Talent Press Eine Frau gegen die Maschine

  Uma Criatura Gentil
Uma Criatura Gentil | Pressefoto / Festival do Rio

Die Sanfte von Sergei Loznitsa enthüllt den Weg einer Figur durch kafkaeske Ereignisse.
Text von Alexandra João Martins
 

Was können totalitäre Staaten? Basierend auf der gleichnamigen Erzählung von Fjodor Dostojewski bringt Die Sanfte von Sergej Loznitsa die Geschichte einer Frau auf die Leinwand, die sich auf der ewigen Suche nach ihrem vom Regime gefangen gehaltenen Mann im Verlauf dieser, wie wir sehen werden, vergeblichen Mission mit vielfältigen Hindernissen konfrontiert sieht. Diese Unmöglichkeit einer Frau (und nicht der Frau), die von der Gemeinschaft abgelehnt wird, ist nur eine der Fragen, die der ukrainische Filmemacher aufwirft.

Die Kunstgeschichte (einschließlich Literatur, Musik, Film und Theater) wird von dem Regisseur meisterhaft aufgerufen und durchdringt die Plastizität des Films, angefangen bereits bei der freien Adaptation der literarischen Vorlage. Das wird deutlich in dem apokalyptischen Abend und dem an Tarkowski erinnernden Sumpflandszenario, dem lebenden Gemälde einer Frau bei der Hausarbeit im Licht der flämischen Malerei sowie den traditionellen sowjetischen Gesängen (aber auch in der Oper). Die Tragödie wird durch die fast ununterbrochene Anwesenheit des Chors - die meisten Protagonisten haben nicht einmal Namen - vorweggenommen und aufgelöst in der Off-Vertonung und in den Plansequenzen, sehr exemplarisch im Zug und im Gefängnis.

So wie in Im Nebel, überschattet der Krieg, oder hier seine ständige Möglichkeit (es wird von Nuklearwaffen gesprochen und von den USA), diese verfallene Gefängnisstadt, deren Stadtplan von kommunistischen Ideologen gezeichnet zu sein scheint und in der die Vorstellung von Gerechtigkeit einer Moral nicht zu begegnen scheint. „Warum ist er ins Gefängnis gekommen? Für nichts. Wofür wurde er verurteilt? Mord.“ Loznitsa legt über die - zynischen, perversen, sich als Teil des Getriebes verstehenden - Individuen, die der Frau auf ihrem Weg begegnen und ihre Suche ohne ersichtlichen Grund in kafkaesken Vorgängen erschweren, den totalitären Staatsapparat frei und deutet an, dass dieser sich erst vollständig entfaltet, wenn er sich auf persönlicher und alltäglicher Ebene einrichtet, wobei nur in kleinen Andeutungen (ein modernes Auto im Hintergrund beispielsweise) eine Analogie zum heutigen Russland hergestellt wird.