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Berlinale Blogger 2018
Premiere des brasilianischen Films „Hard Paint“ im Panorama

Hard Paint, ein Film von Filipe Matzembacher e Márcio Reolon​.​
Hard Paint, ein Film von Filipe Matzembacher e Márcio Reolon​.​ | Foto: Avante Filmes. Berlinale Pressefoto.

Der Film von Filipe Matzembacher und Márcio Reolon beschäftigt sich mit Themen wie Verlassenheit, Einsamkeit und Perspektivlosigkeit in einer mittelgroßen Stadt.

Tinta Bruta (Hard Paint), einer der wenigen brasilianischen Spielfilme dieser Berlinale, porträtiert Pedro, einen Jugendlichen, der wegen eines tätlichen Angriffs auf einen Kommilitonen von der Uni geworfen wurde und dessen Schwester, mit der er zusammenlebte, gerade nach Salvador gezogen ist. In der virtuellen Welt ist Pedro als NeonBoy bekannt. Er verdient seinen Lebensunterhalt mit Internet-Performances auf einer Website für virtuellen Sex, arbeitet dabei mit Neonfarben und weckt die Begierde von Männern der unterschiedlichsten sexuellen Orientierungen. Die Performances reißen Pedro aus seiner Isolation und bringen ihn wieder in Kontakt mit der Außenelt. Irgendwann findet Pedro heraus, dass ein anderer Junge dieselben Performances anbietet wie seine und ihm dadurch seine Kundschaft abspenstig macht.
 
Als zweiter Film von Filipe Matzembacher und Márcio Reolon, deren Erstling auf der Berlinale 2015 gezeigt wurde, zeigt Tinta Bruta die sprachliche und erzählerische Weiterentwicklung der Regisseure. Er beschäftigt sich mit Themen wie Verlassenheit, Einsamkeit und Perspektivlosigkeit in einer mittelgroßen Stadt. Auch das Thema der in Brasilien weit verbreiteten Homophobie durchzieht die Erzählung des Films.
 
Die schauspielerische Leistung von Shico Menegat, der sein Debüt auf der großen Leinwand hat, arbeitet die Gefühlsebenen der Protagonisten einfühlsam heraus. Der Körper ist dabei von fundamentaler Bedeutung. Über ihn werden Gegensätze wie Zartheit und Kraft, Passivität und Gewalt, Lust und Traurigkeit ausgearbeitet. Der Körper ist Pedros Lebensunterhalt, sein Ausgangspunkt und sein Ziel. Und so gut wie alles, was er besitzt. Und ebenfalls über den Körper - seines Rivalen, der schließlich sein Partner wird - entdeckt Pedro seinen Körper in wunderbar zärtlichen Sexszenen wieder.
 
Ein anderes herausragendes Element des Films ist der Soundtrack, der die unterschiedlichen Zustände des Protagonisten begleitet, ohne redundant zu sein. Die Fotografie alterniert zwischen intensiveren Momenten mit einer Handkamera, die Pedro nahbleibt, und anderen kontemplativeren Momenten, die eine stagnierende Stadt zeigen. Hart Paint ist ein sehr runder Film, der sich Zeit lässt und von der Zeitlichkeit des Körpers herausarbeitet.
 

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