Talent Press Die Illusion der vorgefertigten Witze

Mamá se fue de viaje
Mamá se fue de viaje | Pressefoto / Festival do Rio

Mamá se fue de viaje (Mama ist verreist) wiederholt Stereotype und versagt in seiner Kritik an der konservativen Familie.
Text von Thayná Almeida
 

Mamá se fue de viaje zeigt in etwas mehr als eineinhalb Stunden eine Art Kino reichlich abseits von dem, was wir vom kraftvollen argentinischen Film gewohnt sind. Wäre er nicht auf Spanisch, könnte man ihn für einen typischen Vertreter des amerikanischen Popcornkinos halten.

Der Spielfilm von Ariel Winograd erzählt die Geschichte eines Vaters, der sich gezwungenermaßen um seine vier Kinder kümmern muss, während seine Frau eine Reise Nach Machu Picchu unternimmt. Was eine zwischen komisch und bitter angelegte Kritik hätte werden können, wird zu einer Wiederholung typischer Klischees aus vielen Werken, die zahlreich in Kinos zu sehen sind. Mamá se fue de viaje stützt sich auf billige Witze, wie zum Beispiel den Vater, der nicht versteht, was sein Baby will, oder derselbe Vater, der bei dem Versuch, sein Kind zu retten, vom Dach fällt.

Der Film bedient sich beim Blick auf die obere Mittelschicht Argentiniens einer bereinigten Ästhetik. Das Drehbuch wiederum scheint lediglich an stereotypischen Protagonisten interessiert: die Hausfrau und Mutter, die ihre häusliche Routine leid ist, der in einem multinationalen Konzern erfolgreichen aber im Leben der Kinder abwesenden Vater, die Kinder, die über den Verlauf der gesamte Geschichte  keinerlei Zugang zu ihrem Vater finden.

Mamá se fue de viaje versagt darin, irgendeine Art von Komplexität in seine Figuren zu bringen und wiederholt Formeln des sogenannten „funktionierenden Kommerzkinos“, womit er sich den schlimmsten Momenten aus Big Daddy (1999) oder Meine Braut, ihr Vater und ich (2000) nähert. Es gibt keine Nuancen. Der Zuschauer muss nicht nachdenken. Der Film kontrolliert vollkommen, was hier gesehen oder erfasst werden kann. Er ist ein leicht zu konsumierendes Objekt. Es gelingt ihm nicht einmal, einen kritischen Blick auf die traditionelle Familie zu werfen: Die Mutter wird nie rebellieren oder ihre Rolle als Hausfrau hinterfragen, der Vater wird sich weiterhin selbst beglückwünschen, weil er seiner Frau ein einziges mal geholfen hat, die Kinder werden stets alles über sich ergehen lassen.

Es ist traurig zu sehen, wie das Kino sich nicht zu schade ist, diese Familienkonstellation anzubieten, ohne den Zuschauer zum Hinterfragen anzuregen, und im Gegenteil unkritisch diese soziale Ordnung bestärkt.