Future Perfect Yoga für Obdachlose in Rio de Janeiro

Yoga de Rua
Foto: Alberto Veiga

Eine Gruppe von Freiwilligen bietet Obdachlosen, die auf der Straße leben, ein Frühstück und regelmäßige Yogastunden. Ein Projekt, das den Teilnehmern Würde und Gleichgewicht bringen soll.

Eine Thermoskanne Kaffee und ein paar Brote, von drei Leuten auf einem Platz in Rio de Janeiro an Obdachlose verteilt, markierte vor 12 Jahren den Anfang des Projekts „Voar“. Im Lauf der Jahre schlossen sich weitere Menschen dem Projekt an, das Personen, die auf der Straße leben, ein Frühstück anbietet. Heute ernährt Voar bei jedem Treffen an die 300 Menschen. Später gingen die Organisatoren einen Schritt weiter und bieten über die tägliche Mahlzeit hinaus „Yoga auf der Straße“ an.

„Das Projekt Yoga auf der Straße entstand, um mit den Leuten, die das Frühstücksangebot wahrnehmen, mehr Zeit zu verbringen. Ich wollte diesen Moment länger mit den Freunden auf der Straße teilen. Mit Yoga schufen wir ein Verhältnisen Bezug, in dem wir alle gleich sind“, erklärt der Universitätsdozent André Andrade Pereira, Mentor der Initiativen „Voar“ und „Yoga de Rua“ in den Straßen Rio de Janeiros.

Den Druck von der Straße nehmen

Von zahlreichen Orten durch Bewohnerbeiräte und Behörden vertrieben, gelingt es der Gruppe derzeit an drei Tagen in der Woche regelmäßig die beiden Projekte anzubieten: montags, mittwochs und donnerstags an drei unterschiedlichen Orten der Stadt. Für Mônica Bretanha, Modedesignerin und eine der Gründerinnen von Voar, ist das Aufstehen um 3 Uhr früh, um das Frühstück vorzubereiten, zu einem Lebensinhalt geworden: „Es geht nicht nur um Materielles, es ist auch Liebe. Wir alle stimmen die Worte Gesundheit, Frieden und Glück an, um sie real werden zu lassen im Leben eines jeden der Teilnehmer“, sagt sie.

Zurzeit leben in Rio de Janeiro mehr als 14.000 Personen auf der Straße, eine Zahl, die sich von 2013 bis Januar 2017 verdreifacht hat. Viele sind erst neu hinzugekommen, weil sie ihre Arbeit verloren und ihre Miete nicht mehr zahlen konnten. So zum Beispiel Roberto Moreira da Silva, der vor zweieinhalb Jahren arbeitslos wurde und nun gezwungen ist, auf der Straße zu leben. Für ihn bedeutet Yoga, etwas von dem Druck abzulassen und das Leiden zu lindern: „Es erneuert. Man befreit sich von viel Schlechtem. Die Straße ist immer Spannung, ob man draußen lebt oder nicht. Yoga hilft uns, uns wieder aufzurichten“, stellt er fest.

Körperbewusstsein

 
  • Yoga de Rua Foto: Alberto Veiga
  • Yoga de Rua Foto: Alberto Veiga
  • Yoga de Rua Foto: Alberto Veiga
  • Yoga de Rua Foto: Alberto Veiga
  • Yoga de Rua Foto: Alberto Veiga
  • Yoga de Rua Foto: Alberto Veiga
  • Yoga de Rua Foto: Alberto Veiga
  • Yoga de Rua Foto: Alberto Veiga
  • Yoga de Rua Goethe-Institut Brasilien
  • Yoga de Rua Foto: Alberto Veiga
  • Yoga de Rua Foto: Alberto Veiga
Für einige Teilnehmer ist dies einer der wenigen Momente des Tages, an denen sie sich als Bürger empfinden: „Es wird uns nicht helfen, von der Straße zu kommen, aber es beruhigt den Geist. Das Leben hier ist sehr schwierig, und man regt sich schnell auf“, berichtet Marcelo Pereira, der seit er neun Jahre alt ist und seit 13 Jahren auf der Straße lebt. Er besuchte nie eine Schule, lernte mit Verkehrsschildern lesen und sagt, dass schlimmer noch als der Hunger die Vorurteile seien: „Hunger peinigt, aber die Vorurteile der Gesellschaft, die schmerzen noch mehr.“ In dieser Hinsicht hilft der Sport den Teilnehmern, ihre Würde wiederzuerlangen.

Zurzeit leben in Rio de Janeiro mehr als 14.000 Personen auf der Straße, eine Zahl, die sich von 2013 bis Januar 2017 verdreifacht hat. Viele sind erst neu hinzugekommen, weil sie ihre Arbeit verloren und ihre Miete nicht mehr zahlen konnten. So zum Beispiel Roberto Moreira da Silva, der vor zweieinhalb Jahren arbeitslos wurde und nun gezwungen ist, auf der Straße zu leben. Für ihn bedeutet Yoga, etwas von dem Druck abzulassen und das Leiden zu lindern: „Es erneuert. Man befreit sich von viel Schlechtem. Die Straße ist immer Spannung, ob man draußen lebt oder nicht. Yoga hilft uns, uns wieder aufzurichten“, stellt er fest.

Für die „im Wohnzimmer“ wenig, doch viel für die „auf der Straße“

Von den Obdachlosen, die sich bei dem Projekt Frühstück holen, bleiben nicht alle zur anschließenden Yogastunde. Um die 10 Straßenbewohner sind es täglich. Von diesen jedoch nehmen einige regelmäßig teil, gehen zwei oder gar drei Mal, an den unterschiedlichen Orten, zum Yoga: „Ich mache montags und mittwochs mit. Ich komme nicht nur wegen des Essens. Ich gehe hier immer gelassen heraus. Der Kopf ist danach ein anderer“, beschreibt es Elson da Silva, 62 Jahre alt und seit fünf Jahren auf der Straße, seit er seine Arbeit in einem Supermarkt verlor.

Eineinhalb Stunden Yoga nach einem reichhaltigen Frühstück weckt Körper und Geist. Eine Drehung hier, ein Dehnen Strecken dort, Meditation, Entspannung am Ende und Mittagessen sind die Aktivitäten der Gruppe. Was als wenig für jene erschient, die „im Wohnzimmer“ leben (wie es die Obdachlosen über die sagen, die Wohnung haben), kann jenen den Tag retten, die nicht nur täglich ums Überleben kämpfen, sondern auch darum, überhaupt als Menschen wahrgenommen zu werden: „Ich weiß, dass mein Nachmittag heute besser sein wird und habe Hoffnung auf etwas Positives, und ich bin sicher, dass es jetzt besser als vorher ist“, fasst Roberto Moreira da Silva in der Gesprächsrunde im Anschluss zusammen.