Inszenierung in natura

'Meine Festung, die Söhne von so nem Typen'
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"Minha fortaleza, os filhos de fulano" ["Meine Festung, die Söhne von so nem Typen"], ein Dokumentarfilm unter der Regie von Tatiana Lohmann, gedreht im Ostteil von São Paulo, nimmt die systematische Abwesenheit von Vaterfiguren, in diesem Fall der gebrochenen, zum Anlass, Überlegungen über die Gründe und die Auswirkungen solcher Abwesenheiten anzustellen. An dieser Stelle wirft der Film jedoch eine problematische Frage auf: Inwieweit lassen sich die naturalistisch-dokumentarischen Aufzeichnungen von den inszenierten Gesprächen und Situationen im Film scharf trennen?

Die Nachstellung der Realität im Film ist weder neu noch per se problematisch. Schwierig wird es aber, wenn sich die vermeintliche physische Abwesenheit des Filmemachers in der Projektion offenbart und den Wunsch der Kamera offenbart, zu zeigen, dass sie nicht anwesend ist, während sie gleichzeitig und auf eine etwas offensichtliche Weise Situationen (die Gespräche in der Küche, bei der Maniküre) konstruiert, so dass Menschen und Räume Diskurse widergeben, die auf die vermeintliche Position des Films ausgerichtet sind. Indem die Kamera versucht, uns davon zu überzeugen, dass sie nicht da ist, ist sie umso präsenter.

Das symptomatischste Beispiel ist in einer Szene zu sehen, in der einer der Befragten, Macário, vom Tod seiner Mutter Fátima (die er neben Dona Edith als eine seiner Mütter ansieht) berichtet. In diesem vielleicht schmerzhaftesten und intimsten Moment des Films gibt es eine Anordnung von Licht, Objekten und Kameraposition, die den Bericht des Jungen so dramatisch umrahmt, dass er Gefahr läuft, übertrieben oder sogar übergriffig zu werden.

Diese Szene zeigt ein Problem, das sich wiederholt: Komplexe und natürliche Diskussionen im Alltag eines Zusammengebrochenen wie die im Viertel Vila Flávia erscheinen unterdrückt unter dem Wunsch des Dokumentarfilms, falsche Natürlichkeiten zu enthüllen, die in eine in natura-Inszenierung verwandelt werden. Auch die Absicht, alle Geschichten auszuerzählen, die der Film anschneidet, lässt er am Ende größtenteils auf dem Weg liegen (wie im Fall der Beziehung zwischen Fernando, Júnior und dem abwesenden Vater). Daher die große Gefahr, die an den Straßenkreuzungen von Lohmanns Film zu lauern scheint: Naturalismen zu inszenieren bedeutet manchmal nur, dem natürlichen Verständnis des Films zu erliegen.