Talent Press Verwechslungskomödie, New Hollywood Style

Bom Comportamento
Bom Comportamento | Pressefoto / Festival do Rio

Die Brüder Safdie drehen einen Ganovenfilm mit starken, menschlichen Protagonisten.
Text von Felipe André Silva
 

Good Time, der vierte Spielfilm der nordamerikanischen Brüder Ben und Josh Safdie, ist eine Fortführung ihrer filmischen Arbeit innerhalb eines visuellen, sozialen und affektiven Bezugs auf New Hollywood, einer Bewegung, die Spannung und Grausamkeit in die nordamerikanische Produktion der 1970er Jahre einführte. Während die ersten zwei Filme des Duos noch die Handschrift der Nachfolge von Cassavetes trugen, ist Good Time der zweite Film in einer weiteren Tradition des New Hollywood, die nicht nur von Mitgefühl, sondern auch von Gewalt gekennzeichnet ist.

In diesem neuen Film schöpfen die Safdie-Brüder aus Quellen wie Scorsese, Coppola und Schatzberg, und es gelingt ihnen, mit einer gewissen Sorgfalt und Achtung für die Charaktere zu arbeiten, was sie seit ihren ersten Arbeiten auszeichnet.

Die Hauptfigur ist Connie (Robert Pattinson), ein nicht besonders intelligenter Bandit, der alles ihm Mögliche tun wird, um seinen geistig behinderten Bruder nach einem gescheiterten Banküberfall aus dem Gefängnis zu holen. Good Time verwendet die tollpatschigen Handlungen Connies zu seinen Gunsten ebenso wie das Pech, das ihm anhaftet, und widersteht dabei stets dem Versuch, die Figur dem Klischee eines gefährlichen, dummen Mannes zu unterwerfen. Er will nur für seine Familie kämpfen, und die Wege dorthin können äußerst verschlungen sein.

Alle Emotionen sind sehr intensiv, aber sie klingen nicht falsch - und der Film der Safdies entspricht dem Wahnsinn ihrer Protagonisten. Der Soundtrack ist ohrenbetäubend. Die 35mm-Fotografie nutzt Körnung und drängende Bilder, um das Gefühl von Gefahr zu verstärken, sodass der Film noch grobkörniger wirkt, als er tatsächlich ist. Dennoch beeinträchtigt die Raserei nicht das Erfassen dessen, was sich im Bild abspielt.

Dieser Film, eine gelungene Mischung aus Familiendrama und Ganovenkomödie, mag vielleicht nicht der beste der Brüder Safdie sein - ein Platz, der Go Get Some Rosemary gebührt -, doch er betont weiter ihre Bereitschaft, sich an die Seite ihrer Protagonisten zu stellen. Gibt es einen an diesen randständigen und korrumpierten Leben interessierten Blick, ist er notwendigerweise dort und erlebt deren Agonie mit.