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New York City
Bethany Younge, Komponistin

Von Bethany Younge

Portraitbild von Bethany Younge © Shawn Lucas

Was versinnbildlicht für Sie die aktuelle Situation persönlich oder in Ihrem Land?

Neben der schmerzhaften kollektiven Erfahrung, die wir derzeit durchlaufen, hat sich auch eine kollektive Erinnerung entwickelt. Eine Erinnerung, die sich nicht auf eine ungewollte Auseinandersetzung mit der Bedeutung des Lebens und des Sterbens beschränkt. Unsere körperlichen Sinne wurden neu geweckt, und wir nehmen die Dinge um uns herum bewusster wahr. Die frische Luft, die wir einatmen, das Gefühl der Sonne auf der Haut, der Geruch von feuchter Erde - alles hat eine neue Bedeutung bekommen. Dort, wo wir bisher Schutz vor der Gewalt suchten, die von der Natur ausgeht, können wir nun die Wechselwirkungen zwischen uns und der Welt neu erkunden. Oder wir können uns an sie erinnern, wenn wir besonders weit in die Vergangenheit blicken.
In New York City ist die Luft derzeit viel sauberer als sonst, und ich wünsche mir sehr, dass es so bleibt. Kann man besser in den vollen Genuss eines Austauschs zwischen Mensch und Natur kommen, als über ein gesteigertes körperliches Empfinden? Vielleicht werden die überkommenen anthropomorphen Demarkationen zwischen Mensch und Natur endlich verblassen.



 

Was macht Ihnen Hoffnung?

Mit Covid-19 wurden grundlegende Ungleichheiten und damit auch inakzeptable Regierungsstrategien viel offensichtlicher. Noch nie war die Gesellschaft in den USA derart geeint in ihrer Empörung über den Mangel an medizinischer Versorgung für nicht versicherte Menschen. Es ist eine Tatsache, dass Covid-19 in vielen Landesteilen deutlich mehr Opfer unter Afroamerikaner*innen gefordert hat. Damit rücken auch einige bereits bestehende Ungleichheiten aufgrund der Herkunft oder der wirtschaftlichen Situation in ein neues Licht.
Wenn mit dieser Krise irgendeine Form der Abhilfe geschaffen werden kann, dann vielleicht die, dass die Forderung, die Entrechteten nicht außer Acht zu lassen, eher gehört wird. Ich sehe, dass Menschen hier in New York City auf vielen Ebenen zusammenkommen, um für die Benachteiligten in unserer Gesellschaft zu sorgen, und das erfüllt mich mit unglaublich großer Hoffnung. Die Hilfsorganisationen in unserer Stadt werden in hohem Maße durch ehrenamtliche New Yorker*innen unterstützt. Dieser neue Grad der Empathie seitens der Bevölkerung könnte eine umfassende Mobilmachung zur Folge haben. Angesichts der wachsenden Empörung über anhaltende Ungleichheiten habe ich die Hoffnung, dass wir endlich aktiv werden und Einspruch gegen die zerstörerischen Strategien und Maßnahmen der Regierung erheben.
Übersetzt aus dem Englischen von Kathrin Hadeler

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