Arqueologia Viva
Goethe na Vila

Arqueologia Viva

Ausgehend von der Digitalisierung persönlicher Gegenstände will das Projekt vergessene Anekdoten wieder in Erinnerung rufen, die über die offizielle Geschichte von Vila Itororó hinausgehen. Das Publikum wird eingeladen, sich Gedanken darüber zu machen, wie wir Zugang zu dieser Vergangenheit gewonnen und die Präsenz des Individuums in der Geschichte herausgearbeitet haben.

Vila Itororó ist nicht nur eine offene Baustelle, sondern auch eine außergewöhnlich lebendige Ruine. Es ist ein Ort, der gleichzeitig als Spur der Vergangenheit und als Projekt der Zukunft existiert, in der Schwebe zwischen dem Öffentlichen und dem Privaten.
 
Das Projekt Arqueologia Viva [„Lebendige Archäologie“] will diesen Schwebezustand nutzen, um zu untersuchen, wie sich ein gemeinsames Erbe im Materiellen, im Politischen und im Affektiven zeigen kann. Das Projekt nutzt 3-D-Scanner, um Artefakte der ehemaligen Bewohner und der heutigen Besucher von Vila Itororó Canteiro Aberto [„Vila Itororó – offene Baustelle“] zu registrieren und so ein digitales Archiv persönlicher Gegenstände zu erstellen. Im Laufe des Prozesses sollen auch Stellungnahmen gesammelt werden, die einen Kontrast bilden zur offiziellen Geschichte des Ortes.
 
Das Material wird online zur Verfügung gestellt, um diese Geschichten bekannt zu machen und zu weiteren Erzählungen zu ermutigen. So will das Projekt der rein ästhetischen Faszination der vorhandenen Spuren widerstehen und ihre affektiven Dimensionen ausloten; es arbeitet dabei mit einer „kleineren“ und möglicherweise derivativen Archäologie.
 
Der verstärkte Einsatz von 3-D-Scannern bietet zwar klare Vorteile in der Wahrung des Erbes, schafft aber auch neue Hindernisse, wenn es darum geht, historische Repräsentativität zu verhandeln. Die Konzentration dieses Wissens in den Händen einiger weniger Institutionen stärkt deren Macht in der Definition von Hierarchien kultureller Werte. Arqueologia Viva will die Digitalisierungsmethoden verbreiten und damit die Kontrolle unterminieren, die diese Institutionen über die Geschichte der Vergangenheit haben. Stattdessen will das Projekt aufzeigen, welche Kraft die Technologie hat in der Erstellung von gemischten Archiven, die den lebendigen Bedingungen eines Ortes wie Vila Itororó gerecht werden.

Daten

Konzept und Koordination: Gabriel Menotti
Produktion: Ventania
 
Biographien
 
Gabriel Menotti erforscht und fördert unterschiedliche Kinoformen. Er hat am Goldsmiths College und an der PUC-SP promoviert. Er ist außerdem an der UFES (Bundesuniversität in Espírito Santo) Dozent für Kommunikation und im Postgraduiertenstudiengang Kommunikation und Territorialität. Er koordiniert das Forschungsnetzwerk Besides the Screen, das sich mit der Materialität und der Bewegung von Bildern beschäftigt.