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Umgekehrter Spiegel

Colmeia

Von Manu Zilveti

Colmeia / Bienenstock (Maurício Chades, 2021) ist konstruiert und geprägt von einem ständigen Gefühl, das alles falsch ausgerichtet ist; Huris gewalttätige Darstellung wird von ihrer ruhigen Stimme aufrichtig erzählt. Das Gespräch der Figur mit Maurício, das in der Szene spontan aussieht, wird tatsächlich einstudiert. Sie sagt, dass dies das erste Mal ist, dass sie ihr Verbrechen erzählen wird, aber auf die Art und Weise, wie sie spricht, mit Verben im Präteritum wie jemand, der einen Traum erzählt, provoziert es das Gefühl, dass die Ereignisse ihres Lebens eine Fabel sind, die bereits mehrmals wiederholt wurde.

Diese Gegensätze sind auch im Bild angedeutet: Vor einem See sitzend, wird Huri von einem Reflektor erleuchtet, der das Licht des Wassers auf ihrer Haut reflektiert. Die Ungezwungenheit ihres Gesprächs mit Maurício kontrastiert mit der minutiösen Konstruktion des Fotos, die die Figur zentriert auf dem Bildschirm platziert, als sie frontal in die Kamera schaut und ein symmetrisches Bild zeichnet. Diesen Widersprüchen geht der Film nach – er ist irgendwie ein Kontinuum von diesen Unvereinbarkeiten.

Die Entfaltung dieser Spiegelungen und Unstetigkeiten liegt auch in der Hauptfigur: in Huri leben die Geschichte und Fragmente von Pâmela, gegensätzliche Elemente, die denselben Körper einnehmen. Ihre Vergangenheit wiederholt sich und stolpert in ihre Gegenwart. Pâmela hatte einen Mord begangen, um sich vor Missbrauch zu schützen und wird auch in ihrer Buße missbraucht. Spiegelungen, die sich reproduzieren und divergieren, wie ein Spiegel, der auf der anderen Seite ein ähnliches und paradoxerweise umgekehrtes Bild zeigt.

Als Huri ihre Geschichte beendet, wechselt der Film zu anderen Bildern, lokalisiert den See, der sie umgibt; wie in einem Abschiedsritual wirft Huri Pâmelas Nägel ins Wasser – jetzt ist sie Teil des Flusses. Ihre Vergangenheit gehört ihr nicht mehr, sie ist Teil einer kollektiven sozialen Ungerechtigkeit, in ihrer Brieflektüre geht die Welt unter und für die Geburt einer neuen müssen wir alle wieder durchdrehen, sonst fällt uns der Himmel auf den Kopf.

In seinen letzten Momenten brechen Feuerexplosionen aus dem stillen Wasser des Flusses aus und die gesamte naturalistische Inszenierung wird durch Computergraphik aufgebrochen. Das Träumerische übernimmt die Szene: Huri träumt, dass das Wasser zur Zerstörung führt und projiziert wie das CGI-Feuer Explosionen in einer gleichgültigen und desinteressierten Welt, der die Schmerzen ganz egal ist und die ihren Lauf weiter nimmt. Häuser gehen in Flammen auf, aber brennen nicht. Morgen werden sie stehen, als wären sie nie von den Flammen berührt worden.

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