Ein Weg zurück Ein Dokumentarfilm rekonstruiert den Lebensweg von Clementina de Jesus

„Clementina de Jesus ist das Bindeglied zwischen Brasilien und dem afrikanischen Erbe“, heißt es an einer Stelle in dem Dokumentarfilm von Ana Rieper. In dieser Aussage verdichtet sich die Ausrichtung dieses Films über das Leben einer der eloquentesten Stimmen der brasilianischen Musik.

In den Aussagen der Sängerin, zusammengetragen aus umfangreichem Archivmaterial, zeigt sich deutlich, dass die Interpretin ihre Leidenschaft für das Singen bereits von ihrer Großmutter erbte, was auf die Kontinuität einer Tradition deutet, die von Generation zu Generation, und in diesem Fall mündlich, weitergegeben wird.
 
Deutlich wird dieses Erbe darin, dass ihr Repertoire aus Motiven besteht, die eigene Erfahrungen sowie die von Personen aus ihrem Umfeld wiedergeben. Improvisationen, wie die der Frauen in Südmosambik bei Familienzeremonien, wenn sie sich nach dem Kochen versammeln, um improvisierte Lieder nach überlieferten Melodien zu singen.
 
Der Trommelschlag in den Liedern von Clementina zeugt von dieser Überlieferung, denn traditionelle afrikanische Tänze wie Zoré, Mapiko, Xingomane haben vor allem in diesem Instrument ihr verbindendes Element. Das Bewusstsein darüber zeigt sich auch darin, dass man sich die Mühe machte, den Begriff „Ngoma“ zu übersetzen, der in den Versen ihres Repertoirs vorkommt und in südmosambikanischen Sprachen wie Bitonga, Changana und anderen aus der Sprachfamilie der Bantu für Trommeln steht. Indem erklärt wird, dass „Bangalê“, eins der Lieder von Clementina, sich auf die Stadt Benguela in Angola bezieht, und mit der Erwähnung von Mosambik und Zimbabwe verweist der Film für den Zuschauer auf den Ursprung der Interpretin und zeigt, dass die Weitergabe des kulturellen Erbes durch Oralität jene Brücke ist, die uns mit der Vergangenheit in Verbindung hält.
 
Interessant ist, wie der Diskurs des Dokumentarfilms aufgebaut ist, der Clementinas unterschiedliche Facetten auslotet und schließlich ein Bild der Künstlerin als Mensch zeichnet. Ähnliche Projekte neigen dazu, die Figur der Kunstschaffenden auf die Ebene von Göttern zu heben und das Gewöhnliche zu übersehen. Eine weitere Bereicherung durch zusätzliche Informationen sind Interviews mit Familie und Freunden der Sängerin.
 
„Clementina“ ist eine historische Dokumentation, aber zugleich ein höchst aktueller Film. Denn eine Hauptforderung der derzeit in Brasilien im Aufwind befindlichen schwarzen Bewegung richtet sich gegen die fehlende Repräsentanz und die Marginalisierung ihres  eigenen kulturellen Erbes.