The Power of Printmaking

The Power of Printmaking - Selo
© Carlos Scliar

Ausstellungen, Künstlerresidenzen, Workshops, Publikationen und die Schaffung eines internationalen Netzwerks.

„Wir leben inmitten einer Kultur, in der die Reproduktionsprozesse längst die Oberhand über die Produktionsprozesse gewonnen haben.“ (Boris Groys)

In Zeiten ökonomischer Krisen fällt reproduzierbarer Kunst wie der Druckgrafik eine besondere Rolle zu. Sie hatte immer schon stärkere Bezüge zum Sozialen und Politischen und war demokratischer als andere bildende Künste.

Die künstlerische Druckgrafik, die über Jahrhunderte sowohl das Bild von Südamerika in Europa als auch das von Europa in Südamerika geprägt hatte und die in fast allen Ländern Lateinamerikas und in Deutschland am Ende der sechziger und zu Beginn der siebziger Jahre eine Blütezeit hatte, erlebt aktuell eine Renaissance.
 
Das Projekt The Power of Printmaking reagiert darauf, indem es den internationalen Austausch zwischen den Künstlern fördert und ein Netzwerk zwischen Ländern in Südamerika und mit Europa knüpft. Dass die Initiative von Porto Alegre ausgeht, ist kein Zufall. Von hier ging in den fünfziger Jahren mit der Gründung der Künstlergruppe “Clube de Gravura“ ein entscheidender Impuls mit internationaler Strahlkraft aus. Nach dem Vorbild der Druckclubs in Mexiko und Rio Grande do Sul wurden Druckclubs in Montevideo und Lissabon gegründet. Sie waren Modelle gemeinsamen Arbeitens, die auch heute wieder für viele Künstler attraktiv sind. Es gibt hunderte von Druckateliers in Asunción, Berlin, Bogotá, Buenos Aires, Lissabon, Montevideo, Porto Alegre und São Paulo, in denen etablierte wie Nachwuchskuenstler mit Farbe und Material experimentieren und eine „Symbiose von Kunst und Handwerk“ (Rolf Kuelz-Mackenzie) produzieren.
 
Die Druckgrafik war die erste massenhaft reproduzierbare Kunst. Das Dreigestirn Luther, Dürer und Gutenberg hat die revolutionäre Bedeutung der Druckpresse erstmals zu nutzen gewusst. Damit schufen sie die Matrix für eine Diskussion, die heute erneut geführt wird. „The Power of Printmaking“ ist ein Beitrag zu dieser Diskussion, die im Zeitalter des Digitalen aktueller ist denn je. Denn „wir sind längst von allen Seiten von Kopien umgeben, unser Denken und unsere Imagination sind von der Reproduktion kultureller Klischees bestimmt – und unsere Körper werden wahrscheinlich auch bald kloniert werden“ (Boris Groys) 

Veranstaltungen, die 2016 im Rahmen von „The Power of Printmaking“ stattgefunden haben: 

 
  • Das 500jährige Jubiläum von Dürers Holzschnitt „Rhinozerus 1515“ war der Anlass für eine Ausstellung in der Galerie des Goethe-Instituts mit dem Titel „Wandeln zwischen Druckgrafik und Nashörnern“.  Die Ausstellung zeigte Werke von 18 Künstlern aus Argentinien, Brasilien, Deutschland, Spanien und den USA sowie von Mitgliedern der Druckgrafik-Gruppe der Kunstakademie, die sich unter Verwendung unterschiedlicher Drucktechniken mit Dürers Holzschnitt auseinandergesetzt haben. Begleitend fand ein zweitägiges internationales Seminar statt, das sich dem Thema aus ganz verschiedenen Perspektiven angenähert hat. Die Ausstellung tourt derzeit durch Südamerika. Der deutsch-portugiesische Katalog mit den Vorträgen und Fotos der künstlerischen Arbeiten erscheint im November.