Die (Un)schärfe der Geschichte Der Dokumentarfilm Gilda Brasileiro - vier Filme in einem

Gilda Brasileiro
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Eine Kamera, die eine andere Kamera filmt; eine brüchige Stimme; eine Träne rinnt übers Gesicht: „Die Leute müssen aufwachen“; eine Fotografie erscheint langsam im Entwicklerbad; eine getragene Erzählung.

Gilda Brasileiro - Contra o Esquecimento (Gegen das Vergessen): zwei Filmemacher, vier Filme, einer für jede Hand. Zunächst ein Filmporträt über Gilda, eine Frau, die das Erbe der Sklaverei in ihrer Stadt recherchiert, Salesópolis in der Metropolregion São Paulo. Dann eine Recherche über Dokumente und Ruinen der Handelsstationen für Menschen, die Zeitzeugenschaft der Älteren, die noch die Ausläufer dieses Schreckens selbst kennengelernt haben. Doch auch ein Meta-Film über das Filmemachen, das Eindringen ins Dickicht mit einer Kamera und das Konfrontieren der Nachkommen der Söldner in ihren komfortablen Mythologien. Und schließlich ein Foto-Film-Essay aus Negativen vom Ende des 19. Jahrhunderts, in dem Werbeaufnahmen des Kaffeeanbaus von einer Realität zeugen (Didi-Huberman wäre glücklich).

Es ist ein Film, der sich vielfach vervielfältigt in bildlichen Lösungen, bis diese sich als kontraproduktiv erweisen. Und doch, trotz der Verrenkungen, die das dokumentarische Geflecht auseinandernehmen, bleibt die Gelassenheit Gildas mit ihrer Zigarette im Mundwinkel, wie sie ins Grün hinausschaut. Und natürlich ein entwaffnendes Lächeln, aufgespürt in den Ausläufern des Vergessens. Das ist der treffendste Aspekt des Films: die Beziehung von Materialität der fotografischen Dokumente und dem Zugang zu dem, was sie vermitteln. Die Filmemacher gehen von einer Sammlung von Fotografien aus, in dem unterschiedliche Momente der Kaffeeproduktion inszeniert werden, und finden in ihnen Beweise für Sklaven- und Kinderarbeit. Nur erscheinen die Negative in der Auseinandersetzung mit der (Un)schärfe der Bilder, die zur (Un)schärfe der Geschichte selbst wird. Der Pointilismus des Tintenstrahldrucks gegen die glänzende Auflösung der Daguerreotypen. Denn im Akt des Entwickelns der Fotografien, ihrer Digitalisierung und der sie umgebenden Recherche geben die Filmemacher letztendlich Gildas Vorgehen wieder, die aufdeckt, aufklärt und die Vergangenheit neu definiert.