Talent Press Das phantastische echte Brasilien

As Boas Maneiras
As Boas Maneiras | Pressefoto / Festival do Rio

Ausgehend von Volksmythologie wie der Welt der Werwölfe ist As Boas Maneiras ein Versuch über menschliche Beziehungen.

As Boas Maneiras von Juliana Rojas und Marcos Dutra greift auf das Fantastische zurück, um über Brasilien und über Gefühle zu sprechen. Während er mit dem Bild des Werwolfs arbeitet, einer für die brasilianische Folklore so wichtigen Figur, sieht man auf einer gleichzeitigen Ebene einen Film, der sich bemüht, die Beziehungen zwischen Menschen und emotionale Nuancen einer von der Popkultur beeinflussten Generation zu begreifen.

Obwohl nahe am Horrorfilm, entzieht sich der Film den Konventionen des Genres beispielsweise in der Darstellung des Weiblichen. Die Erzählung verweigert sich männlicher Vorherrschaft. Das paternalistische Brasilien wird unterdrückt und macht einem „Mutterland“ Platz. Auf der Leinwand sind die Frauen Protagonistinnen ihrer Geschichten und „selbsterfüllend“.

Die Protagonistinnen in As Boas Maneiras, eine schwarze Hausangestellte und eine weiße Hausherrin, entsprechen dem sozialen und historischen Kontext Brasiliens. Doch der Film behandelt ihr Verhältnis in einer Weise, dass diese Frauen den Darstellungsraum übertreten. Clara ist schwarz und leidet zunächst unter den sich ihr bietenden Verhältnissen fehlender Gelegenheiten. Ana ist weiß, Tochter eines Grundbesitzers, doch sie muss sich nach São Paulo zurückziehen, weil die Eltern ihre Schwangerschaft nicht akzeptieren. An ihrem jeweiligen Schmerz orientiert sich die Erzählung; es scheint ihre Gemeinschaft so voller Zuneigung zu sein, die es ihnen erlaubt durch so viele Unannehmlichkeiten im Leben zu gehen.

Was aber As Boas Maneiras besonders originell macht, ist, dass all diese intimen und affektiven Fragen vom volkstümlichen Genre des Schreckens aus behandelt werden, von einer Legende, die im Landesinneren Brasiliens und im Sertão stark präsent ist: der Legende vom Werwolf. Juliana und Marco vermeiden jedoch eine heitere Lesart. Im Gegenteil, sie nutzen die volkstümliche Vorstellungswelt, um einen Film zu drehen, der kulturelle Pluralität transportiert und mehr noch als das, eine soziale und menschliche Vielschichtigkeit.