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Berlinale Blogger 2018 Generation: das märchenhafte Universum vom Spielfilm „Unicorn“

Foto: © 3 Tabela Films / Zeca Miranda
Foto: © 3 Tabela Films / Zeca Miranda | Berlinale Pressefoto.

Der Film von Eduardo Nunes ist eine freie Adaptation der Erzählungen „Unicórnio“ und „Matamouros“ der brasilianischen Schriftstellerin Hilda Hilst.
 

In einer idyllischen Berglandschaft leben zu einer nicht näher bestimmten Zeit ganz allein eine Mutter und ihre kurz vor der Pubertät stehende Tochter. Sie leben ländlich und verbringen den Alltag in der zyklischen Routine des Wasserholens am Brunnen und dem Kochen am Holzherd. Nahe dem Haus ist ein Wald, in dem das Mädchen ein Einhorn sieht und giftige Früchte von ihrem Lieblingsbaum pflückt. In einer anderen Zeit, einem anderen Raum, führt dasselbe Mädchen philosophische Gespräche mit ihrem Vater, der anscheinend in einer psychiatrischen Klinik sitzt. Dies ist das märchenhafte Universum von Unicórnio (Unicorn), einem Film von Eduardo Nunes, eine freie Adaptation der Erzählungen Unicórnio und Matamouros der brasilianischen Schriftstellerin Hilda Hilst.
 
Das empfindliche Gleichgewicht des Lebens von Mutter und Tochter auf dem Land wird gestört durch die Ankunft eines Ziegenhirten, der in beiden Begierde weckt. Für die Tochter ist es das Erwachen ihrer Sexualität, in die sich Schmerz, Wut und Eifersucht gegenüber der Mutter mischen. Für die Mutter ist es die Wiederentdeckung des Begehrens und des eingeschlafen geglaubten sexuellen Verlangens.
 

Das märchenhafte Klima der Geschichte wird verstärkt durch die Regie und die Fotografie, die sowohl in der Szenerie wie in den Kostümen mit erdigen und Ockertönen arbeiten. Die Natur wird in Gelb- und Cyantönen gefilmt, was die Natürlichkeit der Landschaft bricht und sie fast wie ein Gemälde ins Fiktionale zieht. Das Spiel der Darstellerinnen Patrícia Pillar (Mutter) und Bárbara Luz (Tochter) ist zurückhaltend und feinsinnig. Es gibt nur wenige Dialoge, aber viele Blicke und körperlich dargestellte Gefühle.
 
Herausgekommen ist ein schöner und feinsinniger Spielfilm, der die Zeit erweitert und in dem fundamentale Fragen des Menschseins, wie die Klarsicht des Wahnsinns oder Kindheit und Liebe zur Diskussion gestellt werden. In vielen Momenten jedoch scheint der Film den Versuch, poetisch zu sein, zu übertreiben, was im Erzählfluss beim Betrachter eine gewisse Distanz hervorruft.

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