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Berlinale-Blogger 2020
Gegen Vorurteile

Alice Junior, Brasilien 2019. Regie: Gil Baroni. Im Bild: Anne Celestino Mota. Berlinale Panorama 2020.
Alice Junior, Brasilien 2019. Regie: Gil Baroni. Im Bild: Anne Celestino Mota. Berlinale Panorama 2020. | © Renato Ogata & Gil Baroni

Die Langfilme „Alice Júnior“ (Alice Junior) und „Vento seco“ (Dry Wind) beschäftigen sich in Geschichten aus Kleinstädten im brasilianischen Hinterland mit LGBTQI+ Themen.

Von Camila Gonzatto

Alice, eine trans-Youtuber aus Recife, muss mit ihrem Vater, der für die Parfümerie, in der er arbeitet, einen neuen Duft testen soll, in die Kleinstadt Araucária do Sul umziehen. In der Kleinstadt wird Alice mit den Vorurteilen der Einwohner, Lehrer und Mitschüler konfrontiert. Die Schilderung ihres Alltags greift wichtige Themen auf, wie das Recht, Frauentoiletten benutzen zu dürfen, das Recht auf den eigenen Namen sowie Respekt und Akzeptanz gegenüber ihrer Identität.

Der leichte und heitere Ton von Alice Júnior unter der Regie von Gil Baroni nach einem Drehbuch von Luiz Bertazzo ist auch der Schauspielerin Anne Celestino Mota (Alice) zu verdanken, die zum Entstehen der Figur beigetragen hat. „Mit Anne hat sich die Figur noch einmal stark verändert. Mir waren die Beschränkungen, als Mann diesen Film zu schreiben, bewusst. Wir haben viel miteinander gesprochen und ihre Erfahrungen ins Drehbuch eingearbeitet“, erzählt Bertazzo. Der Soundtrack des Films besteht zum Teil auch aus Musik von trans-Künstlerinnen.

Bei seiner Welturaufführung erhielt Alice Júnior im ausverkauften Kino stehende Ovationen des Publikums und absolvierte in Brasilien bereits die Festivals. Auf dem Filmfestival von Brasilia erhielt Anne Celestino Motta den Preis als beste Schauspielerin - der damit erstmals an eine trans-Frau vergeben wurde.
Vento Seco, Brasil 2020. Direção: Daniel Nolasco. Na foto: Leandro Faria Lelo. BerlinalePanorama 2020. Vento Seco, Brasil 2020. Direção: Daniel Nolasco. Na foto: Leandro Faria Lelo. BerlinalePanorama 2020. | © Panaceia Filmes

Lust und Fantasie

Ein weiterer Film mit LGBTQI+Thematik ist Vento Seco unter der Regie von Daniel Nolasco in der Sektion Panorama. Der Langfilm spielt im Hinterland des Bundesstaates Goiás und ist unterteilt in Kapitel, die jeweils mit der Wettervorhersage beginnen. Die unerträgliche Hitze und die stets trockene Luft lassen einen Großteil der Leute im Freizeitklub der Stadt zusammenkommen, den auch der Protagonist Sandro besucht, der in einer Düngerfabrik arbeitet. Aus Angst, dass man ihnen mit Vorurteilen begegnet, trifft Sandro sich mit seinem Geliebten in einem Eukalyptuswald und macht die Beziehung nie öffentlich. Leidenschaft, Eifersucht, zahlreiche Sex- und Fetisch-Szenen ziehen sich durch die Erzählung und sprechen von Wünschen nicht nur des Protagonisten, sondern auch denen anderer Männer in der Stadt.

Der brasilianische Kritiker und Kurator Heitor Augusto ist in diesem Jahr Mitglied der Jury des Teddy Award. Im Vorfeld der Berlinale wies er auf Facebook darauf hin, dass es zum ersten Mal in mehr als zehn Jahren mehr als eine schwarze Person in der Jury gibt.
 

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