Schnelleinstieg:
Direkt zum Inhalt springen (Alt 1)Direkt zur Sekundärnavigation springen (Alt 3)Direkt zur Hauptnavigation springen (Alt 2)

Berlinale-Blogger 2020
„All die Toten“ feiert Premiere im Wettbewerb

All die Toten. Regie: Caetano Gotardo, Marco Dutra. Im Bild: Carolina Bianchi, Thaia Perez, Clarissa Kiste. Koproduktion Brasilien-Frankreich. Berlinale Wettbewerb 2020.
All die Toten. Regie: Caetano Gotardo, Marco Dutra. Im Bild: Carolina Bianchi, Thaia Perez, Clarissa Kiste. Koproduktion Brasilien-Frankreich. Berlinale Wettbewerb 2020. | © Hélène Louvart/Dezenove Som e Imagens

Sara Silveira, die Produzentin des Films, der um den Goldenen Bär der Berlinale konkurriert, ruft zu Widerstand im brasilianischen politischen Kontext auf.

Von Camila Gonzatto

In der Pressekonferenz nach der Aufführung des Spielfilms All die Toten (Todos os Mortos) betonte das Filmteam die Bedeutung der brasilianischen Filmproduktion und gleichzeitig auch die Gefahr, in der sich diese infolge der massiven Einschnitte befinde, die von der aktuellen brasilianischen Regierung im Kulturbereich durchgeführt werden. „Solange ich lebe – ich bin 69 Jahre alt –, werden sie sich anhören müssen, was ich zu sagen habe, weil ich weiter kämpfen werde. Ich brauche dafür keine Waffen, ich brauche Liebe, Mut und Momente des Heldenmuts. Wir werden widerstehen und siegen. Wir Künstler schreien alle nach Freiheit, Demokratie und Widerstand“, erklärte die Produzentin Sara Silveira.

All die Toten spielt Ende des 19., Anfang des 20. Jahrhunderts, wenige Jahre nach der Abschaffung der Sklaverei und der Proklamation der Republik in Brasilien. „Wir wollten darüber nachdenken, wie stark die soziale Struktur dieses geschichtlichen Moments in der heutigen Gesellschaft noch nachwirkt“, erklärte Caetano Gotardo, der zusammen mit Marco Dutra bei dem Film Regie führte. Eine der Strategien der beiden Regisseure, um die Vergangenheit mit der Gegenwart zu verbinden, bestand darin, in den Außenszenen Bilder und Töne des aktuellen São Paulo einzusetzen und so eine Überlagerung verschiedener Zeitebenen zu schaffen.

Rassenhierarchie

Der Film führt uns in das Haus einer im Niedergang befindlichen Adelsfamilie. Hauptfiguren sind die Mutter Isabel und ihre zwei Töchter Maria und Ana. Isabel ist krank und kurz davor, sich völlig aufzugeben; Maria, eine Nonne, reibt sich auf zwischen ihrer Arbeit in einer Mädchenschule und dem Versuch, ihrer Familie zu helfen; und Ana, die in ihrer eigenen Welt lebt, gepeinigt von Visionen, in denen sie Menschen sieht, die versklavt wurden und gestorben sind. Die drei leben in São Paulo, während der Vater weiter auf der Kaffeeplantage arbeitet, die einst der Familie gehörte und nun von italienischen Einwanderern verwaltet wird. Durch die Probleme, die den drei Frauen begegnen, werden Fragen aufgeworfen, die mit Rassismus und der Einteilung in soziale Klassen zu tun haben. „Die ganze Rassenhierarchie, die zwischen der Kolonie und dem Kaiserreich herrschte, drang in das Haus des brasilianischen Volks ein“, erklärte Salloma Salomão, der den Soundtrack für den Film komponiert hat.

In All die Toten sticht Mawusi Tulani durch ihre Darstellung der Iná hervor. Iná ist eine versklavte Frau, die auf der Plantage der Familie arbeitete. In ihrem Kampf um Respekt und dafür, sich ein Leben in einem Land aufzubauen, das tief verwurzelt in alten Werten versucht, Fortschritte zu machen, stellt sie eine Verbindung zwischen zwei Welten her: dem alten kolonialen Brasilien der Sklavenhalter und der neuen Republik. Ein anderer interessanter Aspekt des Films ist sein Soundtrack, der europäische Elemente und afrikanische Rhythmen mischt. „Man kann die sozialen Spannungen in den musikalischen Formen spüren, die der Film in Erinnerung ruft. Man hätte den Film allein durch die Musik erzählen können. Wir Nachfahren von Afrikaner*innen waren für die Schaffung dieses Repertoirs sehr wichtig, das ich für den Film aktualisiert habe“, erklärt Salomão.

 

Top