Thomas Elsaesser Der Mann, der die deutsche Filmgeschichte beschrieb

Thomas Elsaesser auf dem International Film Festival Rotterdam 2017.
Thomas Elsaesser auf dem International Film Festival Rotterdam 2017. | Foto (Zuschnitt): © Vera de Kok / CC BY-SA 4.0

Thomas Elsaesser ist Filmwissenschaftler und Professor für Film- und Fernsehwissenschaften an der Universität Amsterdam. Seine Bücher und Essays zu Film- und Genretheorie, Filmgeschichte und Europäischem Autorenkino wurden in mehr als 20 Sprachen übersetzt.

Wer sich mit Filmwissenschaft und Kino beschäftigt, kommt an ihm nicht vorbei: Thomas Elsaesser ist so etwas wie das wandelnde Lexikon der Filmgeschichte. In Deutschland ist Elsaesser insbesondere für seine Arbeiten zu nahezu sämtlichen Epochen der deutschen Filmgeschichte bekannt. Er veröffentlichte über 200 Essays und Artikel in den wichtigsten Fachzeitschriften. 1943 in Berlin geboren, zog er 1963 nach Großbritannien, wo er Englische Literatur an der University of Sussex studierte und promovierte. 1968 rief Elsaesser die Filmzeitschrift „Brighton Film Review“ ins Leben. Ab 1971 führte er das Magazin unter dem Namen „Monogram“ in London weiter und wurde international als Kritiker und Theoretiker des Hollywood-Kinos bekannt. Gemeinsam mit Charles Barr gründete er 1976 an der University of East Anglia mit dem Film Studies Department eines der ersten selbständigen Institute für Filmwissenschaft im Vereinten Königreich. 1991 wechselte er an die Universität Amsterdam, wo er das Department für Film- und Fernsehwissenschaften gründete. Seit seiner Emeritierung im Jahr 2008 war er als Gastprofessor zunächst an der Yale University und seit 2013 an der Columbia University in den USA tätig.
 
Was er außerdem macht:
Gemeinsam mit seiner Schwester Regine Elsaesser gründete Thomas Elsaesser 2009 die Martin-Elsaesser-Stiftung, die dem Leben und Werk ihres Großvaters, des Architekten Martin Elsaesser, gewidmet ist. Als Frankfurter Stadtarchitekt entwarf Martin Elsaesser unter anderem die Frankfurter Großmarkthalle, ein denkmalgeschütztes Gebäude, das heute Bestandteil des Neubaus der Europäischen Zentralbank ist.
 
Vom Filmhistoriker zum Regisseur:
2015 wurde Thomas Elsaesser selbst zum Regisseur: Mit ein paar Hinterlassenschaften seines Großvaters – eines Koffers mit Briefen, einer Handvoll Gedichte und einer Blechdose mit Super-8-Filmen – beschrieb er im Dokumentarfilm „Die Sonneninsel“ die Karriere Martin Elsaessers in den 1930er- und 1940er-Jahren sowie die komplizierte Ehe mit seiner Frau Liesel, die sich in den Gartenbauarchitekten Leberecht Migge verliebte. Der Name „Sonneninsel“ bezieht sich auf ein Projekt Migges, der auf einer kleinen Insel bei Berlin seine Idee von einer kompletten Kreislaufwirtschaft verwirklichte.