À tona und Deslembro Kleine Anmerkung zur Erinnerung

Deslembro
Deslembro | © Divulgação

À tona, ein Kurzfilm, sowie der Langfilm Deslembro beschäftigen sich mit dem Akt des Erinnerns.

Das Wörterbuch beschreibt Erinnerung als die Bewahrung von Ideen und Bilder im Geist. Der Geist inszeniert Wirklichkeit neu. Sei es, um uns wach zu halten, sei es, um Wege zu finden, mit dem umzugehen, was uns bedrückt. Bei der Première Brasil des Festivals von Rio, die À tona (An die Oberfläche) sowie Deslembro (etwa: Ich verinnere) zeigte, wird der Zuschauer mit beiden Spektren der Erinnerung konfrontiert.

In dem Kurzfilm À tona von Danielle Cronenberger lässt eine Frau ihre Vergangenheit Revue passieren. Alleine - immer alleine - erzählt die Protagonistin Episoden von körperlichem und physischem Missbrauch, den sie und andere Frauen aus ihrer Familie erlitten haben.

Die fragmentierte Machart des Films nimmt direkten Bezug auf den Prozess des Erinnerns. Die Frau läuft. Ihr Laufen ist eine Flucht im wortwörtlichen Sinne und auch symbolisch. Der Geist schafft sich Überlebensstrategien. Der Körper setzt das im Geist entstandene Bedürfnis nach Flucht um. Der letzte Trumpf im Kampf ums Überleben. Und die Stimme der Protagonistin hallt einsam durch den Kinosaal.

In dem Langfilm Deslembro von Flávia Castro dagegen ist niemand allein. Eine große Familie, viele Stimmen. Die Familiengeschichte im Exil in Europa, zu Zeiten der Militärdiktatur, wird mit einem Gefühl bewahrt, das der Film „Sentimentale Erinnerung“ nennt. Die klassische Geschichte über die Zeit der Diktatur wird auf die übliche Weise erzählt. Nichts Neues bringt die Erzählung. Der gleiche Tropicalismo, die gleichen Dramen, die gleichen Lösungen. Und die gleichen Gefühle.

Die Wirkung von Erinnerung in diesen beiden Filmen geht auseinander. Von der Möglichkeit, Erinnerung einzufangen, bis zur in beiden Geschichten sehr unterschiedlichen Möglichkeit des Dialogs. Fällt es jemandem auf?

Das Land ist durch Zeiten der Krise gegangen – seit mehr als fünfhundert Jahren –, und die Erinnerung daran, was die brasilianische Bevölkerung durchmacht, lebendig zu halten, ist äußerst wichtig. Die repräsentative Demokratie ist in Gefahr, aber die Mikropolitiken waren es schon immer. „Zum Teufel mit dem Klassenkampf“, ruft das bürgerliche Mädchen in Deslembro. Man kann sie hören, sie hat Gesprächspartner. Die schwarze Frau in À tona ist weiter allein auf der Suche nach jemandem, der oder die ihren Kampf begreift.

Ich habe die Aufführung mit einem Gefühl der Einsamkeit verlassen, während die Zuschauer im Kino von Gávea noch ihren alten Tropicalismo trällerten. In Zeiten der Krise ist es immer gut zu erinnern. Aber an was erinnern die Leute sich?