Konferenz Berlin
Über die Zukunft der süd-transatlantischen Beziehungen

Konferenz: Echos des Südatlantiks Berlin

Die vom Goethe-Institut zusammen mit dem Haus der Kulturen der Welt organisierte Konferenz „Echos des Südatlantiks“ am 10. + 11. Juli 2019 in Berlin fragt nach der Zukunft der südatlantischen Beziehungen, vor allem im Hinblick auf die Rolle Europas. Welche kulturellen Wechselbeziehungen bestehen heute zwischen Afrika, Südamerika und Europa, nach Jahrhunderten der europäischen Hegemonie und Kolonialisierung? Die Konferenz ist Teil der alljährlich stattfindenden „Wassermusik“ des HKW, die sich dieses Jahr dem Thema „Black Atlantic Revisited“ widmet. Vor 25 Jahren, erschien Paul Gilroys Buch „The Black Atlantic“ und gab damit einer Kultur einen Namen, die nicht spezifisch afrikanisch, amerikanisch, karibisch oder britisch ist, sondern alles auf einmal: eine schwarze atlantische Kultur und die wurde vor allem über die Musik tradiert. Die Konferenz in Berlin folgt dem Auftaktevent, das im April 2018 in Salvador de Bahia/Brasilien stattgefunden hat.

Bis ins 15. Jahrhundert war der Atlantik eine wahrnehmbare Grenze zwischen Afrika und Europa auf der einen Seite und Amerika auf der anderen Seite. Der Überwindung dieser Grenze folgte die wohlbekannte Geschichte der „Entdeckungen“: Kolonisierung, Versklavung, Ausbeutung, Migration und Wohlstand in Europa.  Die sich durch den Austausch zwischen den drei Kontinenten entwickelnde Dynamik mündete in einer kulturellen Verbindung, die alle drei Kontinente fundamental veränderte. Wie steht es um das Atlantische Dreieck im 21. Jahrhundert? Welche Position wird Europa gegenüber Afrika und Südamerika einnehmen, nachdem es 500 Jahre lang in unterschiedlichen Nuancen die Rolle der kolonialen Hegemonialmacht gespielt hat? Wie könnte die kulturelle Zukunft des Südatlantiks aussehen?
Während diese Fragestellung von mehr als 70 Teilnehmerinnen und Teilnehmern auf der Konferenz in Salvador de Bahia/Brasilien umfassend diskutiert wurde, soll ein Jahr später in Berlin der Fokus auf die Gegenwart gelegt werden. Die Konferenz in Berlin wird sich mit der Frage nach den aktuellen Beziehungen zwischen den Kontinenten beschäftigen und mögliche Szenarien für den interkulturellen Dialog in der Zukunft aufwerfen.

Neben Beiträgen von Paul Gilroy, Felwine Sarr oder Nanette Snoep werden 16 Künstlerinnen und Künstler aus Afrika, Südamerika und Europa ihre Projekte vorstellen, die die Verbindungslinien zwischen den Kontinenten ziehen und nach dem kulturellen Potential der Süd-Süd-Beziehungen fragen und der Rolle, die Europa dabei spielt bzw. spielen kann. Dazu gehören Gabi Ngcobo, Jean-Pierre Bekolo, Elvira Dyangani Ose, Jota Mombaca  oder Michelle Mattiuzzi, um nur einige zu nennen. Die Projekte greifen vielfältige Themen auf, wie Kulturtraditionen zwischen den Kontinenten, dekoloniale Ästhetiken in Tanz und Performance, oder den Klang des Südatlantiks.

Der Kulturwissenschaftler Paul Gilroy sagt in einem Gespräch mit der taz über sein wegweisendes Buch „Black Atlantic“: „Das Medium Wasser ist ja einerseits ständig in neuen Mischungsverhältnissen anzutreffen, andererseits eine äußerst nachhaltige Substanz, die den Großteil unseres Körpers bildet.
Mit dieser fluiden Konzeption von Kultur war jedoch keinesfalls beabsichtigt, die See gegen das Territorium auszuspielen. Ich wollte vielmehr zeigen, wie das Ozeanische das Festland verformt.“

Öffentliches Programm der Konferenz Echos des Südatlantiks, HKW Berlin

14-15:30
Panel „Das Gespenst der Kolonialisierung“

16-17:30
Panel „Echos der Kolonialisierung“

18:30-19:00
Begrüßung durch Bernd Scherer, Intendant des HKW, und Johannes Ebert, Generalsekretär der Goethe-Instituts

19-20:00
Keynote von Paul Gilroy “The End of the Black Atlantic?”
Paul Gilroy stellt die Frage nach der Aktualität und Relevanz des „Black Atlantic“ vor dem Hintergrund zeitgenössischer Entwicklungen: Welchen Stellenwert nehmen Herkunftsunterschiede und –Hierarchien in den vorherrschenden kulturellen und politischen Beziehungskonstellationen ein? Wie wirkt sich die Transformation der Technologien und Kommunikationsmittel aus, die den Aufstieg der kulturellen Arroganz, Ultranationalismus und Faschismus begünstigt haben? Können die Hinterlassenschaften des Black Atlantic Handreichungen zur Lösung der Krise bieten?
14-15:00
Panel „Die neue Kolonialisierung“

15:30-17:00
Panel IV –  „Afrotopia“

17-18:30
Video Performance von Isaac Julien “Lessons of the Hour”  und Performance von Michelle Mattiuzzi, Jota Mombaca “2021“

19-20:00
Key Note von Achille Mbembe “Deglobalisierung – Körper als Grenzen”
Achille Mbembe reflektiert über die Wiederkehr von Grenzen im Zeitalter der Dematerialisierung und Velozität. Sein besonderes Interesse gilt hierbei der Art und Weise, wie sich bestimmte Körperschaften und Gesellschaftsteile in mobile, verschiebbare Grenzen entwickelt haben. Achille Mbembe untersucht die Auswirkungen dieser Neuverteilung von Mobilität und Zugang auf die Politiken der Zukunft.

20- 23:00
Party: DJ Samy Ben Redjeb (tbc)