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Caracas
Génesis Alayón, Bildende Künstlerin

Von Génesis Alayón

Portraitbild von Génesis Alayón © Génesis Alayón
Was versinnbildlicht für Sie die aktuelle Situation persönlich oder in Ihrem Land?

In meinem Land leben wir seit vielen Jahren in einer starken politischen, wirtschaftlichen und sozialen Krise, die sich in der Gegenwart verstärkt um die Wiederherstellung der Demokratie bemüht. Wir leben mit Problemen, die inzwischen Teil des täglichen Lebens sind und an die wir uns angepasst haben, um zu überleben: Wasserknappheit, tägliche Stromausfälle, Abwertung der Landeswährung, Medienzensur, Gewalt, Hunger, die völlige Unterversorgung der Krankenhäuser, Benzinmangel und nun diese Pandemie, die uns alle ängstlich zu Hause festhält.

Zeichnung von einer Versammlung von Männern © Venezuela von Génesis Alayón Ich kann dies also mit einem endlosen Schauspiel vergleichen, in dem wir unser aller Wohlbefinden aufführen. Schon vor meiner Geburt haben alle sich vorgespielt: „Es geht schon alles vorbei“, „du wirst schon sehen“, „die Zeiten Gottes sind perfekt“ oder „alles wird besser“. Aber viele Schauspielerinnen und Schauspieler sind seither von der Bühne gestiegen, und andere waren gezwungen, das Theater zu verlassen. Wir leben zwar alle ein trügerisches Gefühl des Wohlbefindens, aber wir halten zusammen und versuchen, das Beste aus jedem Tag zu machen. Diese Pandemie hat die Bühne mit Ungewissheit durchdrungen, aber sie muss uns stärker machen.

Wie wird die Pandemie die Welt verändern? Welche langfristigen Folgen der Krise sehen Sie?

Die Antwort darauf ist heikel, weil diese Situation unsere Menschlichkeit zutiefst berührt.
Ich fühle mich nicht in der Lage eine solche Projektion zu machen, aber ich denke, dass sie die Art und Weise, wie wir miteinander und mit der Natur umgehen, zutiefst verändern könnte.

Zeichnung eines Duschkopfes vor einer Fliesenwand © Venezuela von Génesis Alayón

Was gibt Ihnen Hoffnung?

Im Spanischen kommt das Wort Hoffnung („esperanza“) von Warten, und ich möchte nicht „warten“. Ich will „tun“. Ich ziehe es vor, zu denken, dass diese Situation den Willen des Menschen stärkt und in zu einem bewussteren Umgang mit allem um ihn herum anleitet.

Was ist Ihre persönliche Strategie, damit umzugehen?

Ich lebe mit meinem besten Freund, einem Schriftsteller, zusammen und als dies begann, haben wir einige einfache Regeln aufgestellt:
  • Zu versuchen, unsere Arbeitspläne intakt zu halten (es ist sehr leicht, lange im Bett zu bleiben)
  • So viel wie möglich zu lesen und unsere persönlichen Projekte zu nähren (besonders, wenn es keinen Strom gibt)
  • Immer in Bewegung zu bleiben: Das Blut muss fließen und das Gehirn braucht Sauerstoff, also ist es erlaubt, jederzeit zu tanzen.
  • Jeden Tag köstliche Gerichte vorzubereiten mit dem, was wir haben. Manchmal gibt es kein Gas, so dass wir kreativ sein müssen. Wir haben einen Master-Abschluss in „Elektrische-Pfanne-Kochen” …
  • Den Kontakt zu Familie und Freunden pflegen.
  • Wenn einer sich schlecht fühlt, muss die/der andere eine warme Suppe kochen.
  • Lachen (die wichtigste Regel) 
 

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