Schnelleinstieg:

Direkt zum Inhalt springen (Alt 1) Direkt zur Hauptnavigation springen (Alt 2)

Ein unsichtbarer Krieg um die Zukunft anderer

Os Primeiros Soldados

Von Dri Tinoco

In der Eröffnungssequenz von Os Primeiros Soldados (Die ersten Soldaten) von Rodrigo de Oliveira ist Suzano (Johnny Massaro) ein hungriger Soldat, der versucht zu überleben. Entgegen dem, was der Titel zunächst vermuten lässt, thematisiert der Film keine Konflikte zwischen Nationen oder Bürgerkriege. Es handelt sich eher um einen persönlichen Krieg, von dem die Hauptfigur weiß, dass er verloren ist.

Os Primeiros Soldados handelt von drei Menschen, die sich Mitte der 1980er Jahre mit dem HIV-positiv-Sein auseinandersetzen. Suzano ist ein Biologe, der nach seinem Leben in Frankreich nach Brasilien zurückkehrt; Rose (Renata Carvalho), eine transsexuelle Künstlerin; und Humberto (Vitor Camilo), ein Videomacher, der gerade ein Video über sie produziert. Im ersten Teil des Films ist der Jahreswechsel und jeder geht auf seine Weise mit der Krankheit um. Suzano beschließt, sich zu isolieren, obwohl er eine liebevolle Schwester (Clara Choveaux) und einen liebevollen Neffen (Alex Bonini) hat; trotz ihrer eigenen Traurigkeit singt Rose, um den Gästen des queeren Nachklubs, in dem sie auftritt, zuzujubeln und etwas Hoffnung zu geben; Humberto dagegen beginnt eine Beziehung. Gemeinsam ist ihre Entscheidung, AIDS vor Familie, Freunden und Partnern zu verbergen.

Im zweiten Teil fehlen uns die drei. Suzano, Rose und Humberto geben ihr Leben auf und isolieren sich, um experimentelle Medikamente zur Behandlung von AIDS zu testen, in der Hoffnung, eine Heilung zu finden oder zumindest den Prozess des Zerfalls ihres Körpers zu verlangsamen. Die Entscheidung, sich aus der Welt zurückzuziehen, mag seltsam klingen, aber diese Figuren waren bereits zuvor im Exil. Verbannt aus Angst und Vorurteilen, die die Infizierten stigmatisieren, und auch durch den Mangel öffentlicher Maßnahmen, die sie unterstützen. Tatsächlich hebt der Film hervor, wie tabuisiert AIDS war, indem man verhindert, dass die Krankheit für den größten Teil des Films benannt wird.

Es gibt eine gewisse Enthaltsamkeit in Oliveiras Regie, die viele statische Einstellungen verwendet, sei es mit Rose, die Suzano tröstet oder die Untersuchung des Flecks auf Humbertos Fußsohle. Die nüchterne Tönung liegt auch in den Dialogen und Performances, die verhindern, dass der Film den Weg des Melodrams einschlägt; stattdessen entscheidet er sich für eine besinnliche Distanz.

Am Ende wissen Suzano, Rose und Humberto, dass die Möglichkeit, den Tod zu vermeiden, gering ist. Also warten sie lieber auf das Ende unter denen, die ihren Schmerz teilen. Sie sind Opfer eines unsichtbaren Krieges. Ein Krieg um das Leben, um die Zukunft. Allerdings nicht die Zukunft dieses Trios, sondern einer anderen LGBTQIA+-Generation, die möglicherweise die Chance hat, alt zu werden und den von diesen „Soldaten“ begonnenen Kampf fortzusetzen. Rose sagt: „Sie haben versucht, uns zu töten, seitdem die Welt die Welt ist, und das tun sie. Und was wir tun, ist, zu überleben, indem wir schön sind.“

Top