öffentlicher Politiken der Intervention und Verwaltung öffentlicher Räume.

Diese Publikation ist das Ergebnis der Systematisierung der auf dem Seminar „Enquanto isso: políticas públicas para espaços transitórios” („Währenddessen: öffentliche Politiken für temporäre Räume“) im Goethe-Institut und in der Mário-de-Andrade-Bibliothek São Paulo vorgestellten Inhalte. Drei Tage Gespräche über Probleme, die sich sowohl für die Zivilgesellschaft, als auch für die öffentliche Gewalt stellen, wenn es um zeitweilige urbane Interventionen und die Verwaltung des Raums geht. Auf der einen Seite der Wille, kleine Räume in der Stadt zu verändern, auf der anderen die Schwierigkeiten der Umsetzung - sei es aufgrund bürokratischer Probleme, sei es aus Mangel an Handlungsanweisungen, die dem notwendigen Dialog zwischen diesen zwei Akteuren den Weg ebenen.

Die Stadt ist komplex, weitläufig, und die öffentliche Gewalt hat nicht immer alle nötigen Antworten (und das nötige Personal), sie zu verändern; erst recht nicht die Fähigkeit, schnell auf alle Erfordernisse des Alltags der Metropole zu reagieren. Darum ist die immer stärkere zivilgesellschaftliche Präsenz nicht nur wichtig, sondern notwendig. Bürger, die Lösungen für Probleme der Stadt vorschlagen, sei es im weiteren Sinne, wie etwa bei Problemen der Wasserversorgung, sei es in punktuellen Fragen wie dem eines brachliegenden Platzes im Viertel. Vorschläge, die zu Realität und im Nachhinein in die Politik übernommen werden können.