Nachtaktive Wesen

'Die kurze Geschichte des grünen Planeten'
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Die erste Szene von "Kurze Geschichte des grünen Planeten" von Santiago Loza besitzt eine formale Dimension, die den gesamten Film durchzieht: Indem die drei Charaktere (Pedro, Daniela und Tania) mit fast identischen Bildern und Bewegungen gezeigt werden, wird die Aufmerksamkeit des Betrachters von Beginn an auf eine natürliche Ordnung gelenkt, die andererseits denselben Blicken die Laster ausliefert. Wir sehen einen schwulen cis-Mann, eine heterosexuelle cis-Frau und eine heterosexuelle Trans-Frau wach werden und Kaffee trinken. Muss es nur deswegen eine andere Geschichte geben, weil eine Transfrau keine cis-Frau ist und umgekehrt? Dies ist der erste wichtige Punkt des Spielfilms.
 
Der zweite Punkt des von Loza inszenierten Films, der aus dem ersten folgt, wird umso verständlicher, je besser wir einige historische und ästhetische Determinanten über einige der Erzählstränge, die der Film durchläuft, im Hinterkopf behalten. Lasst uns ehrlich sein: Fast immer wird die LGBTQIA+-Gemeinschaft als Fauna dargestellt, als Kreaturen, aus Bösgläubigkeit oder erzählerischer Naivität, wobei manchmal vergessen wird, dass die "Kreaturen", die von einer bestimmten Gesellschaft geschaffen wurden, in einem ganzen System von Bildern (Brasilien zum Beispiel ist das Land mit der weltweit höchsten Mordrate von Transsexuellen und einigen der am häufigsten gesehenen Videos von Morden an Transsexuellen) dazu neigen, nur die latente und exklusive Monstrosität derselben Gesellschaft zu enthüllen.
 
Eine der in diesem Sinne stärksten Szenen ist die Eröffnung eines nächtlichen Plans, der eine Gruppe von tanzenden Travestien und Transsexuellen zeigt. Der Film verwandelt die Ballade bewusst in eine nahezu nicht-binäre Fauna, richtet unseren Blick auf diesen gefährlichen Ort und beginnt erst dann seinen Diskurs, indem er Pedro in diesen Raum einfügt. Das Kreuzen der Wege von Tânia und Pedro (was bis dahin eine naturalistischere Ästhetik innerhalb des Films innehatte) führt auch dazu, dass ein Teil der Dimensionen des einen auf die andere Figur zurückgeführt wird. Das ist der zweite Punkt des Films.
 
Das führt uns schließlich zum dritten Teil des Films, der folgendermaßen beschrieben werden kann: Wenn für eine autoritäre und theokratische Gesellschaft, wie sie sich heute in Lateinamerika etablieren, schwule Männer, dem Schönheits-Ideal abweichende cis-Frauen und Trans-Frauen den Regeln zufolge als seltsame Wesen, Kreaturen, Monster oder ein anderes ignorante Missverständnis interpretiert werden, wer wären dann die seltsame Wesen aus der Perspektive dieser Menschen? Ein Monster, dessen Symbol das Kreuz ist, ein auf einem Dachboden gefundener ET, ein alter Liebhaber? Kommt darauf an.
 
Indem der Bruch des Films auf anderer Ebenen stattfindet, macht er eine subtile und wichtige Umkehrbewegung: Er normalisiert die Charaktere, denen wir bis dahin gefolgt sind, indem er die "normale" und "abnormale" Position des Zuschauerblicks umkehrt, und wie zu Zeiten der Hexenverfolgung (die Fackelszene ist ein Schrei in diesem Sinne) liegt es an der Öffentlichkeit zu entscheiden, ob sie ihre Fackeln ausmacht, um zu sehen, dass die Monster tatsächlich Menschen sind, oder ob sie glauben, dass diese Menschen so monströs sind, dass alles gegen sie gerechtfertigt ist. Einschließlich aller und jeder.... Monstrosität.