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Berlinale-Blogger 2019
Die ersten brasilianischen Filme auf der Berlinale

O Ensaio | The Rehearsal. Brasil/Dänemark, 2019. Regie: Tamar Guimarães. Berlinale Forum Expanded.
O Ensaio | The Rehearsal. Brasil/Dänemark, 2019. Regie: Tamar Guimarães. Berlinale Forum Expanded. | © Tamar Guimarães

Unter den Autorenflilmen in den Sektionen der Berlinale sind auch die brasilianischen Querência (Homing) und O Ensaio (The Rehearsal), die sich mit Formen der Gewalt beschäftigen, von der die Protagonisten im Alltag des Landes betroffen sind.

Von Camila Gonzatto

In Querência, unter der Regie von Helvécio Marins Jr. in der Sektion Forum, geht es um den Viehhirten Marcelo, der auf einer Rinderfarm im Hinterland von Minas Gerais lebt und arbeitet. Er muss mit dem Trauma umgehen, dass er bei einem Überfall, bei dem um die 100 Rinder aus seiner Obhut gestohlen wurden, als Geisel genommen wurde. Der Film handelt von Marcelos Gefühlen und Reaktionen, in Naheinstellungen, die sich abwechseln mit breiteren Aufnahmen von der Arbeit auf dem Land und von Landschaft. Marcelos emotionale Beziehung zu den Tieren, die er mit Namen anspricht, und zu der Gegend, in der er geboren ist, verleihen dem Protagonisten Intensität. In seinen Schilderungen treten Themen des harten Landlebens zutage, aber auch die politischen Wirren des Landes, wie das Impeachment gegen Präsidentin Dilma Roussef. Die präzise Regie erlaubt es dem Zuschauer, in den Alltag des Viehhirten einzutreten und seine Einsamkeit und Traurigkeit angesichts der Gewalt, der er in einem so gut wie vergessenen Winkel Brasiliens ausgesetzt ist, zu erleben.

Zwischen Kunst, Theater und Film

O Ensaio, im Forum Expanded, unter der Regie von Tamar Guimarães, wurde für die 33. Biennale von São Paulo gedreht. Er folgt den Proben für ein Theaterstück nach dem Buch Memórias Póstumas de Brás Cubas (Die nachträglichen Memoiren des Brás Cubas) von Machado de Assis, das im Gebäude der Biennale aufgeführt werden soll. „In seinem Buch kritisiert Machado de Assis die Elite und spricht die Dinge auf satirische Weise an. Er ist skeptisch gegenüber dem Fortschritt und über das Ende der Sklaverei“, sagt die Regisseurin. In der Figur der schwarzen Protagonistin, die in Misskredit gerät und einen anderen Ort für die Inszenierung des Stücks suchen muss, zeigt der Film, wie die Sklaverei sich bis heute in Brasilien auswirkt. Besetzt ist der Film mit professionellen Schauspielern und Angestellten der Biennale-Stiftung. Die Kuratoren der vergangenen Biennale, Ivo Mesquita und Pablo Lafuente, sowie der derzeitige Kurator Gabriel Pérez-Barreiro haben ebenfalls Auftritte und schaffen weitere narrative Ebenen.

Außerdem läuft im Forum Expanded in der Schau ANTIKINO (The Siren’s Echo Chamber) der Film Curupira, Bicho do Mato, (Curupira, Creature of the Woods) des Franzosen Félix Blume. Der Film lässt Bewohner von Tauari im Amazonasgebiet über die Legende von Curupira sprechen und reflektiert so über die Grenzen von Wissenschaft und Legende.

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