Les tombeaux sans noms Tote ohne Gräber gibt es viele

Túmulos sem nome
Divulgação

Die Geschichte der Menschheit ist gezeichnet von Episoden der Barbarei. Doch es ist immer wieder schockierend, mit Berichten darüber in Berührung zu kommen. Les tombeaux sans noms (Gräber ohne Namen) ist ein Dokumentarfilm, der schockiert, ein Dokumentarfilm, der wehtut.

Wie in seiner früheren Produktion Das fehlende Bild (2013) arbeitet Rithy Panh auch hier daran, die Erinnerung zu bewahren an die Gräuel der Diktatur der Roten Khmer unter Pol Pot zwischen 1974 und 1979 in Kambodscha. Die hervorragend fotografierten Bilder des Films sind die von Familien, die mit buddhistischen Ritualen - die manchen aus der Bantu-Tradition ähneln - nach den Körpern ihrer Toten suchen, um sie würdig begraben zu können und so ihren Seelen zu ermöglichen, in Frieden zu ruhen.
 
Man schätzt, dass der Völkermord rund zwei Millionen Menschen das Leben genommen hat. Einigen davon durch Krankheit, vielen durch Hunger - es gibt den Bericht einer Frau, die begrabene Leichen ausgrub, um deren Fleisch zu essen - und vielen durch Mord. In einer bemerkenswert persönlichen Arbeit entscheidet sich der Regisseur, ähnlich wie Joshua Oppenheimer in The act of killing, für Inszenierungen im Dokumentarfilm. Angesichts des Dilemmas, die Barbarei zeigen zu müssen, greift Rithy Panh auf ein Hybrid mit Fiktion zurück. Anknüpfend an die Technik, die er auch in Das fehlende Bild anwendete, mit der Darstellung von Toten durch Puppen, nimmt er nun kleine Holzfiguren und Kleidungsstücke. Und Fotografien.     
 
Les tomebaux sans noms spielt mit Detailaufnahmen von Gesichtern derjenigen, die ihre Aussagen machen, darunter Militärangehörige, die Leben vernichteten, sowie mit Totalen, um die Entvölkerung und die von den Toten  zurückgelassene Leere zu zeigen. Dieser rohe, beeindruckende Dokumentarfilm, in dem die Grenzen sehr zart sind, zeigt das Zusammenleben der Lebenden mit den Toten.