Ein Drama auf der Suche nach Nüchternheit

'Nur eine Frau'
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"Eine außergewöhnliche Frau" – der portugiesische Titel kontrastiert überraschenderweise den deutschen Originaltitel "Nur eine Frau" – erzählt die wahre Geschichte der jungen türkisch-kurdischen Hatan "Aynur" Sürücü, die 2005 von ihrem jüngeren Bruder ermordet wurde, was im Koran als "Ehrenmord" bezeichnet wird. In der Geschichte, die von der Regisseurin Sherry Hormann für das Kino adaptiert wurde, flieht die schwangere Aynur vor einer gewaltsamen Ehe und kehrt nach Berlin zu ihrer Familie zurück.

Jede Spannung, die sich auf Aynurs Schicksal bezieht, wird von Beginn an abgewürgt. Sie benennt ihren Mörder bereits in der Einleitung, als ihr Körper uns auf dem Boden liegend präsentiert wird. Genau dort bekennt sie, dass Geschichten wie die ihre heute kaum noch schockieren (auch wenn sie zur Ablehnung führen). Überraschenderweise verbringt der Film nicht viel Zeit damit, das Gegenteil zu beweisen. Trotz all des Materials, das sie in der Hand hält, vermeidet die Regisseurin Effekthascherei. Was für die Arbeit der Protagonistin und des größten Teils der Darsteller sehr hilfreich ist.

Aynurs Tragödie wird also aus der Ich-Perspektive geschildert, was, wenn man einerseits an die Großzügigkeit der Autorin denkt, dem Opfer "eine Stimme zu geben" – und dem Film oft hilft, dem Roman zu entkommen – auch wegen des von der Erzählerin eingeschlagenen Tonfalls den dramatischen Ballast der Geschichte stark reduziert. Diese Eigenschaft wird gleichzeitig zur Stärke und Schwäche des Films: Zur Stärke, weil sie ihn davor bewahrt, ein Drama zu sein, in dem das Leiden nach Strich und Faden ausgenutzt wird. Und zur Schwäche, weil die Gefahr besteht, dass der zynischere und weniger einfühlsame Zuschauer sich der Probleme, die der Film behandelt, nicht ausreichend bewusst wird.

Die starke Unterdrückung der muslimischen Frauen, der Machismo und die Gewalt, der Frauen zum Opfer fallen, wurden seit den 90er Jahren fast zu einem eigenen literarischen Genre, das kurz darauf vom Kino adaptiert wurde, leider fast immer gebranntmarkt durch die Armut der kinematographischen Ästhetik. Merkwürdigerweise steht in der Filmografie der Regisseurin der außergewöhnlichen Frau die Umsetzung eines der größten Klassiker dieses Literaturgenres für die Leinwand: der Bestseller Wüstenblume.

Auf dass es "Nur eine Frau" gelinge, durch seine nüchterne Darstellung mit der Stimme des Opfers und auch durch seine Montagetechniken, dem Fernsehmelodrama zu entkommen und der Handlung einen fast dokumentarischen Ton zu verleihen, ist eine erwähnenswerte Besonderheit,  welche jedoch die Gefahr der Entfremdung eines Teils des Publikums Vorschub leistet.