Los Silêncios e Chuva é Cantoria na Aldeia dos Mortos Totenfeier Brasiliens

Chuva é Cantoria na Aldeia dos Mortos
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Es ist kein Zufall, dass mindestens zwei der Filme, die auf der Premiére Brasil des Festivals von Rio gezeigt wurden, mit Totenfeiern enden. Zwei indigene Totenfeiern. Zwei Filme, die von Territorien, von Ahnen, vom Recht und von der Pflicht handeln, unsere Toten beizusetzen. Godard aus Le livre d’Images (einem anderen Highlight des Festivals) paraphrasierend: [In Brasilien] waren wir nie traurig genug, um unsere Toten zu beerdigen.

In Los Silêncios von Beatriz Seigner teilen die Gespenster der Guerilla, ohne Land, ohne Leib, den man beerdigen könnte, das letzte Begräbnis mit den nicht beigesetzten Indigenen, deren Land entrissen, deren Friedhöfe vergessen wurden. Eine Beisetzung im Fluss, denn das Land gehört ihnen nicht mehr, nicht einmal als letzte Ruhestätte.
 
In Chuva é cantoria na Aldeia dos Mortos (Regen ist Singen im Dorf der Toten) von Renée Nader Messora und João Salaviza führt das Übergangsritual seines Vaters, das zu seinem eigenen wird, Ihjãc zurück in sein Dorf Krahô, wo er seinen Platz in der Gemeinschaft einnehmen soll. Unmöglich, dabei nicht an den Indigenen aus Martírio (2016) von Vincent Carelli zu denken, der empört auf die Gräber seiner Angehörigen deutet, um ihren Verbleib in der Erde zu beanspruchen.
 
In der Sprache der Gesetze sind Friedhöfe ein Beweis im Prozess der Ausweisung indigener Gebiete. In der Sprache der Erde sagen die Friedhöfe: Wir waren zuerst hier. Wir sind in diesem Boden begraben mit unseren Eltern und Geschwistern. In der Sprache des Himmels ist die Hilfe, die wir unseren Toten beim Gang über den Fluss leisten, die Gewähr dafür, dass sie nicht unter den Lebenden bleiben, Ansprüche stellen und die Geschichte sich wiederholt. Deswegen stellt sich Antigone mutig dem König entgegen. Deswegen erlaubt Kreon keine Trauer um die Verlierer: damit man sich nicht an sie erinnert, sie keine Saat im Boden hinterlassen.
 
Es ist kein Zufall, dass mindestens zwei Filme, die auf der Premiére Brasil des Festivals von Rio gezeigt wurden, mit Totenfeiern enden: um daran zu erinnern, dass unsere Toten - Indigene, Sklaven, Krieger des bewaffneten Kampfes und alle anderen ohne Recht auf Boden – nun kommen, um ihren Anspruch auf unsere Erinnerung geltend zu machen; daran zu erinnern, dass ein Ort erst durch kulturelle Praxis zum Territorium wird und nicht durch nackte Inbesitznahme; um daran zu erinnern, dass wir entweder unsere Toten begraben oder Brasilien.