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Seoul
Sunjung Kim, Kuratorin

Von Sunjung Kim

Sunjung Kim © Sunjung Kim

Was versinnbildlicht für Sie die aktuelle Sitation persönlich oder in Ihrem Land?

‚Pause‘. Nachdem die Welt durch die vergangenen Jahrzehnte im Schnelldurchlauf eilte, ist sie nun offenbar in den Pausenmodus gewechselt. Die Globalisierung hat Menschen, Gemeinschaften und Aktivitäten in aller Welt in einem rasanten Tempo miteinander verbunden. In dieser schnelllebigen Welt ließ sich nicht leicht erkennen oder wahrnehmen, welche Auswirkungen dieser Fortschritt auf unseren Alltag hatte. Angesichts der Grenzschließungen, Reisebeschränkungen und sozialen Distanzierungsmaßnahmen wird uns bewusst, welche Privilegien und alltäglichen Dinge wir bisher als selbstverständlich erachteten.
Titelbild des Ausstellungskatalogs Slowness of Speed, gestaltet von Namu Design. Die Ausstellung mit Werken von 7 koreanischen Künstlern, darunter Lee Bul und Choi Jeong Hwa, wurde von Sunjung Kim kuratiert und fand 2000 im Art Sonje Center, Seoul, 1998 in der National Gallery of Victoria, Melbourne, und 1999 in der Art Gallery of New South Wales, Sydney, statt. Titelbild des Ausstellungskatalogs Slowness of Speed, gestaltet von Namu Design. Die Ausstellung mit Werken von 7 koreanischen Künstlern, darunter Lee Bul und Choi Jeong Hwa, wurde von Sunjung Kim kuratiert und fand 2000 im Art Sonje Center, Seoul, 1998 in der National Gallery of Victoria, Melbourne, und 1999 in der Art Gallery of New South Wales, Sydney, statt. |

Wie wird die Pandemie die Welt verändern? Welche langfristigen Folgen der Krise sehen Sie?

Bereits jetzt können wir beobachten, dass sich mit der Pandemie nicht nur Grenzen schließen, sondern auch neue unsichtbare Grenzen bilden. Die gegenwärtige Krise, ausgelöst von einem Virus, das sich schnell verbreitet und offenbar keine Grenzen kennt, wirkt sich schon jetzt auf unsere Vorstellung und Wahrnehmung von Grenzen aus und wird dies auch weiterhin tun. Für mich ist dieser Aspekt von besonderem Interesse. Als Urheberin und künstlerische Leiterin des Real DMZ Projects organisiere ich ein Seminar zu den Auswirkungen des Coronavirus auf die globale Mobilität. In dieser langen Phase der sozialen Distanzierung, der Selbst-Quarantäne und des Zuhausebleibens wird sich unsere Einstellung zum Leben ändern. Auch die Vorstellungen der Menschen von einem idealen Tagesablauf werden davon nicht unberührt bleiben.

Wir alle sind von dieser durch ein neuartiges Virus ausgelösten Krise betroffen, und ich glaube (und hoffe), dass sich damit in sämtlichen gesellschaftlichen Bereichen Gelegenheiten bieten, neue Formen der Reflexion und Selbstreflexion zu erproben. Als Kuratorin sorge ich mich darüber, was in der internationalen Kunstwelt geschieht und was ihr noch bevorsteht. Auch wenn die meisten Kunstveranstaltungen und -ausstellungen weltweit abgesagt, verschoben oder geschlossen wurden, können wir diese Situation dafür nutzen, über Alternativen oder neue Wege der Gestaltung und des Erlebens von Ausstellungen nachzudenken. Wir könnten beispielsweise verschiedene Formen der kuratorischen Praxis erkunden und erproben, um so möglicherweise die Kunstszene neu zu beleben.

Was macht Ihnen Hoffnung?

Im Verlauf dieser Krise konnten wir beobachten, wie sich unser ökologisches und natürliches Umfeld verändert und wie neue Maßstäbe an die Qualität und den Wert des Lebens gesetzt werden. Meine große Hoffnung besteht darin, dass sich mit dieser Krise neue Chancen eröffnen.

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