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Berlinale-Blogger*innen 2021
Rumänischer Film gewinnt den Goldenen Bären

Bad Luck Banging or Loony Porn, Romenien/Luxemburg/Kroatien/Tschechische Republik, 2021. Regie: Radu Jude. *Im Bild: Paul Dunca / Paula Dunker, Nicoleta Lefter, Nicodim Ungureanu, Ana Ciontea, Petra Nesvačilová*. Berlinale Wettbewerb 2021.
Bad Luck Banging or Loony Porn, Romenien/Luxemburg/Kroatien/Tschechische Republik, 2021. Regie: Radu Jude. *Im Bild: Paul Dunca / Paula Dunker, Nicoleta Lefter, Nicodim Ungureanu, Ana Ciontea, Petra Nesvačilová*. Berlinale Wettbewerb 2021. | ©️ Silviu Ghetie / Micro Film 2021

„Bad Luck Banging or Loony Porn“ des rumänischen Regisseurs Radu Jude bekommt in Berlin den Goldenen Bären. Mit Bukarest als Schauplatz handelt der Film von Distanz und Intimität in Zeiten der Pandemie.

Von Camila Gonzatto

Die Entscheidung der Berlinale-Jury zielt auf die Widersprüche der gegenwärtigen Zeit. Eine Geschichtslehrerin und ihr Mann filmen sich mit dem Handy beim Geschlechtsakt. Haushaltsüblicher Sex, kein professioneller Porno, der irgendwie ins Internet gelangt, auf eine Website für Erwachsene, und von dort in die sozialen Netzwerke. Alles in Bukarest unter der Pandemie, wo die Menschen mit Masken auf der Straße sind und den größtmöglichen Abstand zueinander halten. Distanz und Intimität sind an sich schon ein Widerspruch – in der Konfrontation mit überkommenen Moralismen, wie sie derzeit in Mode sind, gepaart mit übertriebenem Anti-Intellektualismus, wird ein Zirkus daraus.

In drei Akten provoziert der Film von Radu Jude nicht nur vom Inhalt her: Die fragmentierte Struktur geht auch die Sprache des Films an und alles, was man von einem Langfilm erwartet. Der zweite Akt beispielsweise ist ein Glossar aus unterschiedlichen Worten, die schließlich unter anderem von der diktatorischen Vergangenheit Rumäniens erzählen. „Es ist ein kunstvoll ausgearbeiteter Film, der zugleich ausgelassen ist, intelligent und kindisch, geometrisch und lebendig, auf beste Art ungenau. Er greift die Zuschauer*innen an, ruft Widerspruch hervor, und erlaubt doch niemandem, Sicherheitsabstand zu halten“, so die Begründung der Jury.

Ich bin dein Mensch. Deutschland 2021. Regie: Maria Schrader. Im Bild: Maren Eggert, Dan Stevens, Berlinale Wettbewerb 2021.  Ich bin dein Mensch. Deutschland 2021. Regie: Maria Schrader. Im Bild: Maren Eggert, Dan Stevens, Berlinale Wettbewerb 2021.  | © Christine Fenzl

Dystopische Zukunft

Wenn Sex unter Menschen schon störend sein kann, was soll man über die Hochzeit einer Frau mit einem Humanoiden sagen? Für ihre Rolle als Spezialistin für antike Kunst, die eine ethische Betrachtung über das Verhältnis von Mensch und Roboter verfassen muss, um die Finanzierung für ihre eigene Forschung zu bekommen, die gar nichts mit dem futuristischen Thema zu tun hat, erhält Maren Eggert den Silbernen Bären für die Beste Schauspielerische Leistung in „Ich bin dein Mensch“. Mit sarkastischen Tiraden und berührenden Momenten handelt der Film nicht nur von einer dystopischen Zukunft, sondern richtet den Blick auch auf die Einsamkeit des Lebens in einer Großstadt wie in diesem Fall Berlin.

Im Sommer, falls die Pandemie bis dahin unter Kontrolle ist, wird das Publikum alle Filme des Festivals Open Air in Berlin sehen können. Bis dahin machen wir weiter mit einer Realität auf Computerbildschirmen.


Weitere Prämierungen und alle Details finden sich auf der Website der Berlinale unter https://www.berlinale.de/de/news-themen/news/detail_70152.html

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