Tom Zé Der Fall Dante x Goethe

Tom Zé
Tom Zé | Foto (Ausschnitt): Diana Mota und Pedro Chaves

9.15 Uhr. Morgenkälte. Ich setze meinen Fuß in das Goethe-Institut von Berlin. Mein Name ist Elisa, heute habe ich Geburtstag. Ich denke an einen Befehl, damit meine Augen das iPaper öffnen … Oh! Ist das auch schon durchgesickert? Was für eine grausame Schlagzeile!

      AUCH MÄNNER STILLEN BALD

„Deine Brüste, mein Junge: Es ist Zeit, sie zum Wachsen zu bringen“. Beim Heiligen Einstein! Nein, darum geht es absolut nicht. Fakt ist, dass die Lebensmittelindustrie Milch bereits künstlich mit der Karte des Genoms und sogar mit Spuren der mütterlichen DNA versieht. Das Baby nimmt die Nahrung bisher aber nicht vollständig auf, wenn die Mutter nicht da ist. Man hat aber mittlerweile entdeckt, dass auch die Nähe des Vaters hilft. Der Hersteller hat sich alle Mühe gegeben: Die Trinkflasche hat jetzt die Form einer weiblichen Brust und der Vater kann mit einem mitgelieferten Träger dem Baby die Brust in derselben Position wie die Mutter geben.

Die Sonne ist gealtert, ihre Lebenserwartung ist geschrumpft, ihr bleiben nur noch etwas über fünf Millionen Jahre. Als diese Bombe in den Nachrichten platzte, wiederholten alle Artikel, dass es „keinen Grund zur Verzweiflung gäbe“, aber genau das ist passiert. Wir befinden uns im Jahr 2064 und seit Januar haben wir ständige Wellen von Skandal-Gerüchten erlebt, umso mehr, da die Wissenschaft nun selbstbewusst auftritt, und sie braucht helfende Hände:

Mütter werden ihre Kinder der Wissenschaft überlassen – und das hat sich verschärft: Die Kinder werden die Sprache der Eltern nicht mehr sprechen.

Dieses Problem wurde zu Beginn des 20. Jahrhundert aufgebracht. In Science and Sanity wies Korzybski darauf hin, dass die indoeuropäischen Sprachen voll von primitiven metaphysischen Begriffen sind, die den Geist dabei behindern, die Wissenschaft zu erlernen. Deswegen wird den „überlassenen“ Kindern eine Sprache beigebracht, die aus der Algebra, der modernen Mathematik und der Mengenlehre hervorgeht. Der Volksmund hat sie auf den Namen „Wissisch“ getauft.

APOCALYP-SONNE: RETTEN IST GRAUSAM

Ich arbeite im Prog3, leite die Beziehungen zur Presse. Manfred, mein Loverfreund, ist in D-Cultura. Er kümmert sich um die Übersetzungen ins Wissische.

Zuletzt übernahmen die Abassiden, die in der Geschichte große Freunde der Kunst und der Wissenschaft waren, die politische Macht im Osten und die Zusammenarbeit mit dem Europäischen Einheitsstaat wurde sehr gestärkt. Aufgrund der dringenden Bedürfnisse der Wissenschaftsgemeinschaft arbeitet der Orient mit voller Freiheit auf allen Ebenen an der atomaren Entwicklung. Auf der Liste der jüngsten Skandale besagt einer

DIE WISSENSCHAFT HETZT UNS AUF FÜR EIN ATOMARES ZIEL.

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Ich wunderte mich: Die Meinungen von Gruppen, Ländern und Personen zu dieser Nachricht liefen weit auseinander. Ich selbst begegnete einer seltsamen Reaktion: Manfred regte sich dermaßen über das Goethe-Institut auf, dass er es wegen seines nachlässigen Umgangs mit dem Kulturerbe der Europäischen Union (!!) verklagen wollte. Er sagt, dass die Abassiden, jetzt da es ihnen wirtschaftlich gut gehe, nun auf „gebildet“ machen würden und dass sie mit Hilfe des spanischen Paters Asín y Palacios eine „Unverschämtheit“ erfunden hätten.

In einer Schrift von 1919 behauptet Palacios, dass Dante, Alighieri höchstpersönlich, die Göttliche Komödie von dem Dichter Ibn Arabi aus Múrcia abgekupfert habe. Und Manfred versichert, dass das Goethe ihm Zuflucht gewährt habe.

In der Bibliothek des Instituts zog ich das Werk von Palacios heran: Die Übereinstimmungen sind beeindruckend. Aber glauben Sie nicht, dass ich vor Manfred meinen Mund aufreißen werde, um das zuzugeben. „Nicht mal tot!“ – wie die Urgroßväter der guten brasilianischen Machos zu sagen pflegten.

Ich verließ das Institut gegen fünf Uhr nachmittags und blieb ungefähr eine Viertelstunde bei den Straßenkindern an der Ecke stehen (sie akzeptieren mich und ich pflege eklektisch mit Freundschaften umzugehen. Wir wetteten, ob die übriggebliebenen Autos, die um die Kurve bogen, mit Strom oder Wasserstoff betrieben wurden. Ich verlor fünf Eulen (steinzeitliche Währungsangabe) und machte mich in einem Lufttaxi davon. Bei dem Gebäude von D-Cultura stieg ich aus, verlangte durch die Sprechanlage nach einem Herrn Manfred Benvenutti und auf dem Apparat erschien ein live-Foto von ihm. Darauf bereitete er Nudeln zu, um meine gerade vollendeten 50 Jahre zu feiern.

Kurios wie die Angst ihre Fäden spinnt und ins Zentrum jeder Persönlichkeit vordringt und zu unerwarteten Auswüchsen der menschlichen Hysterie führt. Doch wie ein Vers von Eliot sagt: Zu Ende geht die Welt nicht mit einer Explosion, sondern mit einem Seufzen.