Erfahren Sie, welche Projekte Goethe na Vila 2018 beherbergt

Goethe na Vila 2018

Zum Ende eines erfolgreichen Jahres wählt „Goethe na Vila“, von den Kunstschaffenden selbst geleiteter Raum für Kulturprojekte in der Stadt São Paulo, acht neue Projekte aus, die in das Haus 8 der Vila Itororó in Bela Vista einziehen werden.

Im Anschluss an einen öffentlichen Aufruf wurden annähernd 150 Arbeiten aus allen Teilen der Welt eingereicht. Dabei handelt es sich um Kulturangebote aus den unterschiedlichsten Bereichen, die alle Themen wie Strategien für den öffentlichen Raum, Schichtung der Stadt, das Verhältnis Zentrum-Peripherie und Gentrifizierung ansprechen und problematisieren. Das Projekt „Goethe na Vila“ ist Teil einer internationalen Expertise des Goethe-Instituts, zu der auch andere Projekträume wie Goethe on Main in Johannesburg und  Ludlow 38 in New York gehören. Sein Beitrag zur öffentlichen Baustelle Canteiro Aberto der Vila Itororó, einem Projekt des städtischen Kultursekretariats in Partnerschaft mit dem Instituto Pedra, hat zum Ziel, die Beteiligung von interessierten Einzelpersonen und Kollektiven an diesem Projekt in den unterschiedlichsten Bereichen zu intensivieren.
 
Der Aufruf galt Projekten, die eine Dynamisierung und experimentelle Nutzung dieses Raums anstreben. Die ausgewählten Projekte sollten den Vorgaben entsprechend mindestens eine kostenlose öffentliche Veranstaltung anbieten, welche die Öffentlichkeit bewegt, den Raum Goethe na Vila und die öffentliche Baustelle in der Vila Itororó zu besuchen. 
 
Nach einer ersten Sichtung wählte die Jury bestehend aus Rafael Gomes (Mano Money’s), der 2017 mit dem Projekt Home Lab. bei Goethe na Vila zu Gast war, Áurea Vieira, Leiterin internationale Beziehungen des SESC-SP, Tomas Alvim, Herausgeber, Mitbegründer des Arq.Futuro und Teilhaber des Verlags BEĨ Editora, Joana Zatz Mussi, Gründerin und Mitglied der Künstlerkollektive Grupo Contrafilé und Política do Impossível, Luiz Fernando de Almeida, Architekt und Leiter des Instituto Pedra, Jurandy Valença, Koordinator für Kulturzentren und Theater des Secretaria Municipal de Cultura de São Paulo sowie Katharina von Ruckteschell-Katte, Leiterin des Goethe-Instituts São Paulo und Regionaldirektorin Südamerika, die Finalisten.

Ein thematischer Ausschnitt zeigt, dass es sich dabei um Projekte handelt, die sich nicht nur mit menschlichen Beziehungen als in diesem speziellen Raum entstandene Erfahrung beschäftigen, sondern sich darüber hinaus auch Gedanken zur Stadt bzw. zum Gefühl von Urbanität machen. Goethe na Vila entwickelt sich zu einem Instrument, das beobachtet, wie der Raum eine allgemeine und umfassende Dynamik entwickelt und wie globale und lokale Welten sich kreuzen und die Bewohner der Stadt beeinflussen.
 
Die acht ausgewählten Projekte verteilen sich ab Februar über das gesamte Jahr 2018 und dauern jeweils einen Monat. Alle Beiträge sind für die Öffentlichkeit zugänglich. 
 

Ausgewählte Projekte Goethe na Vila 2018

Vom 19. Februar bis 20.März 2018
 

Das Projekt möchte einen Kreis schaffen, der den Austausch zwischen den Künstlern aus der Peripherie in der Vila de Itororó und den Ateliês Abertos (Literatur-, Gedicht, Holzstich-, Zine- und Theaterwerkstätten) fördert. Die während des Projekts entwickelten Inhalte werden in einer Spezialausgabe des Sarau de Cordas präsentiert. So soll den Teilnehmern die Möglichkeit geboten werden, sich selbst zum Ausdruck zu bringen.
www.facebook.com\casaeoativa
 
Vom 26. März bis 24. April 2018
 

Was verraten uns die in einem von so vielen Veränderungen geprägten Umfeld vorhandenen Pflanzen bzw. Pflanzengattungen über Umweltbeziehungen, emotionale Bindung und Widerstand? Das Projekt erstellt eine Bestandsaufnahme der heutigen Vegetation in der Vila Itororó, um anhand dieser Pflanzen im Wandel der Zeiten die Geschichte der Vila zu erzählen. Zunächst sollen im Rahmen von Workshops gemeinsam die unterschiedlichen Pflanzenarten und die wichtigsten Wasserwege lokalisiert und auf einer Karte abgebildet werden. Anschließend wird ein Herbarium zur Identifizierung der Pflanzen geschaffen, das die konventionellen wissenschaftlichen Standards extrapoliert, um Daten zur Verwendung in der Küche, Interaktion mit der Fauna oder emotionalen Bindung zu sammeln. In einer für die Öffentlichkeit zugänglichen Werkstatt werden die Pflanzen als künstlerisches Material für Collagen, Fotokopien, Frottage, Zeichnungen usw. verwendet. Im Anschluss findet eine Gesprächsrunde statt und die entstandenen Arbeiten werden gemeinsam mit Dokumenten aus der Sammlung der Vila Itororó ausgestellt. 
Vom 30. April bis 29. Mai 2018
 

Eine Dauer-Performance, die während des Projektzeitraums jeden Tag zu den öffentlichen Besuchszeiten gezeigt wird. Sie ist von der Aporie der Zeit nach Augustinus inspiriert und untersucht die Beziehung von Zeit, Gegenwart, Geschichte, Erinnerung, Erwartung und der „Ausdehnung des Geistes“ (Distentio Anime). Dazu werden Ziegel aus Gips hergestellt und daraus ein Labyrinth im Innen- und Außenbereich von Haus 8 erschaffen. Das Labyrinth wird über den gesamten Zeitraum des Projekts entsprechend der Erfahrungen des Künstlers auf-, ab- und umgebaut.
fernandoribeiro.art.br
Vom 4. Juni bis 3.Juli 2018
 
Der Künstler Luciano Favaro fügt im Rahmen von drei für die Öffentlichkeit zugänglichen Workshops den Holzschnitt (Xylogravur) in den Kontext der Vila Itororó ein. Diese Workshops finden an den ersten drei Samstagen des Projekts statt. Die Teilnehmer verwenden Holz, das sie in der Vila Itororó gefunden haben, als Druckstock. Die darin eingeschnitzten Bilder, die dann gedruckt werden sollen, entstehen aus Zeichnungen, die Sie selbst nach ihren eigenen, vor Ort gemachten Beobachtungen angefertigt haben. Zum Abschluss werden die Druckstöcke sowie die hergestellten Drucke in einer öffentlichen Ausstellung präsentiert.
Vom 9. Juli bis 7. August 2018
 
Seit 15 Jahren findet sonntags auf dem Praça Kantuta in Canindé, gemeinsames Wahrzeichen der bolivianischen Gemeinschaft der Stadt, ein beliebter Markt mit Musik, gastronomischem Angebot und Kunsthandwerk statt. Das Projekt „Praça Kantuta expandida"  weitet diese kulturellen Aktivitäten auf das Haus 8 der Vila Itororó aus und trägt so zur Anerkennung der bolivianischen Gemeinschaft als integraler Bestandteil der Bevölkerung von São Paulo bei. Zu den vorgeschlagenen Aktivitäten gehören Spiele rund um die in Bolivien und Brasilien gesprochenen Sprachen, Fotoprojekte, Geschichtenerzählen für bolivianische und brasilianische Kinder, Musik und Tanz. Es ist zudem geplant, eine Tafel mit dem Titel „Olhar da Mídia“ (Blick der Medien) zu installieren, die Ausschnitte aus der brasilianischen Presse zu Bolivien zeigt.
Vom 13. August bis 11. September 2018
 

Einen Monat lang ist ein Radio Pop-up bei Goethe na Vila zu Gast. Ziel ist es, anhand von Interviews, Live-Gesprächen und Aktionen in der Umgebung der Vila Itororó die reiche, mündlich überlieferte Geschichte und die komplexen Probleme von Bixiga zu umreißen. Im Haus 8 treffen Experten (Historiker, Architekten, Künstler usw.) auf Mitglieder der örtlichen Gemeinschaft. Die dabei produzierten Inhalte werden zeitgleich im UKW-Radio und online übertragen.
Vom 17. September bis 16. Oktober 2018
 

Der Begriff Phonosophie wurde 1673 vom Geologen, Musiktheoretiker und Theologen Athanasius Kircher geprägt, der den Einfluss der Musik auf den Menschen und die Ausbreitung des Schalls studierte. Dieser Begriff inspirierte die Künstlerin Camila Sposati zu so genannten PIOs (Phonosophia instrumentosórgãos, also Phonosophie-Instrumentenorgane). Das sind Objekte aus schwarzem, weißem und rotem Ton, deren Formen an alte Instrumente wie Schlaginstrumente, Trompete oder Kornett sowie an die Organe des menschlichen Körpers, die mit dem Taktgefühl und dem Gehör in Verbindung stehen, erinnern. Neben der Ausstellung der PIOs gibt es Workshops, in denen mit diesen Musik gemacht und komponiert werden kann. Die gemeinsamen experimentellen Kompositionen der Teilnehmer werden während öffentlicher Proben im Raum Goethe na Vila präsentiert.
www.camilasposati.com
Vom 22. Oktober bis 20. November 2018
 
Die in Berlin beheimatete italienische Künstlerin interessiert sich für urbane Zwischenräume und deren Potenzial und geht vor diesem Hintergrund gemeinsam mit den Stadtbeobachtern und Künstlern von Spoken Word auf eine Entdeckungsreise in der Region Bela Vista. Sie sammeln anhand von Fotos und Texten Beobachtungen und schaffen ein gemeinsames Werk, das das städtische Umfeld der Vila Itororó abbildet und im Rahmen einer Veranstaltung in Form von Projektionen, Poetry Slam und Performances präsentiert wird.
www.irinanovarese.de