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Arbeiterinnen kommen auch ins Paradies

Arbeiterinnen kommen auch ins Paradies

Von Gabriel Araújo

Die eiserne Uhr im Waschraum zeigt die Zeit der Pause in einem Betrieb in São Paulo an. In der Eröffnung von Chão de fábrica/ Fabrikanlage (2021), einem Film von Nina Kopko, gibt eine Radiosendung den Aufführungstermin an: 12. März 1979, einen Tag vor Beginn des Metallarbeiterstreiks im ABC Paulista. Der Kurzfilm nutzt dieses Motiv, um eine mögliche Perspektive derer zu fiktionalisieren, die in den Geschichten dieser Zeit selten als Hauptfiguren auftauchen, und porträtiert die Wünsche und Ideen von vier Arbeiterinnen, die gewissermaßen eine revolutionäre Arbeiterklasse bilden.

Im Film dient der gemeinsame Umkleideraum der Frauen als Theaterbühne — der Vergleich ist nicht umsonst, denn der Kurzfilm selbst ist von Sérgio de Carvalhos Stück O pão e a pedra (Das Brot und der Stein) inspiriert. Der Umkleideraum ist möglicherweise einer der wenigen Orte in der Fabrik, die als sichere Orte verstanden werden, fernab von Belästigungen durch Chefs und andere Arbeiter: dort essen sie zu Mittag, unterhalten sich, kämpfen und schöpfen Hoffnung. Männer treten weder dort noch in den Film ein. Wenn sie auftauchen, sind sie ausserhalb des Bildes — Stimmen, die manchmal den Streik planen, der die damalige Diktatur herausfordern würde, manchmal die unbequeme Melodie dieses lauten Heiligtums brechen. In diesem intimen Raum, mitten in der Hitze des Spätsommers, heißt es den Overall aufzuknöpfen, Arme und Rücken mit Wasser zu bespritzen, Nagellack aufzutragen und Frivolitäten (sieht Lula gut aus oder nicht?) mit intensiveren Diskussionen zu verschmelzen, wie z. B. Frauen bei Demonstrationen und was sie zu verlieren haben, wenn sie sich aktiv am Arbeitskampf beteiligen. Auf diese Weise baut Nina einen Widerstand auf, der auf unterschiedlichen Perspektiven über Weiblichkeit basiert und Persönlichkeiten artikuliert, die mit unterschiedlichen Positionen zum Thema beitragen.

Die Idee der Dramaturgie hilft, die Atmosphäre des Werkes zu enthüllen, und das Hörspiel, dass eine der Figuren, Joana, erzählt, trägt zum Aufbau dieser Atmosphäre bei. Die Erzählung folgt dem klassischen Soundtrack, der auf Intervalle der Vorstellung hindeutet, und veranlasst, dass man die Idee der Vergangenheit aufgibt und lieber die portugiesische verbale Zeitform Präteritum Futur ausübt, diese verbale Zeitform, die so ungewiss, aber so voller Möglichkeiten ist. Indem der Kurzfilm die Zukunft dieser Figuren präsentiert und darüber fabuliert, was in den nächsten vierzig Jahren passieren würde, bringt er nicht nur die Hauptfiguren der Gegenwart näher, sondern verbindet auch die Enden einer Zukunft, die diese Menschen mitgestaltet haben. Eine Zukunft, in der ein Arbeiter Präsident eines Landes werden könnte, das ständig darum kämpft, seinen Ruinen zu entkommen.

Vielleicht hat sich die Filmemacherin deshalb am Ende dazu entschieden, die VHS-Ästhetik, mit der sie einen Großteil ihrer Erzählung aufzeichnet, aufzugeben, um die Digitalkamera zu nehmen, den Rahmen zu öffnen und in High Definition aufzunehmen, was von diesen Fabriken übrig geblieben ist: Trümmer, verlasse Geräte, leere Räume. Denn im Gegensatz zu dem, was mit den Frauen passiert ist, jede weiterhin auf ihre Weise prosperiert, besteht Nina darauf, abzugrenzen, dass der Raum, der sie begrenzte, einfach in der Zeit eingefroren war: ein Porträt eines Kapitalismus, der zum Zusammenbruch verurteilt ist.

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