Talent Press Der Tod eines Films

O Nome da Morte
O Nome da Morte | Pressefoto / Festival do Rio

In dem Bestreben, Filme und Bezüge zu kombinieren, wird O Nome da Morte letztendlich zum Opfer seines eigenen Anspruchs.
Texto von Francisco Noronha
 

In einer der ersten Szenen von O Nome da Morte von Henrique Goldman (Jean Charles, 2009) versucht der Onkel des Protagonisten, nachdem dieser einen Mord begangen hat, zu beschwichtigen: „Du bist mein Neffe, ich bin dein Pate.“ Diese alles andere als subtile Anspielung auf die Figur Marlon Brandos in Der Pate fasst den zentralen Eindruck über den Film zusammen, nämlich, eine Lektion darüber, wie man einen Film nicht machen sollte, der in der Collage aus so vielen Bezügen und Allgemeinplätzen zu einem blutleeren Pastiche gerät, was besonders schädlich ist, wenn es um eine reale Person geht, einen Auftragsmörder mit fast 500 Opfern auf dem Gewissen.

Anders ausgedrückt sagt der Film alles, was die guten Filme, auf die er sich bezieht, zwischen den Zeilen belassen, buchstäblich (wie etwa in dem oben zitierten Dialog oder der Bezugnahme auf den „Kodex des Auftragsmörders“, eine glanzlose Replik des von Kurosawa, Melville und Jarmush  gedrehten Bushido) und in der Schauspielerführung. Marco Pigossi, der Protagonist, überagiert permanent, schnaufend, zitternd, einen Allgemeinzustand der Anspannung verdeutlichen wollend, der eine komplexe Figur zu einer grobschlächtigen Karikatur werden lässt.

Júlio Santana, der Mörder, wird als ein Mann zwischen Tugend und Sünde gezeichnet, der vom ländlichen Hinterland in die Stadt geht, auf der Suche nach einem besseren Leben und stets mit der Hand am Abzug, doch mit einem eigentlich guten Herzen. In dieser Erzählung vom Verlust der Unschuld ist die Komplexität dieses Protagonisten die einzige Ausnahme in Goldmans ansonsten vollkommenen Schematismus. Obwohl er die Realität als Ausgangsmaterial zur Verfügung hat, zeichnet der Regisseur ein ungleiches und zwischen „Guten“ und „Bösen“, Armen aber Ehrlichen (im Hinterland) und Raffgierigen und Korrupten (in der großen Stadt) aufgeteiltes Brasilien.

Die Sünde, die Erlösung, die Albträume: Alle Punkte der Checkliste des Genrefilms werden fantasielos eingehalten, was auch der disharmonische Umgang mit Farbe und der Soundtrack von Brian Eno nicht herausreißen, der übertrieben präsent ist und vorhersehbar in der Unterstreichung jedes dramaturgischen Moments.

„Du hast ein gutes Auge“, sagt der Onkel zu seinem Neffen, und man ist geneigt, hinzuzufügen, dass Zielgenauigkeit oder origineller Blick nicht die Sache der Kamera Goldmans sind.