Schnelleinstieg:
Direkt zum Inhalt springen (Alt 1)Direkt zur Sekundärnavigation springen (Alt 3)Direkt zur Hauptnavigation springen (Alt 2)

Berlinale-Blogger 2019
Allegorien über eine mögliche Zukunft

Die Schauspielerin Dira Paes in "Divine Love​". Regie: Gabriel Mascaro. Berlinale Panorama. © Desvia
Die Schauspielerin Dira Paes in "Divine Love​". Regie: Gabriel Mascaro. Berlinale Panorama. | © Desvia

Divino Amor (Divine Love) und A Rosa Azul de Novalis (The Blue Flower of Novalis) handeln von intimen Beziehungen – im Brasilien von heute und in dem von morgen.

Von Camila Gonzatto

Brasilien 2027. Elektronische Türen identifizieren Personen anhand ihrer DNA, erkennen ihren Familienstand und ob sie schwanger sind. Drive-throughs bieten religiöse Dienstleistungen an. Der Karneval ist ersetzt worden durch eine Art religiösen Rave. Staat, Kirche und Technologie sind nicht mehr auseinanderzuhalten. In diesem Universum, das Gabriel Mascaro für Divino Amor entwirft, ist die tadellos von Dira Paes gespielte Joana eine Angestellte im Standesamt, die versucht Paare von einer Scheidung abzubringen.

Joana träumt davon, schwanger zu werden. Ihr Mann Danilo, der Blumenkronen für Beerdigungen fertigt, tut sein Möglichstes, um seine Fruchtbarkeit zu erhöhen. Sie stimmen in fast allem überein, außer in ihren Ansichten über die Schönheit von blauen Blumen, die für Danilo unnatürlich sind und die er deswegen nicht für seine Blumenkränze verwenden will. Alles läuft gut für Joana, bis ihre Ehe ins Wanken gerät. Auf dem Höhepunkt ihrer Krise färbt sie Rosen blau ein, ein Moment der Fantasie, aber auch ein Symbol für die Künstlichkeit ihres Lebens. „Der Film ist eine Allegorie über eine mögliche Zukunft sowie eine mögliche Gegenwart in Brasilien. Ich wollte auch nachdenken über den Körper und über die biopolitische Kontrolle, die Religion ausüben kann“, sagt Mascaro. Ein Highlight des Films ist die Begegnung von Religion und Erotik im Leben der Protagonisten.

Alte Tabus

In A Rosa Azul de Novalis unter der Regie von Gustavo Vinagre und Rodrigo Carneiro hat die blaue Rose eine andere Bedeutung. Es geht um die Suche nach Transzendenz. Marcelo Diório erzählt in dem Film Kindheitserinnerungen, von Familientraumata und darüber, was es für ihn bedeutet, seit seinem 22. Lebensjahr HIV-positiv zu sein. Er erinnert dabei auch an seine früheren Leben, behauptet, Novalis gewesen zu sein, der romantische Schriftsteller und Schöpfer der blauen Blume als literarisches Motiv. Neben Erinnerungen zeigt der Film Marcelos Alltag, seine Zuneigungen, seine Wünsche und Fantasien ebenso wie literarische Vorlieben. Mit unter die Haut gehender Erotik und Bezügen zu Georges Bataille in Die Geschichte des Auges lädt er ein zum Nachdenken über immer noch herrschende soziale Tabus.

Top