Berlinale-Blogger 2017 Tage des Protests

„As duas Irenes“ (Zweimal Irene)
Filmstill | © Roseira Filmes and Lacuna Filmes | „As duas Irenes“

Brasilianische Regisseure haben einen Protestbrief verfasst: gegen die demokratische Krise, in der sich das Land derzeit befindet, und gegen die Risiken der Rückschritte, die der Film-Sektor derzeit erfährt. Verlesen wird der Brief auf der Berlinale. Indes bildet der brasilianische Beitrag „As duas Irenes“ einen Höhepunkt des Festivals.

Die brasilianischen Regisseure, die an der diesjährigen Berlinale teilnehmen, haben gemeinsam mit ihren Kollegen in Brasilien einen Protestbrief verfasst: gegen die demokratische Krise, in der sich das Land derzeit befindet, und gegen die Risiken der Rückschritte, die der Film-Sektor derzeit erfährt. Während der Festspielwoche wurde der Brief entweder in den Filmvorführungen vorgelesen oder dem Kinopublikum sein Inhalt erläutert. Auch in der brasilianischen Botschaft in Berlin wurde der Brief verlesen. 
 
In dem Protestbrief heben die Filmschaffenden die Fortschritte im Bereich der audiovisuellen Politik hervor, die der Sektor dank der hervorragenden Arbeit der brasilianischen Filmförderagentur Ancine in den vergangenen Jahren erzielt hat. Besonderes Augenmerk liegt dabei auf den politischen Strategien zur Unterstützung unterschiedlichster Filme, unabhängig von ihrem Format, Genre oder Stil, und auf den regionsspezifischen Förderungen. Diese Fortschritte lassen sich den Filmschaffenden zufolge an der Teilnahme brasilianischer Filme an internationalen Wettbewerben wie der Berlinale messen. „Wir möchten vor allem sicherstellen, dass sämtliche Änderungen oder Verbesserungen der politischen Strategien für den audiovisuellen Bereich in Brasilien gemeinsam mit dem Sektor und der gesamten Gesellschaft ausführlich erörtert werden“, so die Autoren.

Leicht und feinfühlig

Bei der Berlinale 2017 ist Brasilien unter anderem mit As duas Irenes, dem Regiedebüt von Fabio Meira, vertreten. Der Film, der im Rahmen des Wettbewerbs Generation ausgestrahlt wird, ist eines der Highlights des Festivals. Er bringt das Universum zweier vorpubertierender Mädchen auf die Leinwand, die in einer Kleinstadt im Landesinneren Brasiliens leben. Irene, mittlere Tochter einer traditionellen und konservativen Familie, entdeckt eines Tages, dass ihr Vater noch eine weitere Familie und eine gleichaltrige Tochter hat, die dazu auch noch genauso heißt wie sie. Trotz aller Ähnlichkeiten hat ihre Schwester einen völlig anderen Lebensstil als sie: freier und extrovertierter.
 
Nach und nach nähern sich die beiden Schwestern an – allmählich entwickelt sich zwischen ihnen eine Freundschaft. Mit einem fesselnden Drehbuch und einer herausragenden Schauspielleistung der beiden Hauptdarstellerinnen bringt der Film dem Zuschauer auf leichte und feinfühlige Weise die entdeckungsreiche Welt der beiden Mädchen und die Entwicklung ihrer Identitäten nahe. Während sie allmählich in die Pubertät kommen, kommen nach und nach die Familiengeheimnisse ans Tageslicht. Der Film endet, auf spielerische Weise, mit der Lösung dieser Geheimnisse – und wird dem Universum seiner Figuren voll und ganz gerecht.