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#BerlinalePeople: Rolla Tahir
Der Prozess des Entdeckens

Rolla Tahir
Rolla Tahir | © Rolla Tahir

Dieses Profil ist Teil einer fortlaufenden Serie von Miniprofilen auf dem Blog des Goethe-Instituts Toronto, German Film @ Canada über die Macher*innen, welche die Berlinale zu einem der wichtigsten Events im internationalen Filmkalender machen: die Filmschaffenden, Programmierer*innen, Kurator*innen, Branchenfördernde und Fans, vom Rookie bis zum*r Veterane*in.

Von Jutta Brendemühl

Das Spannende an den arabischen Filmen auf der Berlinale in diesem Jahr ist, dass die meisten von neuen Filmemachern stammen, ein weiterer Grund, warum ich das Festival so sehr schätze - es fördert und verstärkt neue und vielfältige Stimmen.

Rolla Tahir

In diesem Jahr besuchen zwei Filmemacherinnen/Programmiererinnen aus Toronto die Berlinale im Rahmen der Diversity & Inclusion Initiative des European Film Market in Kooperation mit dem Goethe-Institut. Eine von ihnen ist Rolla Tahir, eine der Mitbegründerinnen und die künstlerische Leiterin des Toronto Arab Film Festival (TAF), dem ersten Festival seiner Art in Toronto, das jährlich panarabische Filme zeigt.

Rolla ist auch eine Rolla Tahir Rolla Tahir am Set von Jamie Whitecrow | © Stan Williams unabhängige Filmemacherin und Regisseurin. Ihr Kurzfilm Sira wurde beim Toronto International Film Festival uraufgeführt und lief anschließend auf verschiedenen Festivals, darunter bei den Open City Docs. Sie hat viele Rollen als Kunstverwalterin und Filmpädagogin übernommen, zuletzt bei der Liaison of Independent Filmmakers of Toronto, dem Regent Park Film Festival und der Innis Town Hall. Ihre Leidenschaft für den Film entspringt dem Bedürfnis, einzigartige Geschichten zum Leben zu erwecken, mit visionären Kreativen zu arbeiten und zu verstehen und verstanden zu werden.
 
Warum ist der Berlinale-(Markt-)Zugang wichtig für deine Arbeit?
 
Es ist schwer, eine*n aufstrebende*n Filmemacher*in zu finden, die oder der keine Verbindung zur Berlinale hat. Ich bin nun schon seit über zehn Jahren in verschiedenen Funktionen auf den Filmfestivals unterwegs, aber ich habe mich größtenteils auf den lokalen Markt beschränkt. Kanada hat zweifelsohne eine robuste und florierende Filmfestivalszene, aber wenn es um das arabische Kino geht, ist die Berlinale unübertroffen, was die Programmgestaltung und die Möglichkeiten angeht, die ihr Markt bietet.

Als künstlerische Leiterin und Mitbegründerin des Toronto Arab Film Festivals spreche ich mit vielen Filmemacher*innen, aufstrebenden und etablierten, und ich bin immer wieder fasziniert welche Möglichkeiten sie hatten. Die meisten von ihnen haben entweder am Talents-Programm der Berlinale oder dem Market teilgenommen oder einfach ihre Filme in Berlin gezeigt, was dann ihre Karrieren vorantreibt. Wenn ich für das Festival programmiere, ist meine erste Recherchestation das Berlinale-Programm. So bin ich zum Beispiel auf den preisgekrönten sudanesisch-deutschen Film Talking About Trees gestoßen, der letztes Jahr unser Eröffnungsfestival eröffnet hat.

Film ist für mich ein Fenster zu Orten und Menschen

Der arabische Film spielt in diesem Jahr in der Berlinale-Auswahl in allen Sektionen eine große Rolle. Wonach suchen Sie und worauf freuen Sie sich?
 
Mein Lieblingsteil eines jeden Filmfestivals ist der Prozess des Entdeckens. Ich gehe definitiv die Programme sorgfältig durch, bevor ich ein Festival besuche, aber ich lasse mich immer gerne überraschen. Das Spannende an den arabischen Filmen auf der Berlinale in diesem Jahr ist, dass die meisten von neuen Filmemachern stammen, ein weiterer Grund, warum ich das Festival so sehr schätze - es fördert und verstärkt neue und vielfältige Stimmen. 

Ich bin besonders gespannt auf Seven Years Around the Delta Nile von Sharief Zohairy. Es kommt nicht oft vor, dass ich experimentelle Arbeiten von arabischen Filmemachern zu sehen bekomme, und ich liebe Essay- und Reisefilme.

Ich konzentriere mich auch gerne so viel wie möglich auf 'nationale' Kinos, um die neuen Wellen des Filmemachens aus diesen Regionen zu erkunden, die Ähnlichkeiten, den Bruch mit Traditionen. Ich hoffe, dass ich mit diesen Filmemacher*innen in Kontakt komme und ihre Filme dem Publikum in Toronto näher bringen kann.
 
Wenn ich physisch in Berlin wäre, würde ich ...
 
Das diesjährige Festival ist für mich als Festivalleiterin besonders interessant, ich habe schon viele virtuelle Festivals besucht, aber ich kann es kaum erwarten zu sehen, was die Berlinale zu bieten hat. Natürlich ist es aus vielen Gründen eine Herausforderung, ein Online-Festival zu veranstalten, vor allem wegen des potenziellen Mangels an Engagement, das für Filmfestivals und damit auch für die Filmemacher*innen, die dort ihre Filme vorstellen, so wichtig ist. Auf der anderen Seite gibt es aber auch viel weniger Druck von seiten der Logistik und mehr Fokus auf den eigentlichen Inhalt. Ein Vorteil, den ich durch diese virtuelle Verschiebung festgestellt habe, ist, dass viele Filmemacher*innen nun ohne mögliche Schwierigkeiten mit Grenzen und Visa dabei sein können. So freue ich mich auf all die Gespräche rund um die Filme, wenn auch virtuell.
 
Trotzdem wird für mich persönlich nichts die physische Festival-Erfahrung ersetzen. Ich hätte Berlin gerne durch die Augen des Festivals gesehen. Film ist für mich ein Fenster zu Orten und Menschen, und ich hätte mich über die Gelegenheit gefreut mit vielen Freunden, die regelmäßig zur Berlinale gehen, durch die Straßen der Stadt zu gehen. Im letzten Jahr habe ich mich mit vielen Filmemacher*innen online verbunden, die alle dieses Jahr auf der Berlinale gewesen wären. Es wäre eine Art Wiedersehen gewesen! Aber diese virtuelle Ausgabe hat mich doch in die Besonderheiten des Festivals eingeführt, so dass ich nächstes Jahr besser gerüstet bin, wenn ich das Glück habe, teilnehmen zu können.
 
Eine gute Berlinale -Erfahrung 2021 wäre…
 
Es wäre ein erfolgreiches Festival für mich, wenn ich 3 oder 4 tolle Filme für das diesjährige Toronto Arab Film Festival finde. Außerdem würde ich gerne mehr Einblicke in das Talents-Programm gewinnen und mich mit angehenden Filmemacher*innen vernetzen. Koproduktionen sind heute ein Eckpfeiler des arabischen Films, insbesondere der unabhängigen, experimentelleren Filme, und ich würde gerne in der Lage sein, arabische Filmemacher*innen in Kanada mit internationalen Regisseur*innen, Autore*innen und vor allem Produzent*innen zusammenzubringen.
 
 
 

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