Future Perfect Grüne Welle für mehr Lebensqualität

Produktionszentrum des Wiederaufforstungsprogramms.
Produktionszentrum des Wiederaufforstungsprogramms. | Foto: Alberto Veiga.

Die sozial-ökologische Nichtregierungsorganisation „Onda Verde“  wurde 1994 in  einer einkommensschwachen Stadt des Bundesstaates Rio de Janeiro gegründet und setzt sich für Umweltschutz, Bildung und die Gemeinschaft ein.Die sozial-ökologische Nichtregierungsorganisation „Onda Verde“  wurde 1994 in  einer einkommensschwachen Stadt des Bundesstaates Rio de Janeiro gegründet und setzt sich für Umweltschutz, Bildung und die Gemeinschaft ein.

Die Stadt Nova Iguaçu in der Region Baixada Fluminense hat eine der höchsten Kriminalitätsraten des Bundesstaats Rio de Janeiro. Auf dem Stadtgebiet liegt auch das Reservat von Tinguá mit Atlantischem Regenwald und hoher Biodiversität, der wichtig für die Wasserversorgung und die Lebensqualität der Bevölkerung ist. Wie schützt man den Wald und verbessert das Leben dieser Gemeinschaft, die von offizieller Seite stark vernachlässigt wird? Mit diesen Fragen im Kopf gründete der Umweltschützer Hélio Vanderlei 1994 die sozial-ökologische Nichtregierungsorganisation Onda Verde (Grüne Welle). „Als ich die Organisation ins Leben rief, hatte ich den Gedanken: Ich muss nach Tinguá gehen, um den Wald zu schützen. Er ist 25.000 Hektar groß und produziert 170 Millionen Liter Wasser am Tag“, erzählt er.

Vanderlei, der Sohn einer Familie von Migranten aus der Peripherie von Recife, kam im Alter von fünf Jahren zusammen mit der Mutter und vier Geschwistern nach Rio. Während seiner Kindheit und Jugend verkaufte er in den Straßen von Nova Iguaçu Eis am Stiel und Kleidung. Später arbeitete er als Bürohilfe und Werkfeuerwehrmann. Mit  der Gründung von Onda Verde wollte er sich für die Verteidigung von Arbeiterrechten und den Umweltschutz engagieren. Das Projekt hat seit seinem Bestehen bis zum Jahr 2017 schon mehr als 100.000 Personen einbezogen und die Pflanzung von einer Million Bäume ermöglicht, außerdem fördert es die Umweltbildung, ermöglicht Forschungen in seiner Bibliothek und bietet Leuten mit sehr wenig Zugang zu Information Kurse an. „Für mich hat der Ökosozialismus diesen Schwerpunkt des Arbeitens mit der Gemeinschaft. Deswegen haben wir ein Umweltbildungszentrum und keinen klimatisierten Aufenthaltsraum“, sagt Vanderlei.

Umweltsanierung und Lebensqualität

Ein wichtiges Projekt von Onda Verde ist ein Wiederaufforstungsprogramm. Das Anpflanzen von Baumsetzlingen heimischer Arten hat wesentlich zur Sanierung der Flüsse wie den Ana Felícia beigetragen, der heute wieder sauberes Wasser führt, und für die Rückkehr der Fauna, die aus der Region verschwunden war. Darüber hinaus hat das Projekt den Anbau von Nahrungsmitteln wie Maniok, Bananen, Kürbis und Wassermelone möglich gemacht.

Von dem Baumsetzlingszentrum der Organisation werden die 100.000 Bäume geliefert, die jährlich gepflanzt werden. Von den zwölf Personen, die an dem Projekt mitarbeiten, stammen elf aus der Region, darunter der 48-jährige Benedito Gonçalves dos Santos und der 24-jährige Wallace Mendes Coelho. Für Santos kann man am Zustand der Wasserquellen die Verbesserung ablesen: „Fast alle Quellen waren schon am Versiegen und jetzt sprudeln sie wieder.“ Ein Ergebnis, das Folgen für die ganze Gemeinde hat. „Fast niemand sonst macht so was in der Baixada Fluminense. Niemand pflanzt hier Bäume“, bekräftigt Coelho, der bei Onda Verde seine erste richtige Anstellung bekommen hat.

Zentrum für Umweltstudien und Kreative Ökonomie

  • Zentrum für Umweltstudien und Kreative Ökonomie, Onda Verde. Foto: Alberto Veiga.
    Zentrum für Umweltstudien und Kreative Ökonomie, Onda Verde.
  • Praktikantinnen arbeiten beim Wiederaufforstungsprogramm der NRO Onda Verde in Nova Iguaçu, Rio de Janeiro. Foto: Alberto Veiga.
    Praktikantinnen arbeiten beim Wiederaufforstungsprogramm der NRO Onda Verde in Nova Iguaçu, Rio de Janeiro.
  • Zentrum für Umweltstudien und Kreative Ökonomie. Foto: Camila Coelho. Archiv Onda Verde.
    Zentrum für Umweltstudien und Kreative Ökonomie.
  • Umweltbildungszentrum. Foto: Irene Santos. Archiv Onda Verde.
    Umweltbildungszentrum.
  • Labor Onda Verde. Foto: Irene Santos. Archiv Onda Verde.
    Labor Onda Verde.
  • Unterricht für Kinder. Foto: Irene Santos. Archiv Onda Verde.
    Unterricht für Kinder.
Ein beständiges Anliegen Vanderleis ist es, die nachhaltige Nutzung der Gebäude von Onda verde voran zu treiben. 2015 ließ er das Centro de Estudos Ecológicos e Economia Criativa (Zentrum für Umweltstudien und Kreative Ökonomie) errichten. Genauso wie bei dem 1999 gebauten Centro de Educação Ambiental (Umweltbildungszentrum) wurde in die Gebäudewände Styropor eingesetzt – ein Wärmeisolator, der die Außentemperatur innen um neun Grad Celsius verringert. An einem so heißen Ort wie der Baixada Fluminense macht das einen großen Unterschied. Der neue aus Containern zusammengesetzte Bau besitzt ein System für die Regenwassergewinnung, eine Biogasanlage und Isolierfenster. Außerdem erzeugt er Wind- und Solarenergie. Der Energieüberschuss wird ins Stromnetz eingespeist und der entsprechende Wert anderen Stromkonten der Organisation gutgeschrieben.

Ein Haus „mit weiblicher Seele“

„Bei Onda Verde ist unser Hauptanliegen nicht, eine Frau zur Fotografin oder Kunsthandwerkerin auszubilden, sondern zur Bürgerin, also zu einer Frau, die sich ihrer ganzen Rechte bewusst ist“, beschreibt Vanderlei den Fokus der auf das weibliche Publikum ausgerichteten Angebote zur beruflichen Ausbildung. Im Ganzen haben schon 100 Jugendliche aus Nova Iguaçu und Umgebung an den neunmonatigen Kursen teilgenommen.

Tatiane Couto da Silva, 18 Jahre alt, und Lorena Silva Brandão, 19, wohnen beide in der Region. Von ihrem Zuhause zu den Unterrichtsräumen brauchen sie eineinhalb Stunden. Löchrige Straßen, langes Warten auf den öffentlichen Verkehr und Temperaturen von bis zu 40 Grad Celsius waren aber nie ein Hindernis. „Ich habe hier gemerkt, dass ich das Recht zu sprechen habe, dass ich etwas zu sagen habe“, erzählt Brandão. Die Kurse, die von selbständigen Experten aus verschiedenen Fachgebieten gegeben werden, fördern neue Denk- und Handlungsweisen. „Du änderst deinen eigenen Blick und deine Umwelt, dein Umfeld. Alles ist miteinander verbunden“, erklärt da Silva mit fester Stimme.

Hélio Vanderlei seinerseits hat die Idee einer besseren Welt nie aufgegeben – trotz der finanziellen Schwierigkeiten, die der Unterhalt der Organisation in den letzten Jahren mit sich brachte: „Bei Onda Verde verwandeln wir persönliche Träume in kollektive Träume und bauen etwas gemeinsam auf“, sagt er.